Mitarbeiter streckt Hand mit Boxhandschuh in die Luft und hat Krawatte um die Stirn

Kompetent oder nur selbstbewusst? Sind Männer die besseren Führungskräfte?

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Sind Männer kompetentere Führungskräfte als Frauen? Sicherlich nicht! Und trotzdem besetzen sie überdurchschnittlich viele Sessel gerade in den obersten Führungsetagen. Offensichtlich befördern Führungskräfte nach wie vor öfters Männer als Frauen – und beschleunigen so ihren Aufstieg auf der Karriereleiter.

Was läuft falsch? Im Netz kursiert seit drei Jahren ein Artikel des Wirtschaftspsychologen Tomas Chamorro-Premuzic. Er weist darauf hin, dass Männer nicht kompetenter sind als Frauen. Aber sie halten sich für kompetenter. Das führt dazu, dass viele Alphatiere entschlossen und hartnäckig am eigenen Aufstieg arbeiten – in einem System, das klassische „männliche Verhaltensweisen“ ohnehin belohnt. Das Ergebnis: derjenige, der am lautesten auf sich aufmerksam macht, hat bessere Chancen auf die Beförderung als die Kolleginnen und Kollegen, die auf bescheidene und ruhigere Art mit Kompetenz glänzen.

Darüber sollten jeder Chef und jede Chefin nachdenken. Sind Sie im Umgang mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leicht beeindruckt durch ausgeprägtes Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit im Auftreten? Dann fallen Sie vielleicht auf diejenigen herein, die sich für sehr fähig halten, aber in Wahrheit nicht das Zeug zur Spitzenkraft haben!

Wer hier die falschen fördert, schadet schnell dem gesamten Unternehmen. Viele Männer legen ein Verhalten an den Tag, das sie bis an die Spitze bringt. Aber wenn sie dort angekommen sind, stellen sie fest: ich kann hier gar nicht überleben! Denn in den höchsten Etagen performen diejenigen am besten, die bescheiden, beratungsoffen und dialogorientiert sind. All das ist bei den klassischen Alphatieren nicht der Fall, die eher auf Vielreden, Überzeugen und Kämpfen setzen.

Und trotzdem sind es meist die männlichen Aufschneider, die sich gegen kompetente, introvertiertere Persönlichkeiten durchsetzen. Was also tun? Als Führungskraft sitzen Sie an einer entscheidenden Weiche: befördern Sie Kompetenz oder Auftreten? Prüfen Sie sich mal selbstkritisch mit ein paar Fragen:

  • Lassen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichberechtigt zu Wort kommen – oder geben selbstbewusste Vielredner in Meetings den Ton an?
  • Setzt sich unter Ihrer Führung die beste Idee durch? Oder gewinnt derjenige, der mit den härtesten Bandagen kämpft?
  • Sind Sie beeindruckt durch entschlossenes, schneidiges Auftreten? Oder haben auch die leiseren Kolleginnen und Kollegen eine Chance, Ihre gleichwertige Aufmerksamkeit zu bekommen?

Wer Kompetenz fördern will, muss auf der Hut sein vor Aufschneidern. Das erfordert manchmal den Mut, auch diejenigen ins Rampenlicht zu stellen, die sich nicht hineindrängeln. Der Vorteil: Sie fördern nicht nur die Frauen und Männer, die den Alphatieren nachäffen. Sondern Sie entwickeln Rollenvorbilder, die zeigen, dass man auch anders erfolgreich sein kann. Nämlich zurückgenommen, ergebnisorientiert und kollegial.

Trauen Sie sich also, besonders selbstbewusste Mitarbeiter kritisch zu prüfen. Ihr Unternehmen wird davon profitieren!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.