Mitarbeiterin hält Wecker und Kaffeebecher

Gesetzliche Pausenregelung: Wie Sie sie nutzen & die Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter entfalten

Auf Dauer mehr Power: Eine Kolumne von Melanie Kohl, Expertin für mentale und emotionale Stärke

Arbeitsdruck und Zeitnot, Kreativität auf Knopfdruck und jeden Tag eine Top-Performance: Mitarbeiter und Führungskräfte sind heute mehr denn je gefordert. Umso wichtiger ist es, feste Pausenzeiten in den Alltag zu integrieren. Doch das tun nur wenige Mitarbeiter wie eine aktuelle Sodexo-Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Toluna zeigt:

  • 62% der Arbeitnehmer bleiben unter 30 Minuten Mittagspause – zu wenig Zeit für Essen, frische Luft und Entspannung
  • 42% können nicht regelmäßig Pause machen und sehen sich gezwungen hin und wieder auf die Mittagsruhe zu verzichten
  • Besonders betroffen sind dabei die, die in ihrer Mittagspause im Durchschnitt unter 20 Minuten bleiben (20%). Sie leiden an typischen Überlastungsproblemen und drohen auszubrennen.

Die Folge: Unzufriedenheit und krankheitsbedingte Ausfälle. Knapp ein Drittel der Arbeitnehmer ist nicht einverstanden mit der Pausensituation am Arbeitsplatz.

Gesetzliche Pausenzeiten nach dem Arbeitszeitgesetz

Obwohl die Pausenzeit nach §4 ArbZG gesetzlich geregelt ist, werden Pausen nicht ausgeschöpft. Und das, obwohl die Arbeitszeiterfassung die gesetzlichen Pausenzeiten automatisch abzieht. Nach dem Arbeitszeitgesetz beträgt die Pausenzeit bei mehr als sechs Arbeitsstunden pro Tag mindestens eine halbe Stunde. Bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden sind es 45 Minuten.

Leider sieht die Realität anders aus. Gesundheitsfördernd ist das nicht. Denn nur, wer sich genug Erholung und kleine Auszeiten gönnt, bleibt auf Dauer fit und leistungsfähig.

Pausen schaffen Mehrwert

Durchpowern statt Pause machen: Das ist häufig die Regel und nur selten die Ausnahme. Da isst man mal schnell ein Brötchen vor dem Computer, steigert den Kaffeekonsum gegen das Mittagstief, und wenn man doch in die Kantine geht, wird das Mittagessen oft zum Business-Lunch, bei dem noch schnell wichtige Themen besprochen werden. Ruhephasen für die geistige Erholung verschwinden, Leistungstiefs werden ignoriert, Ressourcen aufgebraucht. Dabei gibt es viele gute Gründe, Pause zu machen:

Regelmäßig eingehaltene Arbeitspausen

  • halten den Energiehaushalt hoch und machen fit,
  • erleichtern den Umgang mit Stress,
  • verbessern die Konzentrationsfähigkeit,
  • steigern die Leistungsfähigkeit,
  • fördern die Kreativität,
  • wirken einseitigen Belastungen entgegen und
  • reduzieren das Unfall-/Krankheitsrisiko.

Damit fördert eine bewusste Pausengestaltung auf der einen Seite die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und trägt auf der anderen Seite zur Steigerung der Produktivität sowie zu mehr Gewinn und Effizienz bei.

Fatal: (Gesetzliche) Pausen haben ein schlechtes Image

Kennen Sie auch solche Aussagen. Man möchte ausnahmsweise mal um 17.00 Uhr Feierabend machen und hört dann den Spruch: „Machst Du heute einen halben Tag frei?“ Weil der Einzelne befürchtet als faul zu gelten, wenn er öfter am Tag seinen Arbeitsplatz verlässt, um durchzuatmen, ist es entscheidend, dass Führungskräfte eine Pausenkultur entwickeln und vorleben. Gerade mal 15 Minuten Pause gönnen sich Manager im Schnitt am Tag, zusätzlich zu ihrer Mittagspause, so ermittelte das Forschungsinstitut IWD. Jeder dritte Manager ist aber davon überzeugt, mit zusätzlichen Pausen konzentrierter und effektiver arbeiten zu können, 21 Prozent glauben, die Stressbelastung der Mitarbeiter würde sich durch Pausen senken.

