Motivation durch Ziele

Führen mit Zielen? Wie Zielvorgaben wirklich Sinn machen

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Was motiviert uns? Na klar: Ziele! Ohne die geht gar nichts. Ziele sind der Ankerpunkt, der uns in Bewegung setzt – eine attraktive Sache, für die wir bereit sind, Energie aufzuwenden. Das fängt im Kleinen an, vom Kochen des gesunden Abendessens bis hin zur 20-minütigen Joggingrunde am Abend. Und geht bis ins Große: Das Ziel, eine Familie zu gründen. Das Ziel, die Welt zu verbessern.

Umso näher liegt es, auch im Job mit Zielen zu führen. Der Management-Papst Peter Drucker führte vor vielen Jahren das Schlagwort Management by Objectives ein. Damit meinte Drucker das Führen mit Zielen – die am besten messbar sein sollten. Wie sonst soll man auch den Fortschritt in Richtung Zielmarke belegen können?

So gut Druckers Idee war: seitdem hat sie eine unrühmliche Karriere erlebt. Die meisten Unternehmen haben übersehen, dass Drucker eine ganz spezifische Verwendung von Zielen im Kopf hatte. Manager sollten seiner Überzeugung nach ihre eigene Arbeit nach Zielen steuern.

Heute hingegen ist etwas ganz Anderes üblich. Ziele werden von oben nach unten durchgereicht. Die eine Chefetage beglückt die nächstuntere mit Zielen, die bitte erfüllt werden sollen. Der jeweils zwangsbeglückte Chef zwangsbeglückt dann wiederum sein Team. Und das Team gibt so viel wie möglich an andere Teams ab, damit die Zwangsbeglückung nicht ganz so viel Arbeit macht.

Nun ja, Sie merken schon: so richtig überzeugt bin nicht ich von dieser Art, mit Zielen zu führen. Aus einem ganz einfachen Grund: Ziele sind dann motivierend, wenn man sie sich selbst gibt. Dann entfalten sie oft riesige Motivationskraft. Schließlich hat sich ein Mensch in diesem Moment selbst entschieden, diesem Ziel entsprechen zu wollen!

Anders sieht es aus, wenn wir Ziele einfach serviert bekommen. Das soll motivieren – macht aber in der Regel einfach nur Druck. Das Führen mit Zielen ist meist eher ein Kontrollieren durch Zielvorgaben. Zu allem Überfluss sind viele Ziele dann auch noch so abgefasst, dass sie kaum erreichbar sind. So werden auch noch systematische Anreize gesetzt, nach Abkürzungen und kleinen buchhalterischen Tricks zu suchen, um die Ziele zumindest formal alle zu erreichen. Was für ein Quatsch!

Ist die Idee von Management by Objectives also für die Tonne? Ich meine: nein! Aber wir müssen anfangen, sie ernst zu nehmen. Ziele sind dann sinnvoll, wenn Teams sich ihre Ziele selbst geben. Daraus kann dann jede und jeder im Team individuelle Ziele ableiten. All das sollte im Dialog mit der jeweiligen Führungskraft – im Zweifel Ihnen – geschehen. So ist sichergestellt, dass die Team-Ziele nicht vorbeigehen an den Zielen der Organisation.

Und Sie als Führungskraft? Sie können natürlich sich selbst durch Ziele führen. Überlegen Sie, woran Sie den Erfolg Ihrer Arbeit messen möchten. Und tun Sie das. Schließlich können Sie alles messen: die Zufriedenheit Ihres Teams. Die Anzahl der positiven Feedbacks, die Sie verteilen. Die Zahl der Minuten, die Sie mit Ihrem Team im qualitativen Gespräch verbringen… Hauptsache, Sie geben sich die Vorgaben, die Sie motivieren! Dann ertragen Sie vielleicht auch die Ziele besser, die Ihnen Ihr Chef aufdrückt.

Titelbild: shutterstocl/Constantin Stanciu

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.