Gendermanagement

So nett, so erfolglos: Warum weibliche Führungskräfte im Business unter ihrer Erziehung leiden

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

  • 9th Mai 2017
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Frauen im Job können eins besonders gut: nett sein. Klingt doof? Ist aber so. Nicht weil Frauen das genetisch in die Wiege bekommen hätten. Sondern schlicht, weil es ihnen anerzogen wird, seit sie sehr jung sind.

Tatsächlich gibt die riesige Mehrheit der berufstätigen Frauen in Studien an, dass sie als Kind vor allem beigebracht bekommen haben, nett zu anderen zu sein. Fast 90% machen hier ihr Kreuz auf den Umfragebögen!

Natürlich ist Nettsein erst mal nichts Schlechtes. Aber es ist auffällig, dass andere Kompetenzen bei Frauen viel weniger gefördert werden. So gibt nur ein Drittel der befragten Frauen an, dass sie früh gelernt hätten, ihre Meinung zu artikulieren. Auch Durchsetzungsfähigkeit ist nichts, was jedes Mädchen vom jungen Alter an mitbekommt.

75% aller Frauen: Hätte gerne mehr über Führung gelernt

Kein Wunder, dass sich 3 von 4 weiblichen Professionals wünschen, sie hätten in Kindheit und Jugend mehr über Führung gelernt.

Schließlich wird Nettigkeit im Berufsalltag nicht gerade belohnt. Schon klar, Teams lieben nette Kolleginnen und Chefinnen. Aber im Alltag der männlichen Führungskräfte gilt zu viel Nettigkeit ganz schnell als Schwäche und Mangel an Durchsetzungsstärke.

Denn Jungs lernen in ihrer Kindheit etwas ganz Anderes als Mädchen. Stärke und Kampfkraft, das Streben nach Dominanz – all das wird Männern in unserer Gesellschaft nahegelegt. Wenn Mädchen sich hingegen so verhalten wie Jungs, hat das schnell negative Folgen. Frauen, die sich durchsetzen wollen, gelten als „Zicke“, „verbissen“ oder schlimmeres. Da ist Gefälligkeit dann die bequemere Lösung.

Führung kann man lernen!

Umso wichtiger, dass Frauen in Ausbildung und Beruf schnell und intensiv über Führung und Selbstführung lernen. Ansonsten wird die anerzogene Tendenz zur Gefälligkeit schnell zum Nachteil. Selbstbewusstsein aufbauen, Durchsetzungsstärke trainieren, Nettigkeit ohne Schwäche – all das kann frau lernen.

Als weibliche Führungskraft ist entscheidend, dass Sie das auf dem Schirm haben. Wenn Sie Ihr Team mit Fortbildung beglücken, macht es viel Sinn, den Frauen im Team andere Seminare nahezulegen als den männlichen Kollegen. Wo für den einen Rhetorik oder Präsentation sinnvoll sein mag, ist für die andere Selbstreflexion und Konflikttraining sinnvoller.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.