Mitarbeiterin freut sich über Geld

Mit XXL-Mindestlohn zu neuer Kultur – Warum ein Unternehmer auf 1,1 Millionen Dollar pro Jahr verzichtet

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Stellen Sie sich mal vor: Der Besitzer Ihres Unternehmens reduziert sein Gehalt auf einen Bruchteil. Freiwillig. Um Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen eine Gehaltserhöhung zu geben. Ab sofort bekommt jeder 70.000 Euro pro Jahr. Genau die Summe, die der Unternehmer ab jetzt pro Monat an sich selbst bezahlt.

Zu schön um wahr zu sein? Dachte ich auch. Aber diese Geschichte ist wirklich passiert. Dan Price, CEO einer Firma in Seattle, USA, hat sein Gehalt von 1,2 Millionen Dollar auf 70.000 Dollar gesenkt. In seiner Firma gibt es die XXL-Variante des Mindestlohns: jeder bekommt 70.000 Dollar, die Jungen wie die Alten, die Erfahrenen wie die Unerfahrenen.

Klingt unfair? Mag sein. Aber für die Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das ein großer Gewinn. Fast die Hälfte der Belegschaft von fast 100 Menschen hat ihr Gehalt auf diese Weise verdoppelt.

Als Zahl klingt das abstrakt. Im echten Leben hat die Gehaltserhöhung für viele große Auswirkungen. Mitarbeiter können sich leisten, in der Nähe des Büros eine Wohnung zu mieten und sparen so mehrere Stunden Zeit am Tag – Zeit, die ansonsten im Auto draufgegangen ist, verwenden sie heute für die schönen Dinge des Lebens. Andere können sich erstmals eine eigene Wohnung leisten, ihre Schulden aus dem Studium schneller abbezahlen oder ihrem Kind Musikunterricht bezahlen.

Für das Unternehmen viel wichtiger ist aber: die Loyalität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist mit dem Schritt von Dan Price gewachsen. Der Chef hat mit seiner radikalen Entscheidung eine klare Botschaft gesendet: Ihr seid für den Erfolg unseres Ladens genau so wichtig wie ich! Das verändert die Kultur.

Der CEO hat etwas getan, was ungewöhnlich ist. Er bricht mit dem Denken, dass es in Ordnung ist, wenn Unternehmensgründer das Vielfache eines Mitarbeitergehalts mit nach Hause nehmen. Das ist nicht nur eine wichtige symbolische Geste. Dan Price gibt seiner Belegschaft so auch einen Vertrauensvorschuss: ich glaube daran, dass wir gemeinsam Verantwortung für das Unternehmen übernehmen können.

Ob sich das auszahlt? Dan Price ist ein hohes Risiko eingegangen. Schließlich muss der Gewinn nun so hoch sein, dass das gestiegene Gehalt vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauerhaft bezahlt werden kann. Ein Gründer kann seine Bezüge mal eben kürzen, wenn es nicht so läuft. Mit Mitarbeitergehältern ist das schon schwieriger.

Und trotzdem: der Schritt des CEO ist vorbildlich. Er setzt ein Zeichen. Und wer sagt, dass seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Vertrauen nicht zurückgeben, wenn es drauf ankommt? Wenn ein CEO in Krisenzeiten auf Gehalt verzichten kann, können engagierte Mit-Unternehmerinnen und Mit-Unternehmer das vielleicht auch, wenn es mal eng wird.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.