Nettigkeit für gute Personalführung

Nettigkeit hilft! Warum gute Führungskräfte freundlich sind

„Sie wollen eine bessere Führungskraft sein? Dann denken Sie mal über mehr Freundlichkeit nach!“ So überschrieb das berühmte World Economic Forum aus Davos vor kurzem einen Beitrag.

Bei vielen Führungskräften wird das für Stirnrunzeln gesorgt haben: „Ich soll netter sein? Wie soll mich das denn in meiner Autorität unterstützen?“.

Tatsächlich habe ich in Coachings immer wieder mit Führungskräften zu tun, die Angst davor haben, zu nett zu sein. Ihre Annahme dabei: Wer zu freundlich ist, wird nicht ernst genommen. Und wenn ich nicht ernst genommen werde, kann ich keine erfolgreiche Führungskraft sein.

Aber stimmt das auch? Klar, die meisten von uns sind mit einem Zerrbild aufgewachsen: Der starke, männliche Boss, der klare Ansagen macht, unbequeme Entscheidungen trifft und als einsamer Wolf am eigenen Erfolg werkelt. Und vermutlich kennen wir alle Beispiele aus dem Alltag, die so sein wollen. Kollegen, die in Leitungsrunden betonen, wie hart sie ihre Leute „anfassen“ und auch ansonsten eher durch Raubeinigkeit als sympathisches Auftreten auffallen.

Spannend daran: unser inneres Bild hat nichts mit der Forschung zu guter Führung zu tun. Die betont nämlich, dass gute Führungskräfte das ziemliche Gegenteil des Klischeebildes sind: Teamplayer, empathisch, offen.

Das macht auch Sinn. Denn Chefs, die übermäßig hartleibig auftreten, ernten hohe Krankheitsraten und unterdurchschnittliche Teammotivation. Der Grund: sie verursachen mit ihrem Auftreten Stress. Damit verbunden sind Krankheiten. Die University of London hat sogar einen Zusammenhang nachgewiesen zwischen Stress, der durch autoritäre Chefs ausgelöst wird, und Herzinfarkten. Aber damit nicht genug. Teams mit autoritären Chefs leiden zudem unter hoher Fluktuation und niedriger Loyalität.

Also: nett sein hilft! Die Herausforderung ist nur, Nettigkeit nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln. Sie müssen als Vorgesetzte oder Vorgesetzter wissen, dass Sie nicht immer gefallen können. Manchmal gibt es Botschaften, die unangenehm sind. Die Frage ist nur, ob Sie es schaffen, auch diese Situationen mit Respekt, Offenheit und Empathie zu gestalten.

Hinzu kommt: Verwechseln Sie Freundlichkeit nicht mit Entscheidungsschwäche. Ihr Team erwartet von Ihnen immer wieder, dass Sie Orientierung geben. Um so wichtiger ist, dass Sie nicht rumeiern und ihre eigene Haltung verstecken. Sie können sich natürlich mit Ihrem Team beraten und eine gemeinsame Entscheidung anstreben. Aber im entscheidenden Moment sind weiterhin Sie es, der die Richtung vorgibt – und dann auch nach außen hin den Kopf hinhält, wenn es drauf ankommt.

 

Titelbild shutterstock/ra2studio

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.