Mann flüstert geschockter Frau etwas ins Ohr

Pssst, nicht weitersagen: Sind Ihre Betriebsgeheimnisse bei Ihren Mitarbeitern sicher?

Von Vertrauen und Sensibilisierung

Betriebsgeheimnisse wahren

Büroklatsch, Whistleblower, soziale Netzwerke, Angestellte, die zu einem neuen Arbeitgeber wechseln: Betriebsgeheimnisse wie Kalkulationsgrundlagen, Rezepte, Produktionsverfahren oder finanzielle Probleme auf Kundenseite gilt es vor der Öffentlichkeit zum Wohle des Unternehmenserfolges zu schützen. Leider schützen viele Betriebe selbige immer noch nicht genug und gerade für die Mitarbeiter ist es oft schwer zu unterscheiden, welche Themen sie Zuhause mit dem Partner oder mit der Kollegin besprechen dürfen und über welche sie rechtlich gesehen unbedingt Stillschweigen bewahren sollten.

Sensibilisieren, loyalisieren, vertrauen

Ihre Mitarbeiter sind grundsätzlich dazu verpflichtet Betriebsgeheimnisse zu wahren – dies beruht auf der arbeitsvertraglichen Treuepflicht, die auch in Kraft tritt, wenn sie nicht ausdrücklich im Arbeitsvertrag geregelt wurde. Für Banker gelten hier zum Beispiel besonders strenge Regeln. Manchmal wissen die Arbeitnehmer aber gar nicht genau, was sie nun sagen dürfen und was nicht. Was dürfen sie auch im privaten Umfeld besprechen, was über Whats App an einen Kollegen schicken, was in der Cloud teilen? Implementieren Sie Programme zur Sensibilisierung für das Thema Betriebsgeheimnisse und geben Sie allen Mitarbeitern eine passende Anleitung mit an die Hand. Schreiben Sie alle Regelungen nieder und verteilen Sie sie an die Belegschaft. Zeigen Sie Beispiele auf und erklären Sie, welche Konsequenzen es im Falle eines Missbrauchs zu tragen gilt. Der Verrat von Betriebsgeheimnissen wird nach § 17 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) rechtlich bestraft und der Arbeitnehmer muss mit der Kündigung rechnen.

Stellen Sie im Zuge dessen aber auch klar, dass Sie auf Ihre Mitarbeiter vertrauen und dass das Auspionieren der Angestellten für Sie nicht in Frage kommt. Logischerweise sind die Angestellten loyaler dem gegenüber, der an sie glaubt. Diese Loyalität gilt es zu stärken.

Wenn Angestellte den Arbeitgeber wechseln

Was, wenn ein Arbeitnehmer das Unternehmen wechselt und all die Betriebsgeheimnisse aus Ihrem Unternehmen mitnimmt? Keine Sorge, grundsätzlich kann dem Angestellten auch nach Verlassen des Unternehmens eine Pflicht zur Geheimhaltung auferlegt werden. Wichtig ist bei einer solchen Vereinbarung nur die Dauer der Schweigepflicht festzulegen und konkret zu formulieren, um auf der sicheren Seite zu sein.

Handelt es sich bei diesem Angestellten allerdings um einen sogenannten Whistleblower, gelten andere Regeln. Genauer gesagt gibt es hier noch keine konkrete rechtliche Grundlage und die Gerichte entscheiden von Fall zu Fall, ob es sich um den Verrat von Firmengeheimnissen, einen Racheakt oder tatsächlich um das uneigennützige Aufdecken von Missständen gegenüber der Öffentlichkeit handelt. Um dem entgegen zu wirken bieten manche Großkonzerne inzwischen sogar eigene Whistleblowing-Hotlines an, um anonym auf Missstände im Unternehmen hinzuweisen und es gar nicht erst soweit kommen zu lassen.

Fazit: Vertrauen und Offenheit kann bei der Wahrung der Betriebsgeheimnisse mehr bewirken als alle Kontrollen oder Androhungen von Konsequenzen.

Verschwiegenheit fordern, ist nicht das Mittel, sie zu erlangen.
Johann Wolfgang von Goethe

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.