Leadership 4.0

Mitarbeiterführung 4.0: Welchen Führungsstil fordert die digitale Arbeitswelt?

Welche Rolle der Mensch im HR-Manager spielt...

In Managerkreisen wird sie diskutiert, mystifiziert, prognostiziert und heraufbeschworen, die Mitarbeiterführung 4.0. Ein angesagtes Buzzword, das meist in Begleitung seiner Familienmitglieder Internet der Dinge, New Work, Künstliche Intelligenz und Big Data auftritt. Doch was hat es mit der Mitarbeiterführung 4.0 eigentlich auf sich und gibt es tatsächlich Grund, dass Manager weiche Knie bekommen, wenn sie an die Führungsanforderungen der Zukunft denken?

Was verändert die 4.0 in der Arbeitswelt?

Digital, vernetzt, flexibel: Die Digitalisierung hat unsere Art zu arbeiten in die Dimension 4.0 katapultiert und verändert damit nach und nach die Arbeitsbedingungen für alle. In nur einem Jahr steigerte sich der Digitalisierungsgrad der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland um 6 Punkte auf 55 von 100 möglichen Indexpunkten in 2016 und liegt damit auf Platz 6 weltweit (Quelle: Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL 2016, BMWI). Die wachsende Automatisierung der Produktion, die Verschmelzung von Internet und Maschinen, die digitale Vernetzung und Kommunikation sind nur einige Ausprägungen, die unseren Arbeitsalltag neu definieren.

Die Folge: Mitarbeiter sind nicht mehr zwingend an einen festen Arbeitsplatz gebunden. Entsprechend fällt auch die Bastion der festen Arbeitszeit. Die Matrixorganisation, die Arbeit in Projektteams, all das erschwert Führung in der Zukunft. Darüber hinaus wächst der Anteil des virtuellen Arbeitens, auch in der Kommunikation untereinander. Chats, Videokonferenzen, Social-Intranets verbinden Menschen weit über die Grenzen des Büros hinaus. Kommunikation und ihre Möglichkeiten werden neu definiert.

Hinzu kommt, dass die Grenzen zwischen Partnern, Mitarbeitern und Kunden verschwimmen, Wertschöpfungsketten zusammenwachsen. Fachkräfte steigern ihre Spezialisierung und flexibilisieren sich. „Hiring on demand“ wird alltäglicher Bestandteil des Recruitings. Feste Abteilungsstrukturen wandeln sich zu temporären Projektteams und die hierarchische Struktur weicht mehr und mehr der wechselnden Projektverantwortung. Die Bindung an das Unternehmen wird lockerer, der Wunsch nach Abwechslung vordringlicher. Führungskräfte müssen mitwachsen und den Wandel von der Präsenz- zur Ergebniskultur mitziehen. Doch was genau bedeutet das für die Mitarbeiterführung 4.0?

Neues Denken, neues Handeln: die Mitarbeiterführung 4.0 fordert den Menschen im Manager

Es gibt sie bereits – die Unternehmen ohne hierarchische Strukturen. Viel zitierte Beispiele wie die Volksbank Heilbronn oder der US-amerikanische Online-Schuhhändler Zappos gehen vor, tauschen Vorgesetzte gegen Prozessverantwortliche, die direkt vom Vorstand mit operativen Aufgaben betraut werden. Als Prozessverantwortlicher kann sich jeder bewerben, streng strukturierte Prozesse regeln die Arbeit. Disziplinarische Angelegenheiten werden im Team entschieden, in der jede Stimme Gehör finden kann. Klassische Manager und Führungskräfte braucht man hier nicht mehr – außer für den Vorstandsposten. Doch der Weg dahin ist weit und eventuell bleibt er für viele Unternehmen Utopie.

Fakt ist jedoch, dass der digitale Wandel neue Strukturen schafft und eine neue Art der Führung erfordert. Die Chefs von gestern, die gerne ihren Status und ihre Pfründe sichern, ihr Wissen einmauern und aus großen Eckbüros nach Gutsherrenart regieren, sterben aus. In Zeiten der digitalen Transformation braucht es Chefs, die in der Lage sind, sie zu denken und ihre Teams durch den Wandel zu führen – auf Augenhöhe, offen, kooperativ und mutig. Christiane Brandes-Visbeck bezeichnet diese Führungsqualitäten in ihrem Artikel als „Digital Leadership“. Ein Führungsstil, der Unternehmen und unsere Gesellschaft sicher in die neue Zeit transportieren soll. Er geht weit über die Managementfunktion eines Chief Digital Officers (CDO) hinaus. Neben der Frage, wie man die Arbeit 4.0 in standardisierten automatisierten Prozessabläufen organisiert und kollaborative digitale Echtzeit-Kommunikationsmöglichkeiten etabliert, geht es vor allem darum, die Menschen zu motivieren, diese Entwicklung mit zu tragen, heraus aus der statischen Verlässlichkeit der hierarchischen Leitlinien, hinein in ein flexibel selbstorganisiertes System.

Mitarbeiterführung 4.0 erfordert keinen ersten Schritt sondern einen mutigen Sprung

Halten wir fest: die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt nicht nur durch neue Technologien, sondern fordert auch eine andere Art Führung. Machen Sie Platz für Neues, verharren Sie nicht in alten Führungstechniken und -strukturen. Dies fordert vor allem Ihre (gut-)menschliche Vorbildfunktion, die auch häufig unter „Soziale Kompetenz“ zusammengefasst wird. Seien Sie mutig und machen Sie Mut. Spielen Sie im Team, seien Sie transparent und geben Sie Ihren Mitarbeitern Sicherheit durch Verbindlichkeit. Zeigen Sie Haltung, stehen Sie zu dem, was Sie sagen und gestehen Sie Fehler ein, wenn Sie sich irren. Und bei allem was Sie tun: seien Sie offen für Neues und setzen Sie es um. So können Sie die Mitarbeiterführung 4.0 mitgestalten und mit Ihren Ideen zu einem neuen Führungsstandard für die Zukunft beitragen.

 

Autor: Daniela Süßenbach

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.