Arbeitnehmerin macht Ruhe bitte-Geste

Schluss mit doofen Sprüchen! Wie Sie im Beruf mit Alltags-Sexismus (unter Mitarbeitern) umgehen können

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

GendermanagementIm Jahr der letzten Bundestagswahl, 2013, ging der Hashtag #Aufschrei durchs Land. Tausende von Frauen berichteten auf Twitter von alltäglichen Belästigungen, von kleinen Formen der Diskriminierung und Benachteiligung. #Aufschrei war wohl eine der ersten Twitter-Wellen, die auch so richtig außerhalb des sozialen Netzes spürbar wurden. Diskriminierung im Alltag war auf einmal ein großes Thema.

Vor wenigen Wochen ging dann ein Video durchs Netz, das wieder hohe Wellen schlug. Die Idee des Kurzfilms war eigentlich denkbar einfach. Eine Frau ließ sich filmen, wie sie einen Tag lang durch New York City spazierte. Doch die Reaktionen auf den kurzen Film waren Schock und Erschrecken, und das mit Grund. Die Dame wurde an diesem einen Tag über hundert Mal aufgehalten, angefasst, angeflirtet. Nicht jede dieser Anmachen mag von bösem Geist getragen gewesen sein. Aber der Film macht doch klar: Wer sich als Frau im öffentlichen Raum bewegt, wird völlig anders behandelt als jeder Mann.

Und im Büro? Niemand redet gerne drüber, aber dort sind Diskriminierung und Belästigung natürlich auch ein Thema. Jede Frau kann ein Lied davon singen, welche doofen Sprüche sie sich schon hat anhören müssen. „Du als Frau bist ja eher für die gute Atmosphäre zuständig.“ Oder von der derben Sorte: „Meinst Du, das kriegst Du hin, obwohl Du blond bist?“ Oder „Jetzt hat schon wieder keine der Kolleginnen einen Kuchen gebacken.“

Solche Sprüche sind einzeln und für sich genommen oft nicht besonders tragisch. Und doch zeigen sie etwas. Bei vielen Männern sind die alten Rollenbilder noch tief verhaftet. Was als Witz oder flotter Spruch um die Ecke kommt, ist aber meist einfach nicht lustig. Wieso zum Beispiel wird das Aussehen von Kolleginnen so viel häufiger kommentiert als das von Kollegen? Wieso müssen sich Frauen im Büro anzügliche Kommentare oder Witze anhören? Wieso werden sie, und sei es in Form eines flotten Spruchs, immer wieder an ihre angebliche „weibliche Rolle“ erinnert?

Wenn ich mit Karrierefrauen arbeite, fällt mir immer wieder auf, dass einige von ihnen ein fein ausgeprägtes Gespür für Sexismus im Alltag haben und sich bewusst wehren. Andere hingegen haben sich anders entschieden, haben die Ohren schlicht auf Durchzug gestellt und hören einfach weg. Tatsächlich sind viele Frauen so sehr an frauenspezifische Sprücheklopferei am Arbeitsplatz gewohnt, dass sie gar nicht mehr bemerken, wie häufig sie anders behandelt werden als die männlichen Kollegen!

Ich sage: Ohren auf! Und dann den Mund! Denn wer sich die doofen Sprüche seiner männlichen Kollegen allzu oft gefallen lässt, büßt Respekt ein. Gerade für neue Kolleginnen ist es absolut wichtig, dass sie von Anfang an klar machen: „Mit mir nicht!“ Das muss gar nicht in Form garstiger Antworten geschehen. Aber schon die Frage: „Würden Sie das so auch Ihrem männlichen Kollegen sagen?“ hilft oft schon sehr viel weiter. Denn sie löst beim Gegenüber Nachdenken aus. Hoffentlich zumindest. Machen Sie klare Ansagen. Das gilt für Betroffene wie für Vorgesetze, die derartiges Verhalten unter den Mitarbeitern feststellen.

Eine andere Methode ist: mit gleichem Maß zurückgeben. Wenn ein Kollege häufig Ihre Kleidung kommentiert, machen Sie es doch einfach auch! Mal sehen, wie er sich fühlt. Ich wette mit Ihnen, dass die Kommentare ziemlich schnell aufhören. Im besten Fall reflektiert Ihr Kollege sogar sein Verhalten und spricht mit Ihnen darüber.

Also, versuchen Sie es mal. Lassen Sie Ihren männlichen Kollegen nichts durchgehen. Lassen Sie sich nicht anders behandeln. Fordern Sie Respekt ein. Das wird gut tun. Nicht nur Ihnen. Sondern auch Ihrer Karriere.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.