Warum Karriere-Frauen mehr leisten müssen

Kompetent, fleißig, liebenswert? Warum Karriere-Frauen mehr leisten müssen als Männer

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Kompetenz und Selbstvertrauen: das sind die wichtigsten zwei Pfeiler, auf denen beruflicher Erfolg fußt. Wenn unser professionelles Umfeld uns diese beiden Attribute zuspricht, steht dem nächsten beruflichen Schritt wenig im Weg.

Zögern Sie? Zu Recht! So einfach ist die Sache nämlich nicht. Zumindest für uns Frauen. Wie eine neue Studie der European School of Management and Technology zeigt, brauchen wir noch etwas Anderes, um für voll genommen zu werden. Offenbar müssen unsere Kolleginnen und Kollegen uns auch für warmherzig und sympathisch halten – ansonsten wird weiblichen Professionals kein ausreichendes Selbstvertrauen zugesprochen. Das aber ist unabdingbar, um den nächsten Schritt auf der Karrieretreppe zu gehen.

In anderen Worten: als Mann ist es möglich, als Unsympath durch den Alltag zu gehen – so lange man kompetent rüberkommt. Kompetenz und ein Mangel an Liebenswürdigkeit sind als Kombination ausreichend, um das Selbstbewusstsein zu transportieren, das es für den beruflichen Aufstieg braucht.

Nicht so bei Frauen im Job. Wir können noch so kompetent sein: wenn wir kratzbürstig oder verbissen rüberkommen, strahlen wir nicht das notwendige Selbstbewusstsein aus.

Es ist schon vertrackt. Die Forschung zeigt ohnehin bereits, dass wir häufig deutlich mehr leisten müssen als unsere männlichen Kollegen, wenn wir im selben Tempo vorankommen wollen wie sie. Und nun stellt sich also auch noch raus, dass wir zudem lieb und freundlich rüberkommen sollen… das klingt ja fast ein wenig nach der eierlegenden Wollmilchsau. Wer ist schon immer kompetent, fleißig und dazu noch liebenswert!?

Deshalb ist es wichtig, zwei Folgerungen aus der Studie zu ziehen, um weibliche Führungskräfte nicht weiter zu benachteiligen:

  1. Es bringt weiblichen High Potentials wenig, männliche Verhaltensweisen einfach zu kopieren. Schließlich zeichnen sich viele Alphatiere im Job durch Aggressivität und einen Mangel an Rücksichtnahme aus. Diese schlechten Eigenschaften zu doppeln, mag im ersten Schritt sinnvoll wirken – schließlich heißt es im Gefecht des Alltags nicht selten „Auge um Auge, Zahn um Zahn“! Und doch lohnt es für Karriere-Frauen, andere, konziliantere Stile zu pflegen. Nicht nur, weil das für die weibliche Karriere besser ist als männlicher Alpha-Stil. Sondern auch, weil es jeder Unternehmenskultur gut tut, wenn bessere Umgangsformen Einzug halten…
  2. Ich glaube zudem nicht, dass Frauen alle Bringschuld tragen sollten. Viel wichtiger ist, dass Unternehmen klare Kompetenzen aus der ungleichen Bewertung von Männern und Frauen ziehen. Kompetenz, Sympathieträgerin, dazu nach Möglichkeit noch bienenfleißig… da bricht ja jeder Mensch irgendwann zusammen. Arbeitgeber müssen also darauf achten, Frauen und Männer nach der tatsächlich erbrachten Leistung zu bewerten und zu befördern. Der Vergleich der vorzeigbaren Arbeitsergebnisse ist eine bessere Grundlage, um Führungskompetenz zu bewerten als unsere subjektive Einschätzung. Die ist offensichtlich nicht gender-neutral, wie die Studie zeigt!
Bild: shutterstock / Sergey Nivens

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.