Schriftzug What's your Story. Die ersten beiden Worte in Kreide, das Wort Story in bunten Buchstaben

Motivationspsychologie im Business

keine Instantlösungen für Mitarbeiter

What's your story?Herzlich willkommen zu meiner neuen Kolumne „Senkrechtstarter“ hier auf incentimo. An dieser Stelle soll es vor allem um das Thema Motivationspsychologie im Business gehen. Ab und an ein bisschen Lob reicht nämlich noch lange nicht aus, um seine Mitarbeiter zu motivieren. Nein, so einfach ist es leider nicht. Wer als Chef einzig und allein darauf setzt wird scheitern, denn er hat einen wichtigen Punkt vergessen: die Individualität seiner Mitarbeiter. In Sachen Motivationspsychologie gibt es keine Instantlösungen.

Welche Bedürfnisse hat mein Mitarbeiter?
Bedauerlicherweise sind die meisten Maßnahmen und Methoden, die allgemein bekannt sind, nur Halbwahrheiten. Das liegt daran, dass der Angestellte als Einzelperson kaum noch berücksichtigt wird. Gerade in großen Unternehmen geht die Nähe zum Arbeitnehmer schnell verloren. Da viele diese Individualität nicht ernst nehmen oder ihnen schlichtweg die Zeit fehlt, versuchen sie über Pauschallösungen Mitarbeiter zu führen und anzuspornen. Doch der Erfolg bleibt aus und die Motivation auf der Strecke. Dies führt wiederum zu noch mehr Frust; eine Abwärtsspirale der Mitarbeitermotivation.

Die Grundidee der Motivationspsychologie lautet: Menschen sind Individuen auf deren spezifische Persönlichkeiten der direkte Vorgesetzte eingehen muss. Motivationstechniken müssen dem gerecht und auf an den Einzelnen angepasst werden. Die größte motivierende Wirkung hat die Führungskraft nur dann, wenn sie sich ernsthaft für den Mitarbeiter interessiert. Fragen Sie sich: „Welche Bedürfnisse hat mein Mitarbeiter, wie verhält er sich wann und warum, was löst Stress bei ihm aus?“.

Vom Mars oder von der Venus?
Einer meiner Kunden war lange Zeit als Vertriebsleiter tätig und führte im Laufe seiner Karriere zahlreiche Verkäufer zum Erfolg. Als er plötzlich ein neues Team bekam, das zu 80 Prozent aus Frauen bestand, und er mit der gleichen, altbewährten Methode versuchte auch die Damen zu führen und zu motivieren, blieb der Erfolg aus.

Er musste feststellen, dass bei Männern der Wettbewerbsgedanke als Ansporn absolut funktioniert, wohingegen bei Frauen viel mehr der Gemeinschaftseffekt im Mittelpunkt steht. Das gemeinsame Erreichen spielt für sie die größere Rolle. Eine Kultur des Wettbewerbs aufzubauen hat in diesem Fall nicht funktioniert und es wurden stattdessen immer schlechtere Ergebnisse erzielt. Frauen und Männer haben unterschiedliche Bedürfnisse und handeln aus unterschiedlichen Motiven heraus. Wer Erfolg haben will, muss diese Tatsache berücksichtigen.

Introvertiert oder extrovertiert?
Hier ein weiteres Beispiel aus der Vertriebswelt für Sie: In einem bekannten Unternehmen wurden Mitarbeiter, die besonders gut waren, im Rahmen von Veranstaltungen und Jahresversammlungen vor allen anderen nach vorne gerufen und für ihre guten Leistungen ausgezeichnet. Einer meiner Kunden stellte irgendwann fest, dass seine Top-Performer immer dann, wenn eine dieser Veranstaltung bevorstand, ihre Umsätze plötzlich deutlich zurückfuhren.  Er konnte sich das nicht erklären. Später erfuhr er, dass es seinen Mitarbeitern peinlich war vor allen Kollegen geehrt zu werden. Der Arbeitgeber meinte es zwar gut, das Ergebnis war allerdings eine Leistungsverweigerung durch eine Form der Anerkennung, die eben nicht auf die Motivation eines jeden Mitarbeiters abzielt. Anerkennung ist nicht gleich Anerkennung.

Während die einen für öffentliche Ehrung Vollgas geben, haben andere, introvertiertere Mitarbeiter gar keine Lust, auf das sprichwörtliche Podest gestellt und vor allen anderen „vorgeführt“ zu werden. Statt die Angestellten zu motivieren ist genau das Gegenteil eingetreten und am Ende wurde dem Erfolg des Unternehmens geschadet. Deshalb ist es so wichtig, seine Mitarbeiter zu kennen und sich individuell mit ihnen auseinander zu setzen.

 

Über Rolf Schmiel

Dipl.-Psych. Rolf Schmiel ist Management- und Motivationstrainer, berät große Unternehmen in Sachen Motivation- und Mitarbeiterführung und gilt als gefragter Keynote Speaker, Buchautor und Interviewpartner.