Netzwerken im Job

Küngeln als Tugend – Warum belastbare Seilschaften für Frauen in Führungspositionen besonders wichtig sind

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

„Was entscheidet über Ihren Erfolg als Frau im Beruf?“ Wenn ich weiblichen Führungskräften diese Frage stelle, kommen meist Begriffe wie Leistung, Präsenz, Kompetenz und Durchsetzungskraft.

Was eher selten kommt, ist: Netzwerke. Dabei spielen Netzwerke und geschicktes Netzwerken eine riesige Rolle für die Schritte in die höchsten Führungsetagen.

Tatsächlich sind Netzwerke schon beim Berufseinstieg ganz entscheidend. Nur ungefähr jede dritte Stelle wird heute ausgeschrieben. Die meisten Jobs werden über Netzwerke vergeben – und selbst die veröffentlichten Jobs sind inoffiziell häufig schon längst versprochen.

Je weiter es auf der Karriereleiter nach oben geht, desto wichtiger werden Netzwerke. Die Beziehungspflege zu Kolleginnen und Kollegen ist dabei genauso wichtig wie das Netzwerken in Alumnivereinen, weiblichen Karrierenetzwerken, oder professionellen Verbänden. Hier machen Sie die Bekanntschaften, die im entscheidenden Moment karriereentscheidend sein können.

Jetzt sollte man denken: „Frauen sind kommunikationsstärker und sozialer als der Durchschnitt der Männer. Denen fällt das sicherlich leicht!“ Aber komischerweise ist das Gegenteil der Fall. Weibliche Professionals sind in aller Regel sehr überzeugt davon, dass es beim Aufstieg auf Kompetenz und Leistung ankommt. Sie unterschätzen, wie wichtig gute, freundschaftliche Beziehungen sind, um aufzusteigen.

Ich bin oft überrascht davon, dass Netzwerken für viele meiner Gesprächspartnerinnen einen schlechten Beigeschmack hat. Dabei leben gute Netzwerke ja gerade davon, dass alle Mitglieder eine Balance aus Geben und Nehmen finden müssen. Es braucht die aufrichtige Begegnung, das gegenseitige Helfen – Netzwerke würden nicht überleben, wenn sie ausschließlich kalkulierten, selbstbezogenen Austausch zum Ziel hätten.

Männer sind da bislang besser als Frauen. Sie pflegen Seilschaften und profitieren davon.

Umso wichtiger ist es, dass weibliche Führungskräfte Netzwerken als Teil des Alltags verstehen. Hier geht es um langen Atem, um echte Freude, und an mancher Stelle auch um Hartnäckigkeit. Denn im Gegensatz zu den männlichen Kollegen haben Frauen oft keinen Zugang zu den Netzwerken, wo die wirklich wertvollen Kontakte warten. Deshalb gilt: Suchen Sie nach Unterstützern, die Ihnen die Türe in diese Männerwelten öffnen! Denn am Schluss sind Netzwerke vor allem dann wertvoll, wenn dort auch ein paar Mächtige zu finden sind. Und da müssen tendenziell jüngere Frauennetzwerke auch heute noch ein paar Schippen drauflegen.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.