HRM: Gleichstellung am Arbeitsplatz

Vom Pseudo-Thema zum Strategiethema: Wie Sie Gleichstellung im Unternehmen auf die Tagesordnung heben

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Geschlechtergerechtigkeit am Arbeitsplatz – das finden alle super. 74% aller Unternehmen sagen, dass Gleichstellung zu den Top-Prioritäten ihrer CEOs gehört. Klasse, oder? Dann dürfte es ja nur eine Frage der Zeit sein, bis ungleiche Gehälter und Diskriminierung bei Beförderungen eine Sache der Vergangenheit sind.

Leider ist die Sache natürlich ein wenig komplizierter. Ein Blick in die oben genannten Unternehmen genügt. Dort nehmen nämlich nur um die 37% aller Frauen ihrem CEO ab, dass Gleichstellung zu seinen Prioritäten gehört. Auch die männlichen Angestellten sind nicht überzeugt. Nur die Hälfte glaubt der Behauptung ihres Arbeitgebers.

Gleichstellung: Weibliche Unternehmen sind erfolgreicher

Was ich an diesen Zahlen besonders interessant finde, ist folgendes: mir leuchtet in keiner Weise ein, warum die Förderung von Frauen in Unternehmen nicht gelebte Top-Priorität für die Führungsspitze sein sollte. Ich habe dafür sofort drei Argumente zur Hand, warum das absolut Sinn machen würde:

  • Frauen sind loyaler als männliche Kollegen. Sie bleiben länger beim Arbeitgeber, anstatt bei nächstbester Gelegenheit zu wechseln. Das spart einen Haufen Geld, den man für das Finden und Einarbeiten neuer qualifizierter Mitarbeiter braucht.
  • Unternehmen, in denen Gleichstellung Realität ist, sind erfolgreicher als ihre Konkurrenz. Das gilt auch für die Gewinnaussicht!
  • Es braucht die weiblichen Perspektiven, um erfolgreich in zunehmender Komplexität zu navigieren. Wer hier ausschließlich auf Männer setzt, reduziert sehenden Auges die Fähigkeit zur Komplexitätsbewältigung.

In anderen Worten: es ist mir völlig unklar, warum manche CEOs zwar Lippenbekenntnisse abgeben, aber dann keine Taten folgen lassen. Das kostet Unternehmen Erfolg und Zukunftsfähigkeit.

Was also tun? Denn tatsächlich braucht es die Entscheidung der Unternehmensspitze, um für mehr weibliche Führung und Geschlechtergerechtigkeit zu sorgen.

Setzen Sie das Thema auf die strategische Tagesordnung

Ich habe folgenden Vorschlag für Sie: Steuern Sie gegen! Sprechen Sie über die zahllosen Erkenntnisse, die es inzwischen zum Thema Gleichstellung im Beruf gibt. Argumentieren Sie mit Zahlen, Daten, Fakten, wann immer Sie Gelegenheit dazu haben. Bringen Sie das Thema in Strategie- und Zukunftsdiskussionen auf den Tisch. Werben Sie für weibliche Neuzugänge, und sorgen Sie dafür, dass Ihre männlichen Kollegen auf Führungsebene eine Mentorenschaft für weibliche Nachwuchstalente übernehmen.

Wenn Sie all das tun, machen Sie ein Pseudo-Thema zum echten Thema. Als Führungskraft sollten Sie diese Chance nutzen ­­– und nach Möglichkeit männliche Alliierte gewinnen, die mit Ihnen gleichziehen. Glauben Sie mir: diese Männer gibt es! Es haben viel mehr Menschen die Faxen dicke von den Männerwelten in Unternehmen, als wir oft glauben.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.