HRM im Alltag

HRM: Wie streikende Technik uns den Alltag versüßen kann

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

„Na, wie läuft es so mit Ihren guten Vorsätzen im neuen Jahr?“

Die Frage habe ich neulich einem Kunden gestellt, kurz nachdem er mich in Empfang genommen hatte. Der Arme fand die Frage offenbar ziemlich unerfreulich, denn er verzog das Gesicht und blickte auf seine Schuhspitzen.

Wissen Sie, was seine guten Vorsätze waren? Mehr Geduld, mehr Gelassenheit, mehr Humor. Das wusste ich noch von unserem ersten Gespräch in diesem Jahr. Aus seiner unwirschen Reaktion schloss ich: Er ist noch nicht am Ziel!

Damit lag ich richtig. Mein Kunde berichtete mir danach, dass er kurz zuvor einen Tobsuchtsanfall gehabt hatte. Der Grund: die Technik, die mal wieder nicht so wollte wie er. Als der Stress am größten war, beschlossen Drucker und Internetverbindung gleichzeitig zu spinnen. Das hat gereicht, um den armen Mann seine Vorsätze mit viel Wut vom Tisch zu wischen zu lassen. Entsprechend zerknirscht war er, als ich ihn ganz unbedarft nach seinen Fortschritten fragte…

Und was soll ich sagen? Ich verstehe den Guten sogar. Wir reden die ganze Zeit von Digitalisierung, von Effizienz und digitaler Kollaboration… aber wenn der Alltag zuschlägt, stehen wir vor unverständlichen Tools, unbedienbaren Druckermenüs, abstürzender Software, Technikern, die nicht wie vereinbart erscheinen und einer Serie von Telefonkonferenzen, in denen man mehr Störgeräusche hört als das, was unsere Gesprächspartner so beitragen.

Laut einer aktuellen Studie gehen dem durchschnittlichen Arbeitnehmer durch kaputte Drucker, langsame Computer und abstürzende Programme bis zu 20 Arbeitstagen pro Jahr verloren. Selbst wenn es nur die Hälfte sein sollte – die Vorstellung, dass wir zwei bis vier Arbeitswochen pro Jahr mit nicht funktionierender Technik kämpfen, lässt mich erschauern.

Aber ja, es ist so: Die Kluft zwischen digitalem Paradies und Arbeitsrealität ist einfach ziemlich groß. Kein Wunder, dass so manchem von uns immer wieder die Hutschnur hochgeht.

Das Dumme ist nur: Unsere Wut und Ungeduld helfen niemandem. Ganz im Gegenteil. Sie schaden uns. Wenn die Wut regiert, schauen wir nicht mehr genau hin und steigern uns schnell in unseren Ärger hinein, anstatt in Ruhe nach der einfachsten Lösung für unser Problem zu suchen. Je heißer unser Blut hochkocht, desto größer ist die Gefahr, dass wir uns und anderen richtig viel schlechte Stimmung machen. Dann hat man nicht nur technische Probleme, sondern auch noch miese Laune.

Ich versuche mir deshalb anzugewöhnen, die streikende Technik als Steilvorlage zu nutzen. Wenn mein Computer hängt, mache ich mir in Ruhe einen Tee. Die 10 Minuten hin oder her machen schlussendlich eben doch keinen großen Unterschied. Wenn ich mich ärgere, können sie mir hingegen den ganzen Tag verderben. Wenn der Drucker nicht druckt, gehe ich spazieren zum nächsten Copy Shop. Das verschafft mir Bewegung, die tut immer gut.

Zugegeben: Das ist manchmal ganz schön schwer. Aber was hilft’s!? Wenn Druck und Stress schon hoch sind, brauche ich sie nicht noch weiter in die Höhe zu schrauben. Da ist es besser, im Inneren die Beine baumeln zu lassen und zu sagen: Technik hin oder her. Mein Leben ist wundervoll.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.