Achtung Führungsgehälter

Maßlosigkeit als Prinzip: Wie Sie Mitarbeiter mit Gehaltsunterschieden demotivieren

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Wie kann man als Führung Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so richtig demotivieren?

Zum Beispiel, indem man sich als Führungsspitze einen großen Schluck aus der Pulle gönnt – ohne darüber nachzudenken, welche Botschaft das nach außen sendet.

SAP hat das gerade gemacht. Bis zu 41 Millionen Euro kann der CEO der in Deutschland gegründeten Firma pro Jahre verdienen. 2016 waren es 14 Millionen – im Vergleich zu 2015 war das fast das Dreifache. Schöne Gehaltskurve, oder?

Die Entkoppelung von Leistung und Gehalt

Dass Top-Manager in Deutschland horrend viel verdienen, ist nichts Neues. Spannend ist aber, dass die Gehälter bei manchen immer weiter nach oben gehen. Und das, obwohl sich die öffentliche Stimmung längst gedreht hat gegen die Gehaltsexzesse einiger weniger.

Die Entlohnung der Spitzenleute ist in den letzten Jahrzehnten explodiert. 1987 haben DAX-Vorständen noch das 14-fache ihrer Mitarbeiter verdient. 2002 war es fast 27 mal so viel. Und heute? Die Zahlen sind nicht alle brandaktuell, sprechen aber eine deutliche Sprache. So errechnete die Hans-Böckler-Stiftung, dass Volkswagen den Vorständen 2014 das 141-fache des durchschnittlichen Mitarbeiterlohns auszahlte. Im DAX-weiten Schnitt lag das Verhältnis 2016 bei 1:54.

Was das soll? Weiß niemand so richtig. Aber die Selbstbedienungsmentalität auf den obersten Führungsetagen geht, wie SAP zeigt, ungeniert weiter.

Gehaltsunterschiede: Die Mehrheit ist anständig

Dabei verzerren die Unternehmensriesen das Bild. Klassische mittelständische Unternehmen zahlen ihren Geschäftsführern meistens ein paar Hunderttausend Euro pro Jahr. Auch viel Geld – aber weit entfernt von den enormen Summen in der Konzernwelt. Der Großteil der Unternehmen versteht, dass astronomische Gehälter das falsche Zeichen setzen.

Ich rede häufig mit Führungskräften über dieses Thema. Klar, alle wollen viel verdienen. Aber die meisten wissen: es gibt eine Anstandsgrenze nach oben. Es ist eben nicht leicht, dem Team zu vermitteln, warum die eigene Arbeit das Mehrfache wert sein soll im Vergleich. Gerade wenn man sich Gehälter von Assistenzen oder Buchhaltungskräften anschaut stellt sich mir sowieso eher die Frage, ob die Gehaltserhöhungen nicht eher ans untere Ende der Nahrungskette gehören.

Unternehmen sind kein Selbstbedienungsladen

Die besten Teams, die ich kennenlernen durfte, hatten bei der Geldfrage sogar eine große Transparenz. Jede und jeder weiß dort, was die anderen Teammitglieder verdienen. Dabei findet der Löwenteil völlig in Ordnung, dass ein Mehr an Verantwortung auch mehr Gehalt bringt. Aber eben im Maß – und nicht im Exzess. Unternehmen sind keine Selbstbedienungsläden.

Das hat übrigens auch SAP kapiert, zumindest ein bisschen. Die Aktionäre haben den Aufsichtsrat nur mit einer hauchdünnen Mehrheit entlastet. Offensichtlich haben sogar diejenigen, die früher immer alles durchgewinkt haben, langsam die Schnauze voll.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.