Mitarbeiterin schläft gelangweilt in einem Meeting

Das geschwätzige Geschlecht: Warum Männer in Meetings viel reden – und was das für Führungskräfte bedeutet

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Das Wort Monolog kennen Sie, oder? Aber haben Sie schon mal was vom Mannolog gehört? Der Begriff mag neu sein, aber das Phänomen kennen die meisten von uns: Männer, die unaufhörlich reden und nicht mehr damit aufhören.

Neulich konnte ich wieder einen Mannolog erleben. Ich saß beim Kunden in der Klärung für einen Auftrag. Da ging plötzlich die Tür auf und sein Vorgesetzter kam rein, um mich zu begrüßen. Das war ja sehr nett. Aber dann riss er das Gespräch an sich. Er sprach, sage und schreibe, eine halbe Stunde. Am Stück! Ohne dass er vorgesehen hätte, ein paar Fragen an mich zu stellen oder zumindest die Illusion eines Gesprächs aufkommen zu lassen. Das war nicht nur weitschweifig. Sondern irgendwie auch dominant und ziemlich rücksichtslos.

Komisch, dachte ich mir während dieser dreißigminütigen Wortflut. Ob es irgendeine Frau gibt, die auf diese Art so ein „Gespräch“ mit mir geführt hätte? Klar, wir Frauen können auch viel reden! Aber ich erlebe Frauen im Gespräch eher so, dass wir miteinander reden, anstatt aufeinander einzureden…

Ungleichgewicht im Business Meeting

Dass der Mannolog nichts ist, was nur mir begegnet, habe ich dann in der New York Times gelesen. Er ist eine extreme Ausprägung eines Ungleichgewichts, das die Forschung gut belegt hat: Männer reden in Business-Meetings deutlich mehr als Frauen. Und zwar um so mehr, je größer die Gruppe ist. Es gibt sogar Zahlen dazu: Frauen sprechen 25-33% weniger als ihre Kollegen, wenn eine Gruppe überwiegend männlich belegt ist.

Für Führungskräfte heißt das in anderen Worten: Es ist nicht damit getan, Teams und Gremien 50:50 mit Frauen und Männern zu besetzen. Offenbar braucht es ein paar Schritte mehr, damit Frauen nicht nur physisch in Business-Besprechungen anwesend sind – sondern sich auch ebenso aktiv einbringen können wie Männer.

Wobei, halt mal! Frauen bringen sich ja ein. Sie tun es nur anders als ihre männlichen Kollegen. Sie fassen sich kürzer, kommen schneller auf den Punkt, holen weniger weit aus. Das dient der Sache – hilft nur leider wenig. Aus der Kommunikationswissenschaft wissen wir: der Inhalt dessen, was wir sagen, macht nur einen Bruchteil der Botschaft aus. Ebenso wichtig sind die Signale, die wir setzen, während wir sprechen. Also die Art und Weise, in der wir uns präsentieren, wie wir unsere Gedanken in Worte fassen, wie wir sie unterstreichen… da trumpfen Männer nach wie vor mehr auf als ihre Kolleginnen. Auch weil Frauen sich häufig weniger direkt und klar ausdrücken, mehr Konjunktive und Füllworte wie „Ähm“ benutzen.

Heißt das nun, dass Mitarbeiterinnen und Frauen in Führungspositionen Frauologe halten sollen? Einfach mal quatschen, bis dem Gegenüber schwindelt? Bloß nicht! Die Forschung zeigt, dass das ein Nachteil für Frauen ist. Was Männern nützt, wird Frauen als zu offensiv ausgelegt. Und trotzdem gilt: Frauen müssen sich Raum und Zeit nehmen und klar kommunizieren, um gegen Mannologe bestehen zu können. Das gilt besonders für Frauen in Führungspositionen, die sich gegenüber ehrgeizigen Mitarbeitern zu behaupten haben:

  • Achten Sie darauf, dass Sie zu Meetings etwas Fundiertes beitragen. Beschränken Sie sich dabei nicht nur auf Ihre Kernbotschaft – leiten Sie Ihre Gedanken her und erläutern Sie, warum Ihr Gedanke wichtig ist.
  • Nehmen Sie sich Zeit und drücken Sie sich klar aus! Sehen Sie zu, dass Ihre Sprache direkt ist. Sprechen Sie in kurzen Sätzen und achten Sie darauf, dass Ihre Stimme am Ende eines Satzes runter geht. Sie also einen „echten“ Punkt machen. Dann steigt die Chance, dass Ihre Botschaften auch ankommen.
  • Schaffen Sie Räume, in denen Frauen sich zu Wortbeiträgen ermutigt fühlen. Das ist besonders dann der Fall, wenn Meetings von Frauen geleitet sind und ausreichend Frauen mit am Tisch sitzen.

Wer gerade als weibliche Führungsperson vor Mitarbeiterinnen mit gutem Beispiel  vorangeht, schafft eine gute Basis für mehr Frauologe in Meetings, die am Ende des Tages garantiert dem gesamten Unternehmen zu Gute kommen.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.