Zwei Radfahrer bei einem Rennen auf der Straße

Im Beruf immer das Ziel vor Augen

Was Manager und Mitarbeiter vom Sport lernen können

comwrap TriTeam

Alle guten Dinge sind bekanntlich drei: Triathlet Sebastian Frommherz ist nicht nur Sportler mit Leib und Seele, sondern auch engagierter Projektmanager bei der Frankfurter eBusiness-Agentur comwrap. Auf den ersten Blick zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Doch auf den zweiten Blick haben hier Passion und Beruf einiges miteinander gemein. So etablierte der Agenturmitarbeiter zum Beispiel zusammen mit seinem Chef und einigen Kollegen das comwrap-Triteam und bestreitet gemeinsam mit ihnen mittlerweile mehrere Wettkämpfe im Jahr. Er ist außerdem davon überzeugt, dass er aus seinem Sport auch vieles für den beruflichen Alltag lernen, disziplinierter arbeiten und von dem harten Training profitieren kann. Stellt sich die Frage: „Sind Ausdauersportler sogar die besseren Arbeitskräfte?“.

Herr Frommherz, erst einmal die Frage, wie sind Sie zum Sport gekommen und was bedeutet er Ihnen?

Ausschlaggebend war wohl ein 3,2km Lauf in der Schule. Für 15 Punkte musste die Strecke damals in 12 Minuten gelaufen werden. Ich war mir damals nicht einmal sicher, die Strecke überhaupt am Stück laufen zu können. Also fing ich an zu trainieren… und blieb dabei!

Sport hat für mich dabei in den letzten fast 10 Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Er ist mein Ausgleich zum Büroalltag und gleichzeitig ein hervorragender Lehrmeister für viele Dinge im Leben. Dazu kommt, dass ich einfach gerne aktiv bin. Stillstand ist für mich beruflich, wie auch im Sport, ein Zustand, den ich nicht lange aushalte.

Warum ist Sport und ein fitter Körper so wichtig für die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz?

Für meinen Schreibtischjob ist ein fitter Körper sicherlich nicht sooo wichtig, wie für einen Bauarbeiter. Was ich allerdings festgestellt habe ist, dass ich z.B. kaum wahrnehmbare Verspannungen o.Ä. habe, die durch das nicht immer ganz sachgerechte Sitzen auf meinem Stuhl kommen. Ich denke, dass meine Muskulatur hier einfach etwas mehr wegstecken kann.

Viel wichtiger als Mallorca Rundie körperliche Fitness ist für mich die geistige Fitness im Arbeitsalltag. Und hier glaube ich stark an die alte Weisheit „mens sana in corpore sano“. Ich trainiere natürlich um körperlich fitter zu werden, aber gleichzeitig bekomme ich so auch meinen Kopf frei. Spannungen etc. kann ich draußen raus lassen und abbauen. Auch hat man bei einer 5h Radausfahrt am Wochenende durchaus etwas Zeit sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Was können Sie aus dem Sport noch mitnehmen für Ihre Arbeit in der Agentur?

Ich habe es bereits angedeutet, dass ich durch den Sport viel über das Leben im Allgemeinen gelernt habe. Das wichtigste ist wohl, konsequent bei der Sache zu bleiben und auch schlechte Tage einfach zu vergessen und nicht aufzugeben. Das ist auf der Arbeit genauso: Kritik vom Chef, motzende Kunden… manchmal kommt alles einfach auf einmal. Da muss man einen kühlen Kopf bewahren.

Ein weiterer Punkt ist, dass Fortschritt im Job nur durch ein geordnetes Chaos kommt. Damit meine ich, dass, insbesondere wenn man als Triathlet 3 Sportarten vereinen will, einen Plan braucht, der das Trainings- und Wettkampfjahr strukturiert, aber auch mal loslassen können muss, um mit dem Flow zu gehen. Dazu gehört auch auf seinen Körper und sein Umfeld zu hören und immer wieder zu hinterfragen, ob man noch auf dem derzeit passendsten Weg ist. Hat das Training noch den geplanten Effekt, läuft mein Projekt noch nach Plan?

Ihrer Meinung nach, sind Ausdauersportler die besseren Arbeitskräfte?

Was soll ich dazu sagen? Natürlich! Nein, im Ernst. Es gibt hier ja viele Studien zum Thema, die zeigen, dass besonders Langdistanztriathleten in höheren Positionen arbeiten und ein überdurchschnittliches Einkommen haben. Das ist meiner Meinung nach aber einfach eine weitere Idealisierung von Triathleten. Außerdem vermute ich, dass der Sport für viele „High Flyer“ einfach nur ein weiterer Kanal für Ihren Narzissmus ist.

Nichtsdestotrotz, viele Ausdauerathleten bringen sicherlich viele Eigenschaften mit sich, die auch im Job gut ankommen: Konsequenz, Zielorientierung, Durchhaltevermögen, Struktur.

Wie lässt sich das Training mit dem Arbeitsalltag vereinbaren?

