Mann hat Pappkarton über Kopf gezogen. Auf Karton weinendes Gesicht aufgemalt

Depressionen am Arbeitsplatz? Wie Sie mit den richtigen HR-Maßnahmen gegensteuern können

Fitte Mitarbeiter leisten mehr – eine Kolumne von Gesundheitsexperte Boris Schwarz

Depressionen können viele Ursachen haben. Meist ist der Auslöser dafür ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Temporäre Unstimmigkeiten im Team werfen wohl niemanden gänzlich aus der Bahn. Häufig handelt es sich um ein Zusammenspiel von dauerhafter Überbelastung, einem erhöhter Wert an Stresshormonen und psychosoziale Faktoren wie Traumatisierungen in der Kindheit. Für Führungskräfte ist es zunächst wichtig zu wissen: Es kann jeden treffen!

Besonders gefährdet sind ausgerechnet die besonders engagierten Mitarbeiter und Fachkräfte, die nie „Nein“ sagen, immer alles richtig machen möchten und dauerhaft die Grenzen der Belastbarkeit ausreizen. Es besteht hier schnell die Gefahr, dass sie irgendwann völlig ausgebrannt und für längere Zeit nicht mehr einsatzfähig sind. Dies gilt es unbedingt zu verhindern, zum Wohle der Mitarbeiter und dem Erfolg des Unternehmens.

Wie Stress entsteht
Um zu erklären, wie Stress entsteht, nehme ich meine Leser immer gerne mit auf eine kleine Autofahrt:

Tempo 200 auf der Autobahn, plötzlich einsetzender Regen lässt die Fahrbahn schmierig werden. Dann passiert es, Aquaplaning! Für einen kurzen Moment verlierst du die Beherrschung über dein Fahrzeug – eine Schrecksekunde. Dein Herz rutscht dir förmlich in die Hose. Noch mal gutgegangen. Du fährst auf der rechten Spur mit verringertem Tempo weiter und spürst nun, wie dein Herz rast, dich eine Wärme durchfährt und wie das Adrenalin deinen gesamten Körper durchströmt. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt rechts ranzufahren, einen 400 Meter Hürden-Sprint hinzulegen und nach der letzten Hürde einen Boxsack zusammenzuschlagen. Diese Maßnahme würde deinen Stress direkt verbannen. Doch daran verschwendest du keine Idee, wie auch, denn du hast ja gleich einen wichtigen Termin im Büro.

Also geht es weiter. Baustelle, Stau, das Stresslevel steigt. Endlich, der Verkehr läuft wieder. Du kommst im Büro an, doch da gibt es statt Lob nur kritische Blicke von deinen Kollegen und eine Ansage von deinem Chef. Abends kommst du völlig gestresst nach Hause, doch statt dort Ruhe vorzufinden, geht es häufig direkt weiter. Hiobsbotschaften wie die defekte Waschmaschine, eine Stromnachzahlung oder Post vom Finanzamt senken nicht gerade dein Stresslevel. Nur das Glas Wein oder eine Flasche Bier helfen jetzt vermeidlich, deinen Stress etwas zu benebeln, bevor das Ganze am Tag darauf von vorne beginnt.“

So oder zumindest so ähnlich sieht der Alltag vieler Menschen aus Alltag – vielleicht auch der Ihrer Mitarbeiter. Ihnen fehlt bei all dem Stress und der Hektik die Möglichkeit einen Ausgleich zu finden und Dampf abzulassen, wenn es nötig ist. Langfristig drohen Burnout und Depression.

Mit Führungsqualität und den richtigen Maßnahmen gegen Depression am Arbeitsplatz

  1. Schaffen Sie einen gesunden Arbeitsplatz: Rückzugsräume, Lichtkonzepte, Luftreiniger, Chillout-Areas und wenn möglich der Verzicht auf Großraumbüros können schon viel bewirken. Ich empfehle Mehrfunktionsbüros, in denen man in der Mittagspause die Schreibtische hochklappen und den Raum für Yogaübungen, Autogenes Training oder Powernappings nutzen kann.
  2. Reduzieren Sie den Zeitdruck: Zeitdruck ist der stärkste Auslöser für Stress. Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern die Dringlichkeit von effizientem Zeitmanagement, um sie zu entlasten und bieten Sie an, ihnen bei der Zeitplanung behilflich zu sein. Gut strukturierte Arbeitsabläufe können Luft zu schaffen und für etwas mehr Entspannung sorgen.
  3. Beobachten Sie das Arbeitsumfeld Ihrer Mitarbeiter, um mögliche Warnhinweise rechtzeitig zu erkennen. Gibt es Unstimmigkeiten im Team, hat ein Mitarbeiter übermäßig viele Überstunden, Ausfallzeiten oder in der letzten Zeit vielleicht drastisch an Gewicht verloren? Eine wichtige Voraussetzung für gute Mitarbeiterführung ist heute Empathie und die Fähigkeit durch Mitgefühl und Sensibilität das Beste aus seinen Angestellten herauszuholen. Die gute Nachricht: Empathie kann man trainieren.
  4. Finden Sie die richtigen Worte: Natürlich gehen die privaten Probleme der Mitarbeiter den Chef nichts an. Sollte es jedoch zu Leistungseinbußen kommen und das Problem sogar in der Arbeit begründet liegen, ist es Ihre Aufgabe als Führungskraft das Gespräch zu suchen. Die passenden Worte zu finden ist das A und O, denn auch hier ist Feingefühl gefragt. Sorgen Sie für eine gewisse Distanz, bleiben Sie bei Ihren Formulierungen sachlich und machen Sie klar, dass es keinen Grund für Scharm und Schuldgefühle gibt. Eröffnen Sie zum Beispiel mit den Worten „Wie läuft es gerade auf der Arbeit“, dann fängt der Mitarbeiter gegebenenfalls schon von alleine an, von seinen Sorgen zu berichten. Versuchen Sie verständnisvoll zu sein und gemeinsam eine Lösung zu finden. 
  5. Sorgen Sie auch in stressigen Zeiten für ein Stressventil: Engagieren Sie einen Feel-Good-Manager, einen Trainer für Firmen-Fitness oder beordern Sie im Unternehmen eine Vertrauensperson, an die sich Mitarbeiter bei Sorgen und Problemen wenden können. Etablieren Sie regelmäßige Feedbackgespräche und halten Sie engen Kontakt zu Ihren Mitarbeitern und Teams.

Kleiner Tipp: Schauen Sie doch mal auf meiner Homepage vorbei. Hier gibt es insgesamt 60 8-Minuten-Anti-Stress-Workouts für Chefs und Mitarbeiter zum kostenlosen Download: boris-schwarz.de/downloads

Über Boris Schwarz

Boris Schwarz ist Gesundheitsmotivator, Dozent, Kolumnist, Buchautor und gefragter Speaker zum Thema Gesundheit im deutschsprachigen Raum: Somit ein echtes Allround-Talent in Sachen Gesundheit, Fitness und Motivation. In seiner nunmehr über 20 jährigen Coaching-Erfahrung hat Boris Schwarz tausende Leser und Zuhörer zu einem gesünderen Lebensstil animiert.