Gendermanagement trifft IQ

Weibliche Intelligenz-Welle? Warum Frauen heute einen höheren IQ haben als Männer

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Sind Frauen dümmer als Männer? Schon die Frage führt bei Ihnen hoffentlich zu Augenrollen. Schließlich stellen Frauen seit Jahren die Mehrheit, wenn es um Abitur- und Studienabschlüsse geht. Und dass „softe“ Intelligenz-Faktoren, wie Empathie- und Kommunikationskompetenz eher bei uns Frauen verortet sind, ist auch gut erwiesen.

Umso erstaunlicher ist, dass der Schnitt der Frauen im IQ-Test tatsächlich über lange Zeit schlechter abgeschnitten hat als der Schnitt der Männer. Im historischen Vergleich gab es hier eine Differenz von fünf Punkten in den vergangenen hundert Jahren. Nicht dramatisch, aber halt trotzdem nachgewiesen.

Weibliche Intelligent: Männer UND Frauen legen bei Intelligenz zu

Die gute Nachricht ist: Frauen und Männer haben im IQ-Test im Durchschnitt stetig zugelegt in den vergangenen Jahrzehnten. Der Test bildet die Fähigkeit zum abstrakten Denken ab. Davon brauchen wir stetig mehr – die Komplexitätszunahme unserer Alltagswelten führt dazu, dass wir unser Hirn anders nutzen müssen, als dies früher der Fall war. Hinzu kommen Faktoren wie die verbesserte Qualität unserer Ernährung, insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

So weit, so gut. Nun ist aber das eigentlich Spannende, dass Frauen die Männer im Test plötzlich überholt haben seit der Jahrtausendwende. Ein Forscher, James Flynn, sprach dabei schon vor Jahren vom „Effekt der Moderne“, der sich bei Frauen besonders stark bemerkbar macht.

Gendermanagement trifft IQ: Die „normale Frau“ lebt und arbeitet heute anders als vor 70 Jahren

Tatsächlich ist es so: Frauen sind heute eingebundener denn je in das Gesellschaftsleben. Immer mehr von uns arbeiten, auch in Spitzenpositionen, und teilen damit auf viel selbstverständlichere Art und Weise als früher die Alltagswelten mit Männern. Insofern ist es bei näherem Überlegen gar nicht so überraschend, dass hier ein Aufholeffekt zu beobachten ist. Schließlich hat sich das Profil der „normalen Frau“ in den letzten siebzig Jahren radikal verändert, insbesondere in den westlichen Ländern. Dass es hier also eine gesteigerte Fähigkeit im Umgang mit Komplexität gibt, ist mit Blick auf die weibliche Bevölkerung nur folgerichtig.

Können wir jetzt in Jubelgeschrei ausbrechen und Männern vorhalten, dass sie dümmer sind als wir? Schließlich mussten sich viele von uns solche und ähnliche Sprüche lang genug anhören.

Wir brauchen die Intelligenz von Frauen UND Männern am Arbeitsplatz

Ich meine: Nein. Denn die veränderten Testergebnisse zeigen, dass sich alles laufend verändert. Wo Ergebnisse besser werden, können sie sich auch wieder verschlechtern. Wo Frauen an einer Stelle rasant aufholen, kann es auch bei Männern wieder einen Schub geben. Wir „sind“ eben nicht intelligent oder doof. Sondern wir sind lernende Wesen, die sich mit ihrer Umwelt verändern, und zwar laufend. Und das ist gut so.

Deshalb lautet die Devise eher: Wir sollten gemeinsam mit den Männern daran arbeiten, dass sich unsere kognitiven Fähigkeiten weiter verbessern. Die Herausforderungen unserer Zeit – gerade auch in der Arbeitswelt – verlangen danach, dass wir hier zulegen. Am Schluss hat keiner was davon, wenn sich eine Seite gegenüber der anderen aufspielt. Deshalb gilt für alle weiblichen Professionals: kein Jubelgesang. Wobei auch klar ist: ein wenig heimliche Freude dürfen wir uns alle gönnen.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.