Motivation ist Chefsache

Motivation ist Chefsache: So können Sie im „War of Talents“ bestehen

Interview mit Motivationsexperte und Incentimo-Autor Rolf Schmiel

Motivation ist ChefsacheDipl.-Psych. Rolf Schmiel ist Management- und Motivationstrainer, Autor und Berater in Sachen Motivation und Mitarbeiterführung und damit prädestiniert als Experte und Texter für incentimo.de. In seinen Workshops und  Büchern geht es zum Beispiel um Themen wie „Motivation ist Chefsache!“ oder „Motivation in Krisenzeiten“.

Herr Schmiel, warum ist Motivation Chefsache? Ist nicht jeder Mitarbeiter für sich selbst verantwortlich?

Dazu sind zwei Dinge zu sagen. Klar, jeder Mitarbeiter der bezahlt wird, ist natürlich auch für seine eigene Motivation verantwortlich. Er muss sich einen Job aussuchen, der ihm Spaß macht und die Leistung erbringen, die gemäß seiner Zahlung auch von ihm erwartet wird. Die andere Perspektive ist aber, dass gerade die Führungskraft und der direkte Vorgesetzte die Verantwortung hat, dass die Mitarbeiter nicht demotiviert werden, sondern leistungsorientiert am Ball bleiben. Das gehört einfach zu seinen Aufgaben. Untersuchungen (nach Dr. Reinhard K. Sprenger) zeigen, dass der direkte Vorgesetzte einer der wichtigsten Motivationsfaktoren überhaupt für die Mitarbeiter ist. Selbst wenn es sich um den besten Arbeitsplatz der Welt handelt, wenn der Vorgesetzte ein „fieser Stinkstiefel“ ist, zerstört er die Motivation. Darüber sollte sich jede Führungskraft bewusst sein. Wer launisch ist, ein Feldherrengehabe an den Tag legt und Versprechen nicht einhält, sorgt für Misstrauen und eine fehlende persönliche Bindung  zum Vorgesetzten und damit zum gesamten Unternehmen.

Wir wissen, nur dort, wo sich ein Mitarbeiter zugehörig fühlt, ist er bereit, mehr Einsatz oder Extraleistungen zu zeigen, die man sich eben von einem motivierten Mitarbeiter vorstellt.  Aufgrund dessen ist der direkte Vorgesetzte oder der Arbeitgeber so wichtig und Motivation Chefsache.

Warum ist die Mitarbeitermotivation in Zeiten des Fachkräftemangels so wichtig?

Die Motivationspsychologie ist zu facettenreich um hier nur eine Perspektive zu betrachten. Es gibt zum Beispiel Jobs, da kann man auf Grund des Lohns oder der Arbeitsbedingungen nicht mehr erwarten, als das, wofür der Angestellte eben bezahlt wird. Ist ein Angestellter jederzeit leicht von einer anderen Person zu ersetzen, so ist die Motivation dieser Fachkraft relativ unwichtig. Das ist leider Lebensrealität. Bei 80% der Unternehmen ist es aber sinnvoll, die Mitarbeiter an sich zu binden. Sind die Angestellten wertvoll und fähig, dann ist es wichtig, dass sie Spaß an der Arbeit haben. Denn viele Mitarbeiter sind erst einmal bereit viel zu leisten, verlieren aber durch schlechte Führung schnell die Freude an ihrem Job, was dann zu Burnout oder innerer Kündigung führt; Für die deutschen Unternehmer entstehen jährlich aufgrund von Ausfällen Milliardenschäden. Weitere Schäden entstehen, wenn Mitarbeiter, in die in Form von Fortbildungen viel investiert wurde, zu einem späteren Zeitpunkt aus Unzufriedenheit das Unternehmen wechseln.

Fehlt die Mitarbeiterbindung und -motivation, kommt irgendwann die aufgebaute  Kompetenz der Konkurrenz zu Gute.

Mitarbeitermotivation und Mitarbeiterbindung hat nicht nur etwas mit „Gutmenschsein“ zu tun, sondern ist einfach ein hochentscheidender Wirtschaftsfaktor für das gesamte Unternehmen. Zudem ist bei unzufriedenen Mitarbeitern die Fluktuation sehr hoch, was es wiederum schwierig macht, neue Mitarbeiter zu finden. Wir sprechen von einem sogenannten „War of Talents“. Es herrscht am Markt ein regelrechter Kampf um die fähigsten Mitarbeiter, die aufgrund des demografischen Wandels in der kommenden Zeit auch noch deutlich weniger werden.

Wie sieht es nach Ihren Erfahrungen in der Realität mit der Mitarbeitermotivation in deutschen Unternehmen aus?

Der Wettkampf wird immer höher. Die meisten machen allerdings den Fehler, neue Fachkräfte zu suchen, statt gute Mitarbeiter zu fördern und aufzubauen.

Wie können unsere Leser ihre Mitarbeiter effizient motivieren? Worauf kommt es an?

Arbeitgeber sollten jeden Mitarbeiter in ihrem direkten Umfeld, mit dem sie in persönlichem Kontakt stehen, in ihrer Individualität ernst und wichtig nehmen. Bei großen Unternehmen müssen das natürlich Teamleiter und Vorgesetze übernehmen, da der Chef nicht jeden Mitarbeiter persönlich gut kennen und motivieren kann. Leider ist es in der Realität oft so, dass der Vorgesetzte den Mitarbeiter als Mensch nicht wahrnimmt, sondern nur als Leistungsträger. Viele machen sich gar nicht die Mühe individuell auf den Mitarbeiter einzugehen und versuchen mit einer Methode alle glücklich zu machen. Das ist fatal. Denn der eine Angestellte braucht viel Lob, bei einem anderen führt genau dies dazu, sich auf der „faulen Haut“ auszuruhen. Nichts desto trotz ist das Loben und die Wertschätzung den Angestellten gegenüber sehr wichtig, und dass sich der Vorgesetzte Zeit für seine Mitarbeiter nimmt.

Zusammenfassend ist zu sagen, Motivation ist eine echte Kunst mit vielen Facetten, die wir in den nächsten Wochen hier auf Incentimo angehen werden.

 

Danke für das Interview.

 

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.