Frauen in Führungspositionen

Wenn Frauen Männerrunden leiten: Wie Frauen von außen Schule machen können

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Als Rednerin und externer Coach habe ich meistens mit männlichen Führungskräften zu tun. Das sind diejenigen, die mich beauftragen, briefen und auf der Bühne als Rednerin ankündigen. Daran merke ich auch aus eigener Beobachtung: Frauen in höheren Führungsebenen sind immer noch rar.

Das ist natürlich nichts Neues. Für mich interessant daran ist aber: Ich bin eine Frau und trete mit Themen zu Personalführung und Gendermanagement für Chefinnen an! Gebucht werde ich nicht trotzdem, sondern gerade deshalb. Ironischerweise häufig von Firmen, in denen Chefinnen Mangelware sind.

Freunde und Kunden, die das wissen, fragen mich immer wieder: „Wie ist das für Dich mit den Alpha-Tieren?“ Ich grinse dann immer. Meine Erfahrung ist nämlich eine sehr positive. Die Männer, mit denen ich arbeite, lassen sich in der Regel sehr gerne durch eine Frau führen. Und sei es nur durch meinen Vortrag, in meinem Fall. Es ist sogar so, dass ich häufig höre „endlich mal eine Frau auf der Bühne!“.

In anderen Worten: Führungsriegen mögen männlich sein. Aber häufig ist das System hier konservativer als seine einzelnen Bestandteile. Viele Männer, die auf den ersten Blick wie Kampfbullen wirken, haben gar kein Problem, sich von einer Frau anleiten zu lassen. Hauptsache, sie macht ihre Sache gut.

Manche Unternehmen setzen diesen Effekt durch weibliche Externe ganz gezielt ein. Ich habe mich neulich mit einer Berater-Kollegin unterhalten. Sie sagte mir: „Nicola, durch meine Präsenz im Projekt lernen die Männer, dass Frauen und Führung ganz gut zueinander passen.“ Bei ihrem aktuellen Kunden hatte meine Gesprächspartnerin sogar einen expliziten Auftrag bekommen: „Lass Dich nicht ein auf die Kraftmeierei der männlichen Garde. Zeig denen als Workshop-Leiterin doch mal, dass es auch anders geht. Mit Dir machen wir den ersten Schritt, der unsere Herren an weibliche Führung gewöhnen soll.“

Das kann funktionieren – sagt zumindest meine Erfahrung als Externe. Ich kann immer wieder in Fleisch und Blut beweisen: Führung funktioniert auch auf weiblich gut! Die Vorbehalte, die im Weg stehen, gibt es. Aber sie sind eben durch praktische Zusammenarbeit überwindbar.

Neulich saß ich in einer Runde von Führungskräften aus der mittleren und höheren Ebene. Alle waren Männer 40+, viele körperliche Schwergewichte, der Ton war an mancher Stelle eher derb. Ich sah für mich zwei Möglichkeiten: Entweder ich steige auf den Tonfall ein, oder ich mache das so, wie ich es früher selbst als Führungskraft gemacht habe. Ich bleibe einfach ich und führe so, wie ich das für richtig halte.

Ich habe mich natürlich für die zweite Variante entschieden. Denn Raubeinigkeit ist nicht meins, sondern strengt mich an. Also habe ich den Herren einfach zurückgespiegelt, wie grob und unfreundlich ihr Tonfall auf Gäste wie mich wirken kann. Das Ergebnis war großes Erstaunen – und eine sehr freundliche Runde im Nachgang. Na, geht doch!

Vielleicht besteht so ein Veränderungshebel gerade für Organisationen, die stark männlich dominiert sind. Wer hier bewusst weibliche Externe reinholt, kann ein Gegengewicht setzen. Wenn eine Beraterin die Geschäftsführung erfolgreich unterstützen kann, dann kann eine Frau doch auch als Führungskraft Fuß fassen, oder nicht?

Titelbild: shutterstock/ESB Essentials

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.