Die Zukunft der Arbeit

Digitales Arbeiten – Bedrohung oder Chance? Wie Pionierorganisationen die Zukunft der Arbeit vorleben

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Arbeiten 4.0: Was momentan als Schlagwort durch Deutschland gespenstert, scheidet die Geister. Die einen sehen in der Digitalisierung unserer Arbeitswelt vor allem Bedrohungen: entgrenzte Arbeit, die Verlagerung von immer mehr Aufgaben auf immer weniger Menschen, die Massenentlassung von durch Maschinen ersetzten Arbeitnehmern. Andere sehen vor allem die Chancen: Flexibilität, Zeitsouveränität, flachere Hierarchien.

Während die Debatte hitzig vor sich hin läuft, machen manche Organisationen einfach Nägel mit Köpfen. Damit meine ich nicht nur die Hunderttausenden Solo-Selbständigen (wie mich), die zwar vom Staat als „atypisch“ bezeichnet werden, sich aber ziemlich wohl in ihrer freiberuflichen Haut fühlen. Sondern auch größere Unternehmen, die sich auf den Weg ins Neue wagen, anstatt Pro und Contra zu diskutieren.

Ein Beispiel ist die Berliner Agentur IXDS, in der alle Mitarbeiter 32 Stunden die Woche arbeiten. Unter Lohnverzicht, klar. Aber statt fünf sind sie eben nur vier Tage pro Woche im Büro. Ein ganz anderes Arbeiten, wie dieser Artikel im Berliner Tagesspiegel zeigt: die zusätzliche Freizeit ermöglicht den Agenturfrauen und -männern ein lebendigeres kulturelles und soziales Leben, was Auswirkungen auf die gesamte Arbeitskultur hat.

Was einfach klingt, wäre in anderen Unternehmen ein enormer Kulturbruch. Bei manchen meiner Kunden ist es schon Sache langer Verhandlungen, wenn Mitarbeiter ab und an einen Tag lang vom Home Office aus arbeiten wollen. Nicht zu sprechen von kleinen Veränderungen wie Vertrauensarbeitszeiten oder Arbeitszeitkonten. Hier sind Unternehmen – manchmal auch wegen erstaunlich konservativer Betriebsräte – an vielen Stellen ungeheuer behutsam.

Dabei ist eigentlich sehr klar, wohin der Weg geht. Die nachkommende Generation will deutlich mehr Flexibilität und – nach Möglichkeit – Freizeit. Und die Hierarchien purzeln gerade in den Unternehmen, die auf Kreativität und Agilität ihrer Mitarbeiter angewiesen sind. So hat der Hardware-Hersteller Synaxon schon 2012 begonnen, den Mitarbeitern das selbstorganisierte Neuschreiben von Regeln zu ermöglichen. Per Liquid Feedback, also der Software, die über die Piratenpartei berühmt geworden ist.

IXDS oder Synaxon kann man leicht abtun als ausgefallene Einzelbeispiele. Aber ebensolche Experimente gibt es eben immer öfter. Start-Ups gründen sich mit gänzlich anderen Strukturen als noch vor einigen Jahren, und eine wachsende Zahl altgedienter Unternehmen begreift: mit den bisherigen Mitteln wird es uns nicht möglich sein, weiter zu wachsen wie bislang. Das hat Auswirkungen: wenn einzelne Akteure Erfolg mit innovativen Strukturen haben, werden andere Unternehmen schnell nachziehen!

Und, mindestens ebenso entscheidend wie die Wettbewerbsdynamik: Wenn junge, kreative, freiheitsliebende Menschen die Alternative haben, zu welchem Arbeitgeber sie gehen – dem hierarchischen, unflexiblen, traditionsbehafteten oder dem agilen, flexiblen, unbürokratischen Unternehmen – gehen sie wohl eher zu letzterem. Eine Abstimmung mit Füßen! In Zeiten des Fachkräftemangels gehen den großen Tankern so gerade die kreativen Kräfte verloren, die sie am meisten brauchen.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.