5 Tipps, wie Sie die (gesetzliche) Pausenregelung nutzen und Pausen gesund gestalten:

1) 5-Minuten Auszeit pro Arbeitsstunde

Unsere Leistungsfähigkeit schwankt in einem etwa 90-minütigen Rhythmus. Nach spätestens 70 bis 80 Minuten konzentrierter Arbeit schaltet der Körper in den Erholungsmodus um. Das bedeutet, die Konzentrationsfähigkeit sinkt, wir sind weniger aufmerksam und sollten eine kurze Pause einlegen. Eine Vielzahl an Studien belegt, dass eine kurze Pause, eine sogenannte Mini-Pause, nach etwa einer Stunde Arbeit besonders erholsam ist. Sie beugt der Müdigkeit vor und steigert die Leistung.

2) Bewusst Pause machen

Die bisherige Tätigkeit wird unterbrochen und die Pause gezielt für die Erholung genutzt. Die Pause ist am wirkungsvollsten, wenn Sie und Ihre Mitarbeiter sich in dieser Zeit bewegen oder eine Entspannungsübung machen.

Besonders effektiv: Ein kurzer Gang durchs Haus, das Fenster öffnen zum Lüften oder sich einfach auf die Atmung fokussieren und einige Momente der Stille genießen.

3) Mehrere kurze Pausen sind erholsamer als eine längere

Der Erholungseffekt ist in den ersten Pausenminuten am größten. Mini-Pausen sollten nicht unter fünf Minuten liegen, denn sonst können Sie sich nicht erholen. Vermeiden Sie auch zu lange Pausen, denn diese bringen Sie aus dem Arbeitsfluss, und der Erholungseffekt ist dann nicht wesentlich größer als bei einer kurzen Pause. Wenn Ihr Körper im Leistungstief ist, nämlich während der Mittagszeit, dann ist es sinnvoll, eine längere Pause zu machen. Deshalb sollten Sie und Ihre Mitarbeiter auf eine Mittagspause, die Sie wirklich zum Essen und zur Erholung nutzen, nicht verzichten.

4) Pausen sollten ein Kontrasterlebnis sein

Das Erfolgsrezept zum richtigen Durchschnaufen heißt Kontrastprogramm. PC-Arbeiter, die lange sitzen, sollten ihre Pause mit Bewegung füllen. Mitarbeiter, die einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt sind, sollten in der Pause auf Ruhe achten usw.

5) Die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen

Welcher Pausentyp sind Sie und Ihre Mitarbeiter? Bewegungstyp, Entspannungstyp oder Kommunikationstyp? Wer seinen Pausentyp kennt, kann seine Pausen gezielter nach seinen Bedürfnissen gestalten und sich besser erholen.

Mehr zum Thema Pausenmanagement finden Sie in meinem Buchbeitrag „Die große Kunst der kleinen Pause – Aktives Pausenmanagement als Mehrwert für Unternehmen und Mitarbeiter“ im Buch Wirtschaftsfaktor Gesundheit – Wie Ihr Unternehmen durch Corporate Health gesünder und leistungsfähiger wird (Herausgeber Oliver Foitzik / Mai 2015).

Fazit: Die gesetzliche Pausenregelung und die Gestaltung einer effizienten Pausenkultur kommt nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch dem Unternehmen zugute. Zu dessen Umsetzung braucht es nicht viel. Wichtig ist, dass Chefs und Führungskräfte ihren Mitarbeitern vorleben, wie Pausenzeiten richtig genutzt werden und selbst Wert auf die eigenen Auszeiten legen. Wer trotz stressigem Arbeitsalltag diese Selbstdisziplin mit an den Tisch bringt, wird ein Wandel in den eigenen Reihen feststellen können, der Arbeitgeber wie Arbeitnehmer schmecken wird!

Über Melanie Kohl

Melanie Kohl ist Expertin für emotionale Stabilität, mentale Stärke und Achtsamkeit. Gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft und Wissenschaft entwickelt Sie ganzheitliche Konzepte, um Menschen und Organisationen zu mentaler und emotionaler Stärke zu entwickeln und ihr optimales Leistungsvermögen zu entfalten.