Von oben: Hände auf zwei gegenüberliegenden Laptops

Gleichberechtigung von Mann und Frau: Männerkarrieren dank weiblicher Teamleistung?

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Teamwork ist eine klasse Sache. Ich schreibe auch immer wieder gerne über die Vorteile vielfältiger Teams. Nicht ohne Grund gilt die Zusammenarbeit im heterogenen Personenumfeld als beste Antwort auf wachsende Komplexität. Frei nach dem Gedanken: das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Jetzt zeigt eine aktuelle Forschung: ich war vielleicht etwas zu enthusiastisch. Denn für Frauen zahlt sich Teamarbeit offenbar in vielen Fällen nicht positiv für die Karriere aus. Und zwar genau dann nicht, wenn sie im Team mit Männern arbeiten.

Warum? Weil den Herren der Schöpfung der gemeinsam mit ihren Kolleginnen erarbeitete Erfolg zugeschrieben wird. Und die Frauen gehen leer aus. Der Karrierenutzen ist gleich Null, wenn Teamleistung nur den männlichen Kollegen gutgeschrieben wird.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Realität zumindest im Bereich der Wirtschaftswissenschaften so aussieht. Die Ökonomin Heather Sarsons hat vier Jahrzehnte wirtschaftswissenschaftliche Publikationen ausgewertet. Die Frage dabei: Welchen Beitrag hatten Publikationen für die Berufung zur lebenslangen Professur?

Im Ergebnis zeigt die Forscherin, dass Männer wie Frauen von als Einzelperson verfassten Artikeln profitierten. Anders sieht es mit Veröffentlichungen aus, die in Teamarbeit verfasst wurden (bei Ökonomen ist das sehr üblich). Hier profitieren männliche Forscher ebenso stark wie im Falle allein geschriebener Artikel. Forscherinnen hingegen hatten nur dann einen Karrierenutzen, wenn sie mit anderen Frauen publizierten. In der Teamarbeit mit Männern profitierten die Karrieren von Wissenschaftlerinnen genau zu 0%.

In anderen Worten: wenn eine Ökonomin mit einem Ökonomen eine Publikation erarbeitet, bringt das nur dem männlichen Part im Team etwas. Für die weibliche Karriere bringt der Mehraufwand überhaupt nichts (s. die Graphiken zum Artikel in der New York Times). Offenbar schreibt die Außenwelt die Arbeit dem männlichen Forscher zu – egal, ob über dem Artikel auch der Name einer Forscherin steht.

Natürlich können wir diese Erkenntnis nicht einfach auf die gesamte Berufswelt projizieren. Aber die Studie gibt Anlass zur Vorsicht. Macht es vielleicht Sinn, in manchen Momenten bewusst auf Teamleistungen zu verzichten und stattdessen als Einzelkämpferin aufzutreten? Ist es besser, mit Kolleginnen zu arbeiten, anstatt sich einen Mann mit ins Projektteam zu holen? Immer im Wissen, dass Erfolge unter Umständen eher den Herren im Team zugeschrieben werden…

Überlegen Sie mal: Profitieren Sie so stark wie ihre männlichen Kollegen, wenn sie in gemischten Teams arbeiten? Wer bekommt mehr Lob und Wertschätzung für die gemeinsam geleistete Arbeit? Stehen Sie und Ihre Kolleginnen in solchen Momenten ebenso im Scheinwerferlicht wie Ihre männlichen Teampartner? Wenn Sie hier zweifeln, können Sie zumindest mal ausprobieren, ob es solo oder rein weiblich besser läuft.

Aber ich warne vor zu viel Paranoia. Schließlich berauben sich Frauen wertvoller Perspektiven, wenn sie Teamarbeit mit Männern vermeiden. Mit den Herren gehen schließlich auch Expertise, Erfahrung und Persönlichkeit verloren. Nicht zu schweigen von den Netzwerken, die bei Männern unternehmensintern oft besser ausgeprägt sind als bei den Kolleginnen.

Also: Gehen Sie bewusst mit Teamarbeit um. Aber schneiden Sie sich nicht ins eigene Fleisch, indem Sie ab sofort alle Männer aus Ihren Teams rausekeln!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.