Angst und Druck am Arbeitsplatz

Raus aus der Psycho-Falle: Warum Druck nicht zu besseren Ergebnissen führt

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Arbeit macht nicht immer Spaß – das wissen wir alle. Und das ist auch erst mal nicht schlimm. Schließlich zeichnet sich unser Leben dadurch aus, dass jeder Tag anders ist. Mal läuft es besser, mal schlechter. Mal hat man mehr Motivation, mal weniger. So ist es halt. Wäre auch langweilig, wenn jeder Tag gleich wäre, oder?

Manchmal gibt es im Berufsleben aber auch Situationen, die wirklich an die Nieren gehen. Meistens erlebe ich das, wenn sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter Druck gesetzt fühlen durch ihre Führungskräfte. Dann ist von übergroßem Stress die Rede, von der Angst, nicht zu genügen. Von Wutanfällen und Angst, von Willkür und Machtmissbrauch.

Angst führt zu innerer Zerrissenheit

In solchen Situationen geraten Menschen schnell ans Limit. Innerlich sind sie in einem Spagat. Auf der einen Seite ist die Arbeitsmotivation total im Keller. Jeder Gang ins Büro wird zur großen Überwindung. Die Lust am Job, die vielleicht mal da war, weicht der abgrundtiefen Demotivation. Am liebsten, so ist dann die Lage, würde man einfach hinschmeißen.

Das Perfide ist: wenn man unter Druck durch seinen Chef oder seine Chefin steht, zeigen die meisten Menschen ihre Demotivation gerade nicht. Ganz im Gegenteil: sie überspielen ihre Gefühle und hängen sich nach außen hin erst so richtig rein. Einfach weil sie verzweifelt versuchen, aus dem Fokus der Vorgesetzten zu kommen, zurück in ruhigere Fahrwasser.

Führungskräfte stehen oft selbst unter Druck

So weit, so vertrackt. Richtig schlimm finde ich aber, dass manche Führungskräfte solche Situationen bewusst herbeiführen. Sie denken, dass sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gekonnt motivieren, wenn sie auf Willkür, Einschüchterung oder Aufmerksamkeits-Entzug umschalten. Den meisten Führungskräften ist ja völlig bewusst, dass sie damit einen Effekt auf ihre Teammitglieder haben. Und zwar nicht irgendeinen – sie wollen negativen Stress erzeugen.

Meist sind Vorgesetzte dabei getrieben von der Annahme, dass dieser Stress sich am Schluss in besseren Ergebnissen äußert. Oft geben sie Druck weiter, den sie selbst von oben bekommen. „Ich mache das im Dienst der Sache. Am Schluss ist das für uns alle besser, als wenn wir unsere Ergebnisse nicht bringen.“ Dass es Menschen als Konsequenz zumindest vorübergehend schlecht geht, nehmen sie dann bedauernd in Kauf.

Personalentwicklung: Psycho-Stress führt langfristig zu Loyalitätsverlust

Dabei fallen Führungskräfte, die so denken, einem großen Irrtum zum Opfer. Psycho-Stress, Druck und Willkür führen bestenfalls kurzfristig zu besseren Ergebnissen. Menschen hängen sich dann aus Angst heftig rein. Aber dieser kurzfristige Gewinn darf nicht über die langfristigen Nachteile hinwegtäuschen. Denn wenn Vorgesetzte wie Psychos agieren, verlieren sie Vertrauen und Loyalität – die wichtigsten Grundlagen für ein dauerhafte motiviertes Arbeitsumfeld.

Deshalb gilt: Strohfeuer durch Angst und Druck sind eine Falle für alle Beteiligten. Viel wichtiger ist es, auch in Drucksituationen gemeinsam in Ruhe durch die Herausforderungen zu navigieren.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.