Mitarbeiter brüllt erschrockene Mitarbeiterin im Büro an

Die Wut als Freund und Helfer: Wie Ihnen Ihr Ärger im Alltag nützlich ist

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Sind Sie im Büro manchmal genervt, gereizt und wütend? Gehen Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Alltag immer wieder so richtig auf den Senkel? Möchten Sie an einigen Tagen an die Decke springen und in die Luft gehen, wie das berühmte HB-Männchen?

Willkommen im Club! Denn Sie sind in guter Gesellschaft. Fast jeder von uns ist im Alltag an mancher Stelle stinksauer, aggressiv oder bis zum Anschlag angespannt.

Die Frage ist nur: Wie gehen wir mit dieser Wut um?

Ich würde behaupten: Die meisten von uns halten mit ihrem Ärger hinter dem Berg. Wir offenbaren unsere negativen Emotionen nicht. Schließlich wissen wir, dass Herumschreien am Arbeitsplatz nicht sehr souverän wirkt. Und wir haben ja beigebracht bekommen, immer nett zu sein…

Natürlich ist es richtig, dass wir im Alltag nicht nach Belieben ausrasten. Wir können unsere negativen Emotionen nicht einfach ungefiltert in die Welt tragen. Schließlich funktioniert unser menschliches Miteinander auch deshalb dauerhaft, weil wir unser Verhalten bis zu einem gewissen Grad unter Kontrolle halten.

Und doch überziehen wir an dieser Stelle häufig. Wenn wir meinen, Wut, Traurigkeit und Sorge gar nicht mehr äußern zu können, entsteht die Gefahr blinder Flecken. Wir übersehen und überhören, „überfühlen“ unsere Emotionen – und mit Ihnen die wichtigen Informationen, die in ihnen stecken.

Überlegen Sie mal: Sind Sie grundlos wütend? Eher nicht, oder? Tatsächlich steckt in unserem Ärger meist eine wichtige Information: Wir sind frustriert über das Verhalten unserer Kolleginnen und Kollegen. Oder wir sind genervt, weil manche Abläufe im Unternehmen unnötig Zeit und Energie kosten. Oder wir haben das Gefühl, dass wir unsere Lebenszeit für sinnlose Tätigkeiten aufopfern.

In jedem dieser Fälle hat unsere Wut einen Grund. Es ist wichtig, das anzuerkennen. Wenn Sie Ihren Ärger vorschnell ausblenden, um nach außen hin weiter zu funktionieren, vergeben Sie wichtige Veränderungschancen!

Es ist deshalb gut, wenn wir all unseren Gefühlen Raum geben. Es lohnt sich, sich Zeit nehmen, um die Emotionen des Alltags zu würdigen. So können Sie auch den Auslöser für Wut klar benennen: „Aha, ich bin ärgerlich! Warum nur? Hm, ich habe das Gefühl, vom Kollegen gegenüber schon wieder respektlos behandelt worden zu sein. Meine Wut ist also nicht unberechtigt!“

Der nächste Schritt ist jetzt nicht unbedingt, dass Sie Ihre Mitarbeiter und Kollegen sofort konfrontieren. Wichtiger ist, dass Sie Ihren Ärger erst mal akzeptieren. So verraucht der Großteil Ihrer Emotion – weil Sie ihr Raum geben, anstatt sie zu ersticken. Wenn das geschehen ist, können Sie überlegen: „Wie gehe ich jetzt um mit der Information, die mir meine Wut gegeben hat?“

Anstatt einfach emotional zu reagieren, suchen Sie in also aller Ruhe nach einer angemessenen Antwort. Wenn Sie die gefunden haben, können Sie überlegt handeln. Und zwar in Einklang mit ihren Gefühlen, nicht gegen sie.

Wenn Sie das schaffen, sind Ihre negativen Gefühle auf einmal Ihre Verbündeten. Richtig so! Schließlich machen Ihre Emotionen Sie aufmerksam auf Bereiche, in denen sich etwas verändern muss. Um so wichtiger, dass wir ihnen zuhören.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.