Zu wenig weibliche Führungskräfte in IT-Unternehmen

Die männliche Welt des Internet – Warum es in der Start-Up-Welt an weiblichen Führungskräften fehlt

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Sind Sie Tech-Nerd? Selbst falls nicht: es fällt schwer, nicht fasziniert zu sein von der Welle an Innovationen, die in den letzten Jahren aus dem IT-Sektor kommen. Vom autonomen Auto bis hin zu intelligenten Brillen – kaum ein Tag, an dem die Zukunft nicht an unsere Tür klopft.

Eine Sache aber finde ich wenig begeisternd. Die IT-Welt ist eine Männerwelt – auch bezüglich der Riege der Führungskräfte. Und zwar auf so ausgeprägte Art und Weise, dass noch der altbackenste Großkonzern bunt wirkt im Vergleich zu den Stars der Netz-Szene.

Weibliche Führungskräfte sind Mangelware in IT-Unternehmen

Nur 17% der Unternehmen der Start-Ups im Silicon Valley haben weibliche Gründerinnen. Und nur um die 6% der IT-Firmen haben weibliche Vorstandsvorsitzende. Und in den IT- und Ingenieursbereichen stellen Frauen wohl unter 15% aller Angestellten.

So richtig verständlich ist das nicht. Nicht nur, weil Geschlechtergleichheit eigentlich gut in die eher links-liberalen Unternehmen des Valley passen würde. Sondern vor allem, weil weiblich gegründete IT-Unternehmen deutlich erfolgreicher sind als die ausschließlich von Männern gegründeten Start-Ups.

Schon im Studium geht es los
So schön das ist: Frauen sind in IT-Unternehmen in der krassen Unterzahl. Ich habe mich bei meinen Kundinnen mal umgehört, woran das aus deren Sicht liegen könnte. Befragt habe ich Frauen in IT-Startups, als auch weibliche Führungskräfte in ingenieurlastigen Konzernen.

Die Antwort war klar. So sagte mir eine Ingenieurin: „Schon im Studium war ich meist die einzige Frau im Raum. Die Ingenieurs-Welt ist eine Welt, die von Männern für Männer gemacht ist.“ Eine Managerin in einem IT-Startup war ebenso klar: „Die Spielregeln hier sind männlich. Das sind Nerds, die schon immer einfach ihr Ding machen. Verbundenheit und offene Kommunikation sind da oft einfach nicht gefragt.“

Sprich: die Gründerinnen, Ingenieurinnen und Programmiererinnen kann man nicht einfach vom Himmel zaubern. Frauen fehlen schon im Studium – und sind entsprechend unterrepräsentiert, wenn es in die Unternehmen geht. Dort prägen sich dann Männerkulturen aus, wo es viele Frauen sehr schwer haben.

Es braucht mehr Vorbilder unter den weiblichen Führungskräften in der IT-Branche

Hinzu kommt, wie mir eine Bekannte sagte: „Es fehlt an Vorbildern. Steve Jobs, Elon Musk, Mark Zuckerberg, Larry Page, Jeff Bezos, Bill Gates… alle kennen die. Aber sag mir mal eine Frau außer Sheryl Sandberg oder Marissa Meyer, von der die Leute schon mal gehört haben.“ Während Männer also viele Figuren haben, mit denen sie sich identifizieren können, sieht es auf weiblicher Seite eher kärglich aus.

Ich ziehe daraus zwei Kernbotschaften. Erstens: Frauen, geht in die IT und bringt weibliche Kultur dort rein, denn Vielseitigkeit schafft mehr Innovation. Und, zweitens: Wir brauchen mehr gute Geschichten von Frauen in der Tech-Welt. Wenn wir hier inspirierende Figuren haben, bekommen auch mehr junge Frauen Lust auf die Tech-Welten der Zukunft!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.