Mann steht mit Laptop. Andere Menschen laufen an ihm vorbei

Die Arbeitswelt von morgen: eine Welt der Tagelöhner?

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Die Arbeitswelt von morgen ist für viele Menschen ein großes Versprechen. Endlich raus aus den verkrusteten Organisationswelten von heute! Doch mindestens ebenso vielen Menschen macht die neue Arbeitswelt Angst. Beispiel Industrie 4.0: die engere Verzahnung von Digitalnetz und Maschinen könnte Millionen Arbeitsplätze kosten, prophezeien viele. Oder nehmen wir das Beispiel Freiberufler: Die angebliche Freiheit deuten viele als Selbstausbeutung in großem Stil! Und auch mit Blick auf flexibles Arbeiten gibt es Bedenken: können da wirklich alle mithalten, oder profitieren davon die gut Qualifizierten?

Neues Futter bekommen solche Bedenken momentan fast im Monatstakt. Jetzt macht das Phänomen Crowdworking die Runde. Was das ist? Eigentlich ganz einfach. Unternehmen schreiben online aus, welche Projekte sie zu vergeben haben. Darauf können sich dann einzelne oder ganze Verbünde von Freiberuflern bewerben. Die Vorteile sind offensichtlich: Unternehmen können so schnell Arbeitsspitzen abfedern und sparen sich lange Vergabeprozeduren. Und Freiberufler kommen ohne Akquise und lange Auftragsklärung an Arbeit, die sie in aller Regel sehr selbstbestimmt erledigen können.

So weit, so gut. Doch es kommt heftige Kritik auf. Sigmar Gabriel, seines Zeichens Wirtschaftsminister und SPD-Vorsitzender, bezeichnete Crowdworker gar als „digitale Tagelöhner“. Genau, Tagelöhner. Also die armen Menschen, die für einen Hungerlohn von Job zu Job ziehen. Ohne echte Perspektive, ohne Sicherheitsnetz.

Ganz unrecht hat Gabriel nicht. Schließlich gewinnt online meist der- oder diejenige, die das niedrigste Gebot abgeben. Hier entsteht schnell ein Rattenrennen nach unten. Da keiner weiß, ob andere nicht doch billiger sind als man selbst, dreht man die Honorarschraube immer enger und enger… So entsteht eine Dynamik, die wenig zukunftsträchtig ist.

Trotzdem glaube ich: Crowdworking wird sich mittelfristig durchsetzen, hier werden Milliarden vergeben werden. Es mag sein, dass es erst einmal zu einer Billigwelle kommt. Aber die Erfahrung zeigt: Preisdumping hält sich nur kurzfristig. Wenn Aufträge mehrmals hintereinander schlampig abgegeben werden, Dienstleister ihren Laden aufgeben, weil sie sich nicht finanzieren können, oder qualifizierte, kreative Köpfe schlicht zu den gut ausgestatteten Aufträgen wandern – dann denken Unternehmen um.

Dazu kommt: Phänomene wie Crowdworking geschehen so oder so, ob wir es wollen oder nicht. Die Politik kann zwar steuern. Aber in Zeiten globaler Netzwerke ist es mit Regeln, die an den Landesgrenzen enden, nicht weit her. Viel wichtiger als Regulierung ist deshalb Organisation – und zwar derjenigen, die von den Veränderungen direkt betroffen sind (oder sie treiben). Die wachsende Zahl von Freiberuflern muss also intelligente Wege finden, sich zu organisieren.

In anderen Worten: Crowdworking mag zur Ausbeutung führen. Aber statt darüber zu jammern, sind smarte Alternativen gefragt. Schließlich gestalten wir alle die Zukunft mit, nicht nur die Auftraggeber!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.