Slogan Learn and Lead mit Würfeln dargestellt

Der maßgeschneiderte Arbeitsplatz: Was Organisationen von Projektarbeit lernen können

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Wann ist Arbeit frustrierend? In der Regel dann, wenn man sich mit Dingen auseinandersetzen muss, die man weder leiden kann noch beherrschen möchte. Leider ist genau das Unternehmensalltag. Gerade in starreren Strukturen herrscht eine Friss-oder-stirb-Mentalität: mach das, was die Stelle von Dir fordert, oder geh. Hier richtet sich der Alltag nach der Stellenbeschreibung – nicht jedoch nach den Vorlieben, Talenten und Kompetenzen des jeweiligen Mitarbeiters, der diese Stelle letztlich ausfüllt.

Es ist Tatsache: ein recht unflexibles Organigramm-Denken ist Alltag in den meisten Unternehmen. Wir erwarten ganz automatisch, dass die Mitarbeiter sich nach der Organisation richten – und ihre Erwartungen, Potenziale und Bedürfnisse so deckeln, dass sei die offizielle Aufgabenbeschreibung nicht sprengen. Eigentlich ist das komisch. Würde es nicht viel mehr Sinn machen, dass sich die Organisation nach den Mitarbeitern richtet, aus denen sie sich zusammensetzt?

Talente erkennen, Potenzial nutzen

Was ungewöhnlich klingt, macht viel Sinn. Schließlich sind Organisationen ein flexibles System aus unterschiedlichsten Persönlichkeiten, die wiederum ganz verschiedene Talente, Vorkenntnisse und Lernbedürfnisse mitbringen. Heute ist die Regel, dass wir diese Unterschiedlichkeit weitgehend ignorieren. Mitarbeiter werden auf das normiert, was Vorgesetzter oder Personalabteilung definiert haben – ob es ihnen nun das bestmögliche Arbeiten ermöglicht oder nicht. Herr Müller macht genau die Arbeit wie seine Nachfolgerin Frau Schulze, die wiederum von Herr Özgun beerbt wird; und das, obwohl diese drei Menschen vermutlich ganz unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten mitbringen, die das Unternehmen gezielt für sich nutzen könnte.

Dabei ginge es schlauer. Teams in Unternehmen könnten mit jedem Neuzugang neu aushandeln, wie er oder sie die Stelle ausfüllen möchte. Idealerweise konzentriert sich der neue Mitarbeiter dann besonders auf die Bereiche, die ihm Freude bringen und so zu mehr Leistung und schnellerem professionellem Wachstum anregen. Diese Bereiche sollten natürlich im Kern mit den Aufgaben zu tun haben, die in die Stellenbeschreibung fallen. Aber das heißt eben auch, dass manche Arbeit, die bislang vom Vorgänger erledigt worden ist, nicht vom Neuzugang übernommen wird. Diese Aufgaben bleiben also unerledigt – und müssen von einem Kollegen übernommen werden. Und zwar am besten von demjenigen, dem ebendiese Aufgaben Freude bringen oder zumindest leicht fallen.

Das bedeutet Koordinierungsaufwand. Doch dieser Aufwand lohnt, wenn Mitarbeiter am Schluss vor allem mit den Aufgaben zu tun haben, die ihnen Freude bereiten. Schließlich profitiert davon nicht nur der jeweilige Mensch, sondern auch die gesamte Organisation.

Ganz verrückt ist dieser Gedanke übrigens nicht. In der Projektarbeit leben wir genau dieses Prinzip heute schon. Wir stülpen Menschen dabei nicht irgendwelche Aufgaben über, sondern setzen in der Regel auf Freiwilligkeit, Neugier und Lernbereitschaft. Gerade deshalb entsteht in zeitlich begrenzten, flexibleren Formaten häufig so gute, kreative Energie. Umso sinnvoller ist es, diese Prinzipien auch abseits von Projekten zu nutzen!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.