Frau läuft Treppe hoch

Schritt für Schritt zur neuen Arbeitswelt – Warum kleine Innovationen für Unternehmen klasse sind

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

„Wandel der Arbeitswelt? Ein Gerücht!“, warf mir ein Zuhörer neulich nach meinem Vortrag über die Generation Y an den Kopf. „Alle reden, aber alle machen nur Kleinkram. Das bewegt doch kaum etwas.“ Ich war etwas baff. Bilde ich mir nur ein, dass sich in unserer Arbeitswelt viel bewegt? Überschätze ich die Veränderung, die um uns geschieht? Auch ich bin ja nicht gegen Irrtümer immun…

Doch dann war mir schnell wieder klar: Ich halluziniere nicht. Schließlich gibt es inzwischen zahlreiche Experimente, mit denen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam in unbekanntes Terrain vorwagen. Ein paar gute Beispiele finden sich in einer Publikation des Arbeitsministeriums. Diese sehr nützliche Sammlung guter Beispiele zeigt: Große wie kleine Unternehmen setzen sich in Bewegung und durchbrechen starre Gewohnheitsmuster. Das mag in kleinen Schritten passieren – aber seit wann geschieht Veränderung schon mit Siebenmeilenstiefeln?!

Einige Best Practices gefallen mir besonders gut – IBM Deutschland zum Beispiel. Deren Beschäftigte im Außendienst sind fast nur alleine unterwegs, kommunizieren nur digital mit ihrem Unternehmen und sehen manchmal monatelang keine Kolleginnen oder Kollegen. Das kann schlauchen. IBM hat deshalb den e-place erfunden. Das ist sozusagen das Gegenteil zum Home Office. Der e-place stellt physische Arbeitsplätze, die sich die Außendienst-Belegschaft teilt. Wer möchte, kann also manchmal an den Schreibtisch kommen und dort diejenigen Kolleginnen oder Kollegen treffen, die auch Lust auf gemeinsames Arbeiten vor Ort haben. Dazu kommen regelmäßige Teamevents, die den persönlichen Austausch sicherstellen sollen. Alles freiwillig, alles als Dienstleistung des Unternehmens für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Klingt nach wenig, deutet aber auf eine veränderte Haltung hin!

Wunderbar auch der IT-Dienstleister Atos. Das Münchener Unternehmen hat festgestellt, dass die Kolleginnen und Kollegen um die 20 Stunden pro Woche damit zugebracht haben, E-Mails zu lesen und zu beantworten. Seit 2011 läuft deshalb die Initiative „Zero E-Mail“. Ziel: E-Mails abschaffen oder zumindest drastisch reduzieren. Nach drei Jahren ist die Zahl der Mails um 60% zurückgegangen – das sind 12 Stunden mehr Zeit für effizientere Kommunikationsformen pro Woche! Mittel der Wahl waren dabei digitale Kollaborationsplattformen, Instant Messaging und vor allem der direkte Kontakt im persönlichen Gespräch oder per Telefon.

Nun kann man sagen: solche Beispiele bewegen doch kaum was! Aber ich glaube, es sind solche konkreten Schritte, die Arbeitskulturen verändern. Wir können noch so lange über Flexibilisierung oder Humanisierung reden – erreichen werden wir diese Ziele nur, wenn Unternehmen sich weiterhin trauen, Schritt für Schritt Neues zu wagen. Dazu können wir übrigens alle beitragen. Indem wir uns über positive Beispiele austauschen und im eigenen Unternehmen konkrete Veränderungen anregen. Denn denken Sie dran: Mit vielen kleinen Schritten kann man auch viel Strecke zurücklegen!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.