Mitarbeiter machen sich über Voodoo-Puppe lustig

Manipulation durch Nudging? Warum Alltagsstupser beeinflussen dürfen

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Nudging oder ManipulationIn meiner letzten Kolumne habe ich über Nudging am Arbeitsplatz geschrieben. Genau, diese kleinen Stupser im Alltag. Sie sollen helfen, richtige Entscheidungen zu treffen – immer dann, wenn es zu kompliziert wird, oder wenn uns der innere Schweinehund zu einer Wahl rät, die langfristig schlecht für uns ist. Nudges machen zum Beispiel mittags in der Kantine Sinn, wenn Schweinebraten und Salat zur Wahl stehen. Der Bauch sagt „Fleisch“, der Kopf sagt „Salat“ – in einer solchen Situation kann ein kleiner Stupser helfen, die gesunde Wahl zu treffen. Und sei es nur ein subventionierter Preis für das gute Grünzeug.

Einige Leser haben mir geschrieben und mich gefragt: „Aber ist das nicht total manipulativ!?“ Mit dieser Frage stehe sie natürlich nicht alleine. Viele Kommentatoren beschreiben Nudging als Teufelszeug, das uns zu Marionetten macht, ohne dass wir es merken (hier finden Sie beispielsweise einen Beitrag des Deutschlandradio Wissen zum Thema).

Ich halte die Kritik an Nudging für überzogen. Der Ansatz hat viele gute Potenziale – und steht und fällt, wie fast alles im Leben, mit der Absicht des Anwenders. Natürlich kann Nudging leicht missbraucht werden. Ein Beispiel wäre ein Arbeitgeber, der mir eine E-Mail zuschickt, die darauf aufmerksam machen, dass die meisten Kollegen immer sehr lange im Büro bleiben („78% bleiben bis 20 Uhr im Büro“). Vielleicht würde ich nach dieser „stupsenden“ Information darüber nachdenken, auch länger zu bleiben… und so zum Opfer eines Nudge werden, der mir zum Nachteil gereicht.

Aber letztlich legt Nudging als Ansatz nur offen, welche Einflussmöglichkeiten (also Manipulationsmöglichkeiten) im Alltag bestehen. Wir sind beeinflussbar – und unser Umfeld nimmt immer Einfluss auf unser Verhalten. Ob wir wollen oder nicht. Das Design unseres Büros beeinflusst unser Arbeitsverhalten. Die Auslage in der Kantine beeinflusst unsere Essenswahl. Und die Art, wie das Firmen-Intranet gestaltet ist, hat Auswirkung auf unser Nutzerverhalten. Wir können uns diesen Faktoren gar nicht entziehen.

Die Frage ist nur, ob unsere Umwelt uns bewusst oder unbewusst manipuliert. Wussten unsere Chefs, dass es einen Einfluss auf unsere Kreativität hat, wenn in jedem Büro Whiteboards hängen? Hat der Text des letzten Unternehmens-Newsletter bewusst Worte genutzt, die unsere Arbeitszufriedenheit verbessern? Und ist das Speiseangebot der Kantine bewusst bestückt, oder geschieht das nach Lust und Laune der Angestellten?

Egal wie: Einfluss nehmen diese Dinge auf uns in jedem Fall. Ich finde, dass bewusst gesetzte Nudges häufig die bessere Wahl sind als willkürlich oder nebenbei gestaltete Alltagsumwelten. Deshalb: keine Angst vor Stupsern!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.