Gleichstellung erst 2187?

Gleichstellung ab dem Jahr 2187! Warum Zukunftsprognosen zum Handeln motivieren sollten

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

  • 13th Feb 2017
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Das World Economic Forum in Davos hat nicht gerade den Ruf, eine soziale Vorreiterrolle zu haben. Dort treffen sich die – meist männlichen – Eliten aus Wirtschaft und Politik und sprechen über wichtige Zukunftsfragen. Auf den Fotos sieht man dann Krawatte neben Krawatte. Spitzen-Frauen sind eher in der Minderheit.

Um so mehr horche ich auf, wenn aus Davos Prognosen zur Gleichstellung von Männern und Frauen kommen. Vor kurzem hat das Forum Ergebnisse zur Situation von Männern und Frauen im Arbeitsmarkt, in der Bildung, Politik und Gesundheitswesen veröffentlicht. Die weltweite Studie bietet dabei zweischneidige Ergebnisse. Die gute Nachricht: Ja, es gibt einen Trend zur Gleichstellung. In vielen Ländern haben Frauen im Bildungswesen zu Männern aufgeschlossen. Und auch um ihre Gesundheit steht es meist nicht besser oder schlechter als um die der Männer.

Und die schlechte Nachricht? In der Politik sind Frauen nach wie vor nicht ausreichend vertreten. Und am Arbeitsmarkt stagniert die Lage, in manchen Ländern hat sich der Trend gar umgekehrt. Tatsächlich: es gibt sogar wieder Rückschritte, was die Karrieremöglichkeiten von Frauen am Arbeitsmarkt angeht!

Gleichstellung am Arbeitsplatz in 170 Jahren?

Den Autoren nach wird es im aktuellen Tempo noch bis zu 170 Jahren dauern, bis Gleichstellung erreicht ist. 170 Jahre?! Ich habe erst die Stirn gerunzelt und dann nachgerechnet. Das wäre also das Jahr 2187. Da wäre ich um die 210 Jahre alt. Oder, um es anders zu sagen: Ich werde Gleichstellung nicht mehr erleben, wenn es so weitergeht wie bislang! Sogar die positivere Voraussage für Gleichstellung in Europa – laut Studie erreicht im Jahr 2078 – beruhigt mich da nicht so richtig.

Woher kommen solche Zahlen? Gerade in den Ländern, die in den letzten Jahren stark aufgeschlossen haben, stagniert der Karriereweg von Frauen. Das liegt auch daran, dass sie die meiste Arbeit im Haushalt übernehmen. So haben sie weniger Zeit für den Job – und damit Karrierenachteile, obwohl sie in der Summe mehr arbeiten als die meisten Männer. Hinzu kommt, dass Berufe, in denen viele Frauen arbeiten, nach wie vor schlechter bezahlt sind als die Professionen, die Männer üblicherweise wählen.

Das Schöne an solchen Studien ist, dass sie immer falsch liegen. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Um so wichtiger ist, dass wir solche Prognosen ernst nehmen – und gegen sie arbeiten. Wer sagt denn, dass wir den Spieß nicht umdrehen können und viel schnellere Schritte in Richtung gleichberechtigter Arbeitsmärkte gehen können?

Nehmen Sie das Beispiel Flexibilität am Arbeitsplatz. Immer mehr Firmen begreifen, dass die Stunden am Büro-Schreibtisch nichts über die tatsächliche Arbeitsleistung aussagen. Tatsächlich haben sie viel mehr von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wenn sie ihnen das „Wo und Wann“ ihrer Arbeit überlassen. Der Forschung nach wartet hier ein riesiger Stellhebel für weibliche Karrierechancen. Wenn Frauen sich von der Entscheidung Zuhause oder Büro befreien können, verbessern sich auch ihre Möglichkeiten, nach ihren Möglichkeiten zu arbeiten – und damit Karrierenachteilen oder –pausen vorzubeugen.

Vor 20 Jahren wäre es noch schwer denkbar gewesen, dass man guten Gewissens im Café oder nach der Schlafenszeit der eigenen Kinder arbeiten kann. Heute geht das immer öfter. Manche Personaldienstleister haben sogar schon angefangen, solche Flexi-Regelungen vor der Veröffentlichung einer Stellenanzeige mit Arbeitgebern auszuhandeln.

Sprich: Da bewegt sich etwas, meinem Eindruck nach sogar in rasendem Tempo. Wenn kultureller Wandel hier gelingt, geht das auch woanders, oder? In diesem Sinne: nicht verzagen, sondern anpacken, liebe chefs und Führungskräfte. Auf dass es kürzer dauert bis zur Gleichstellung als bis 2187!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.