Länderübergreifendes Recruiting

Auf zu neuen Ufern: Länderübergreifendes Recruiting – Fachkräfte aus China gewinnen

Veränderung trifft Mitarbeitermotivation - eine Kolumne von Ilja Grzeskowitz, Motivationsexperte, Firmenberater und Veränderungs-Coach

In Deutschland herrscht bereits seit geraumer Zeit Fachkräftemangel, welcher in den kommenden Jahren voraussichtlich noch weiter zunehmen wird. Die Unternehmen haben zwei Möglichkeiten: Entweder steigen Sie in den Ring mit der Konkurrenz und fahren die schweren Geschütze auf um IT-Spezialisten, Ingenieure, Elektriker, Ärzte und Pflegekräfte zu gewinnen und zu binden, oder sie suchen ab sofort länderübergreifend nach den passenden Kandidaten für ihr Unternehmen.

Wer seine Strategie in Sachen Recruiting ändern, neue Horizonte erschließen und sein Glück zum Beispiel auf dem chinesischen Markt – bekannt für seine hohen Ausbildungsstandards – versuchen möchte, dem könnten die folgenden Tipps von Nutzen sein, denn auch die chinesischen Unternehmen überlassen ihre Fachkräfte nicht ganz kampflos dem Ausland:

Aufstiegschancen bieten: In chinesischen Unternehmen wird die Arbeitgeberattraktivität groß geschrieben. Dort bedeutet das: Jungen Absolventen werden bereits große Führungspositionen in Aussicht gestellt. Förderung und Mentoren-Programme, eine steil nach oben führende Karriere: Wer eine Fachkraft von einer Anstellung in Deutschland überzeugen möchte, der sollte hierbei mithalten können! Verdienst und mögliche Zusatzleistungen stehen auch bei chinesischen Absolventen ganz oben auf der Wunschliste, dicht gefolgt von Entwicklungsmöglichkeiten und Fortbildungsangeboten.

Work-Life-Balance: Einen echten Vorteil haben deutsche Unternehmen in Sachen Urlaubstage, Work-Life-Balance und Co. In China gibt es im Schnitt gerade einmal 10 Urlaubstage, und das auch nur bei einer längeren Firmenzugehörigkeit. Work-Life-Balance scheint häufig ein Fremdwort zu sein. Auch Aktivitäten wie Familientage, Social Clubs (Lauftreffs oder andere Hobby-Gruppen, für die das unternehmen Räume, Trikots etc. bereitstellt), Lunch & Learn- Programme beziehungsweise Lernangebote mit leckerer Verköstigung, kommen bei den Talenten aus China gut an. Trotz des in China „ganz normalen“ hohen Leistungsdrucks sehnen sich die Fachkräfte – wie auch hierzulande – nach einer gewissen Lebensqualität abseits des Berufsalltags.

Praktikanten-Stellen bieten: Ermöglichen Sie Praktikanten-Plätze für chinesische Studenten oder Absolventen. So können diese schon einmal Ihre Unternehmensluft schnuppern und schauen, ob – trotz Kulturunterschieden – ein Job in Deutschland überhaupt interessant für sie wäre. Mit den besten Praktikanten sollten der Kontakt gehalten, Unterstützung beim Abschluss sowie gute Berufschancen in Aussicht gestellt werden.

Junge Absolventen schon vor der Ausbildung rekrutieren: Die deutsche Berufsausbildung und das duale Hochschulstudium sind ein echter Wettbewerbsvorteil gegenüber chinesischen Ausbildungsformen. Hierbei können die potenziellen Fachkräfte nämlich bereits während ihres Studiums Berufserfahrung im Ausland sammeln. Ein lockendes Angebot.

Interkulturelle Kommunikation – andere Länder, andere Sitten: In China gibt es einige andere Verhaltensweisen, Regeln und Sitten, die zu kennen auch zum Beispiel für ein Bewerbungsgespräch im Hinterkopf behalten werden sollten. So begrüßt man sich in China zum Beispiel nicht per Handschlag, sondern mit einer kurzen, kleinen Verbeugung. Überhaupt können Gestik und Mimik unterschiedlich sein und zu Missverständnissen führen. Eine geballte Faust mit einem ausgestreckten Daumen nach oben bedeutet bei uns so etwas wie „Super“. In China wird dieses Handzeichen als Zahl Fünf verstanden. Des Weiteren gilt die linke Hand als unrein. Gegenstände überreicht man also besser mit der rechten Hand, ansonsten könnte dies als Beleidigung gedeutet werden

Wussten Sie übrigens, dass Asiaten die Gefühlswelt des Gegenübers nicht wie in Deutschland über die Mundpartie (z.B. Lachen) deuten, sondern über die Augenpartie? Daher auch die großen Augen bei den asiatischen Comicfiguren, den bekannten Animé- und Manga-Filmen.

Das Schlimmste für einen Chinesen ist es des Weiteren „das Gesicht zu verlieren“. Statt Nein zu sagen und damit das Gegenüber in Verlegenheit zu bringen, sind ausweichende Floskeln angebracht. Unpassend sind im Grunde auch die Farben Schwarz und Weiß, sie gelten in China als Trauerfarben – so sollte ein Vorstellungsgespräch nicht beginnen.

Social Recruting nutzen: Wie in Deutschland auch tritt Social Recruiting besonders bei jungen Nachwuchstalenten mehr und mehr in den Vordergrund. Auch hier hat bei der Gewinnung von Fachkräften längst ein Wandel stattgefunden. In China gibt es kein WhatsApp oder Facebook, sondern das Netzwerk „We Chat“. Über diesen Kanal haben schon andere deutsche Firmen erfolgreiches Employer Branding lancieren können. Mit einem Sticker-Set (die Weiterentwicklung der bekannten Emojis), welche Emotionen aus dem Lern- und Arbeitsalltag widerspiegeln und an Kommilitonen versendet werden, landete das Unternehmen Voith eine Punktlandung. Denn diese Sticker konnte man sich ausschließlich auf der „We Chat“-Karriereseite von Voith herunterladen. Die Folge war ein hoher Traffic und viele neue Fans, woraus wiederum einige zusätzliche Bewerbungen resultierten. Voith war am Zahn der Zeit und hat die chinesischen Nachwuchstalente und deren Kultur verstanden und sich für das eigene Recruiting zunutze gemacht.

Fazit: Wer über den Tellerrand hinausschaut, neue Wege einschlägt und dabei kulturelle Unterschiede berücksichtigt, der ist auch in Sachen Recruiting auf dem besten Weg zum Erfolg. Wie sage ich immer: Erkennen Sie stets den Change als Chance!

Titelbild Shutterstock/Daxiao Productions

Über Ilja Grzeskowitz

Der Motivationsspezialist Ilja Grzeskowitz gilt als Experte auf seinem Gebiet, ist Firmenberater, Veränderungs-Coach, Buchautor und gefragter Keynote Speaker. Für seine Arbeit und sein Engagement erhielt er bereits Auszeichnungen wie u.a. den “Publikumspreis für herausragende Rednerleistungen” und den Rednerpreisen “Best Media 2013″ sowie den “Best Performer 2014″. Als ehemaliger Geschäftsführer kennt er sich aus mit Mitarbeitermotivation und den Herausforderungen in der Chefetage.