Chef trägt Sohn auf Schultern am Strand

Immer präsent? Warum Chefs im Urlaub Urlaub machen sollten

Die Notwendigkeit Urlaub zu machen: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Sommerszeit, Urlaubszeit! Es gibt nur wenige Wochen im Jahr, denen wir so entgegenfiebern wie den wenigen Sommer-Monaten. Sommer? Nun ja, der Sommer 2016 mag sehr durchwachsen gewesen sein. Trotzdem bietet er den meisten von uns die einzige Möglichkeit in diesem Jahr, einige Wochen am Stück alle Viere von uns zu strecken und einfach mal die Seele baumeln zu lassen.

Diese Urlaubszeit ist übrigens weder Luxus noch unproduktiv. Ganz im Gegenteil. Wer sich körperlich gut erholt und den Geist Abstand zum Arbeitsalltag nehmen lässt, ist professionell! Denn diese Regenerationszeit macht es möglich, dass wir während der intensiven Arbeitsphasen dauerhaft kreativ und leistungsfähig arbeiten können. Um so wichtiger ist es also, dass Führungskräfte wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich immer mal wieder aus dem Alltag ausklinken.

Leider sieht die Realität in vielen Fällen anders aus. Gerade Führungskräfte meinen häufig, sie könnten sich niemals ganz aus dem Büroalltag verabschieden. Sie checken und schreiben deshalb E-Mails, sei es vom Strand oder den höchsten Berggipfeln aus. Sie klingeln auch dann über ihr Diensthandy im Büro durch, wenn dort eigentlich alle damit rechnen, dass Chefin oder Chef es sich irgendwo ohne Arbeit gut gehen lassen.

Diese Unfähigkeit, einfach mal abzuschalten, entspringt natürlich keinem bösen Willen. Die Führungskräfte, mit denen ich über dieses Thema spreche, wünschen sich oft nichts mehr als Ruhe und Erholung. Aber sie fühlen sich in der Verantwortung – und haben den Eindruck, sie würden ihre Führungspflichten verletzen, wenn sie die Dinge einfach mal laufen lassen.

Bei manchen kommt auch eine Portion Misstrauen und Angst dazu. „Wenn ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach machen lasse, fallen vielleicht wichtige Bälle hinunter und wir haben alle Stress.“ Oder, mit Blick auf die oberen Hierarchiestufen: „Wenn ich meinem Geschäftsbereichs-Leiter nicht auf seine Mails antworte, bin ich unten durch.“ Hier steuern Kontrollreflexe das Verhalten: Wenn ich mich nicht kümmere, geht was schief!

So pflichtbewusst das sein mag – verantwortungsvoll ist es nicht!

Erstens befördern Sie als Führungskraft so die Entmündigung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn die den Eindruck haben, dass Sie ohnehin immer weiterarbeiten und auf alles draufschauen – warum sollten Ihre Leute dann in die volle Verantwortung gehen?! Es ist paradox: Je mehr Sie sich kümmern und einmischen, desto weniger werden Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu 100% dafür Sorge tragen, dass die Ergebnisse stimmen.

Zweitens befördern Sie durch Ihre Dauerpräsenz die falsche Kultur. Wenn Chefinnen und Chefs nicht abschalten, tun es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meist auch nicht. Das führt dann dazu, dass alle immer arbeiten. Das produziert Frust, Erschöpfung und dauerhaft auch schlicht erfahrungsärmere Lebenszeit. Gehen Sie also mit gutem Beispiel voran!

Also: Machen Sie Urlaub. Sie tun sich und anderen etwas Gutes damit. Hauptsache, Sie sorgen für klare Verantwortlichkeiten und Stellvertretungen, während Sie weg sind. Dann wird es gut klappen mit der E-Mail-freien Urlaubszeit!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.