Gendermanagement: Elternzeit

Mitarbeiter in Elternzeit: Warum der Kinderwunsch kein Jobkiller sein darf

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Gleichstellung im Job – finden alle klasse. Die Förderung junger Frauen – auch. Aber seien Sie mal ehrlich: stehen Sie als Führungskraft auch dazu, wenn es hart auf hart kommt?

Neulich habe ich mich am Rande einer Veranstaltung mit einer jungen Frau unterhalten. Sie war 32. „Ich suche seit Monaten nach einem Job“, erzählte sie mir. „Ich gehe von Gespräch zu Gespräch. Überall scheint es zu passen, aber dann kommt die Absage.“ Eines Tages sagte meine Gesprächspartnerin, habe sie bei einer potenziellen Chefin angerufen und einfach nachgefragt. Die Dame bat sie dann, das Gespräch nicht am Telefon zu führen – sondern sich privat im Café zu treffen.

„Im Cafè? Was war denn so geheim?“, fragte ich. Dann erzählte mir die Nachwuchskraft Folgendes: Die potenzielle Chefin habe den Termin zur Beichte genutzt. „Sie sagte mir: Ich fand Sie super. Aber Frauen in Ihrem Alter haben es bei uns einfach schwer. Wir haben sofort den Verdacht, dass kurz nach der Anstellung die Schwangerschafts-Beichte kommt. Dann geht die Sucherei von vorne los.“

Mitarbeiterinnen mit Kinderwunsch – Frauen um die 30: gezielt ausgesiebt

Ich kann Ihnen sagen – ich habe nicht schlecht gestaunt. Eine weibliche Führungskraft, die sogar noch zugibt, Nachwuchstalente gezielt so auszuwählen, dass am Schluss bloß niemand mit Kinderwunsch dabei ist?!

Nach dieser Schock-Geschichte habe ich mich umgehört und festgestellt: dieses Verhalten gibt es häufiger, als ich dachte. Frauen um die 30, die (noch) kinderlos sind, werden bei der Personalauswahl offenbar von manchen Führungskräften gezielt ausgesiebt. Das gibt natürlich keiner zu, weil es gegen bestehende Gesetze wäre. Aber am Schluss ist es wohl ein heimliches Auswahlkriterium, ob Kinder anstehen könnten oder nicht.

Ich habe mich dann mal mit weiblichen Führungskräften in Verbindung gesetzt und nachgebohrt. „Machen Sie das bei Männern um die 30 auch? Die können doch auch in Elternzeit gehen!“ Darauf hat keiner mit Ja geantwortet. Ich habe aber sehr wohl gestanden bekommen, dass viele meiner Gesprächspartner/innen ein schlechtes Gewissen haben. Aber Arbeitsdruck und der Wunsch, dauerhaft ein gutes Team beisammen zu haben, geben dann doch manchmal den Ausschlag in die falsche Richtung.

Wer langfristig denkt, gewinnt die Besten

Es gibt zum Glück auch Gegenbeispiele. Eine Kundin sagte mir, sie mache es genau andersrum. „Für mich ist das selbstverständlich“, sagte sie mir. „Ich will die besten Leute. Wenn die Kinder bekommen, ist es so. Oft sind meine Mitarbeiterinnen dann sogar doppelt loyal. Die wissen, dass ich zu ihnen stehe und ihnen den Rücken freihalte. Und wissen Sie was? Das tun die dann auch mit mir.“

Das ist doch mal eine super Strategie, finden Sie nicht? Wer gibt, bekommt zurück – wenn Sie langfristig ein super qualifiziertes, loyales Team um sich herum haben möchten, machen Diskriminierungsstrategien wenig Sinn. Wenn junge Frauen ein Umfeld haben, in dem Kind und Karriere gut unter einen Hut gehen, macht das nämlich was mit denen:. Sie entwickeln Loyalität, Motivation und bleiben langfristig dabei. Wo vor und nach Geburt Fehlzeiten stehen, stehen in den Jahrzehnten danach oft hervorragende Arbeitsleistung und Loyalität. Wer will darauf schon freiwillig verzichten?!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.