Jetzt muss ich auch mal ein bisschen „schleimen“. Erstens habe ich sicherlich Glück mit meinem Arbeitgeber, der es mir erlaubt meinen Tag so zu gestalten, dass ich Zeit für mein Training habe. Zweitens, habe ich eine Freundin, die es auch einfach mal akzeptiert, dass ich um 6 schwimmen gehe und dann abends nach 3h auf dem Rad um 9 Uhr direkt ins Bett falle.

Daneben geht es einfach darum seinen Tag zu strukturieren (auch auf der Arbeit), sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und auch mal über den eigenen Schatten zu springen, um nach einem langen Tag bei Regen trotzdem noch Laufen zu gehen.

In Ihrer Agentur gibt es mittlerweile ein Team aus passionierten Triathleten, dem sogar Ihr Chef beiwohnt. Was können Mitarbeiter auch gut alleine, ohne betrieblich geförderte Maßnahmen für sich selber tun?

Alles! Bewegen kann sich jeder, da muss kein Unternehmen nachhelfen. Zum Supermarkt laufen, ein Spaziergang nach dem Lunch, abends noch einmal mit dem Hund raus, die Treppen nehmen statt den Aufzug… es geht ja erst einmal darum, dass sich die Menschen nach einem vollen Tag am Schreibtisch bewegen und Spaß daran bekommen aktiv zu sein. Es muss ja nicht gleich Schwimmen, Laufen und Radfahren sein.

Mallorca TriathlonMit Sport alleine ist es ja meist nicht getan. Wie wichtig ist die Ernährung in Sachen Konzentration und Leistungsfähigkeit und wie lässt sich diese einfach am Arbeitsplatz umsetzen?

Sehr wichtig. Ernährung ist in unserer schnelllebigen Gesellschaft zu beiläufig und beliebig geworden. Ich versuche kein Ernährungs-Diktator zu sein, sondern vertrete die Meinung, dass jeder Mensch fühlt wasihm gut tut und was nicht und er nur auf die Reaktionen seines Körpers achten muss. Habe ich ständig Kopfschmerzen? Vielleicht mal überlegen ob 8 Tassen Kaffee am Tag tatsächlich so gut sind. Bin ich nach dem Mittagessen immer unkonzentriert? Vielleicht mal überlegen, ob die Pizza sein musste. Wir müssen lernen, dass alles was wir essen einen Einfluss auf unseren Körper hat und damit unsere geistigen Fähigkeiten, wie z.B. Konzentration, direkt beeinflusst. Wichtig dabei ist allerdings, auch nicht zu streng mit sich selbst zu sein. Besonders, wenn es mal hart auf hart kommt, tut etwas (bzw. eine Tafel) Schokolade auch mal ganz gut.

Am Arbeitsplatz lässt sich das meiner Meinung nach sehr leicht umsetzen: z.B. zu Hause vorkochen, Salat aus dem Supermarkt statt Wurst vom Metzger, frisches Obst und Gemüse kann man auch leicht im Kühlschrank aufbewahren. Wenn die Kollegen dann mal wieder mit Gummibärchen und Kuchen durchs Büro rennen – gerne! Es muss ja nicht die ganze Tüte sein und auch nicht jeden Tag.

Was halten Sie von veganer Ernährung, Soja-Protein-Riegeln, Haferdrinks und Co.?

Wie gesagt – jedem, was ihm gut tut! Ohne Fleisch komme ich allerdings nicht weit… J

Was muss man tun, um möglichst viele Mitarbeiter in einem Unternehmen zu aktivieren?  Was raten Sie Fitnessmuffeln?

Initiativen könnten z.B. sein, dass man gemeinsame Lauftreffs an 2 Tagen in der Woche vereinbart. Vor der Arbeit oder in der Mittagspause – wenn eine Dusche vorhanden ist. Ansonsten auch danach… Es geht einfach darum, die Hürde sich zu bewegen möglichst niedrig zu halten.

Was ich Fitnessmuffeln rate ist, einfach mal in sich zu hören und versuchen herauszufinden, ob man sich wirklich so gut fühlt, wie man denkt. Unser Körper ist für Bewegung geschaffen. Gleichzeitig ist der Mensch (in der Regel) allerdings doch ziemlich faul. Evolutionsbiologisch ist das ja auch sinnvoll: Bewegung braucht Energie. Das Problem ist in der Tat, dass es am Anfang super schwer fällt einfach loszulegen. Hat man allerdings einmal diesen kritischen Punkt überschritten, an dem einem alles weh tut und man nur aufhören will, dann passiert genau das Gegenteil: „Wenn ich keinen Sport mache, dann fühle ich mich schlecht!“. Um diesen Punkt zu erreichen hilft es erreichbare Ziele zu setzen: 1km am Stück laufen, 5km… Halbmarathon im Frühling… erster Triathlon. Wobei wir auch wieder beim Thema Beruf und dem Motivationsfaktor „erreichbare (!) Ziele“ wären… 😉

Danke für das Interview.

 

Bildquelle: © Kaitlyn Anderson

 

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.