Mitarbeiterin vor grünem Hintergrund freut sich und hebt Zeigefinger

Körpersprache: Ich kann auch anders!

Wie Frauen Körpersprache im Beruf für sich nutzen (können)

Frau nutzt KörperspracheIn meiner letzten Kolumne haben Sie einige Beispiele für Kommunikations-Missverständnisse gelesen, die (nicht nur) am Arbeitsplatz zwischen Frauen und Männern aufkommen. Aber Unterschiede in der Interaktion gibt es nicht nur mit Blick auf das gesprochene Wort. Mindestens ebenso wichtig ist die Körpersprache. Hier gibt es typische „männliche“ und „weibliche“ Verhaltensweisen – und die männliche Körpersprache hilft auch Frauen im Job mehr Respekt zu gewinnen.

Im Geschäftsleben geht es bekanntlich vor allem darum, Respekt zu bekommen. Respekt von den Kollegen, Mitarbeitern, von den Geschäftspartnern oder vom Vorgesetzten. Wer nicht respektiert wird, ist in den Augen Anderer selten zu Höherem berufen.

Körpersprache ist DER entscheidende Schlüssel, um Respekt im Alltag einzufordern und sich somit den Raum zu nehmen, den Sie verdienen. Leider gelingt das vielen Frauen wenig oder gar nicht. Sie wurden schon im Kindesalter dazu erzogen, eine eher defensive Körpersprache zu pflegen. So sollen Mädchen nach Möglichkeit viel lächeln, nicht mit breiten Beinen da sitzen, nicht zu laut reden, eher Streit schlichten als beginnen, nicht zu dominant sein, immer höflich und nett sein, sich nicht dreckig machen, nicht so fordernd sein… kommt Ihnen das bekannt vor? Umso schwieriger ist es dann im Job, seine Frau zu stehen gegenüber den männlichen Alphatieren.

Respekt am Arbeitsplatz

Männliche Kollegen oder Mitarbeiter erwerben den Respekt Ihres Gegenübers häufig durch ganz andere Manieren. Sie reden viel und bestimmt, ihre Gesten nehmen viel Raum ein. Das Gesicht ist unbewegt, die Beine im Sitzen wie im Stehen eher breit. Einer Auseinandersetzung gehen sie nicht aus dem Weg. Und gelächelt und genickt wird nur selten. So gelingt es den Kollegen ganz ohne Worte, sich ein hohes Maß an Respekt zu verschaffen.

Den Unterschied zwischen „männlicher“ und „weiblicher“ Körpersprache können wir in zwei Worte fassen: Hoch- und Tiefstatus. Der Tiefstatus signalisiert Unterlegenheit, bringt aber eine Menge Sympathiepunkte. Der Hochstatus bringt eine Menge Respekt, aber kostet Sympathie beim Gegenüber. Und, Sie ahnen es schon: Während der Hochstatus ganz stark durch männliches Verhalten geprägt ist, umfasst der Tiefstatus viele weibliche Kommunikationsweisen.

Und nun? Was tun? Ab jetzt als Frau immer breitbeinig dasitzen, nicht mehr lächeln und bloß nicht mehr nicken? Natürlich nicht. Aber sie sollten sich bewusst machen, wann welcher Status angemessen ist. In einer Verhandlungssituation beispielsweise ist es für Frauen in der Regel eine gute Sache, sich mal ein wenig „männlicher“ zu verhalten. Also: langsamer und tiefer sprechen, kurze Sätze formulieren und am Satzende mit der Stimme runter gehen. Wenig lächeln, dosiert nicken. Sich nicht klein machen auf dem Stuhl, sondern einfach mal die beiden Armlehnen nutzen und beide Füße gerade und ein wenig auseinander positioniert auf den Boden. Kurz um: Raum und Zeit für sich einnehmen – das erhöht den Status.

Es macht einen großen Unterschied, ob man im Hoch- oder Tiefstatus kommuniziert. Es ist deutlich leichter, im Hochstatus Dinge durchzusetzen. Frauen haben Männern gegenüber den großen Vorteil, dass es ihnen durch die „einprogrammierte“ Kommunikationsweise leichter fällt, Beziehungen aufzubauen, Verbindlichkeit und Harmonie herzustellen. Das hat enorme Vorteile für die Arbeit in Teams und natürlich auch für das Führen von Mitarbeitern – aber eben nur, so lange allen klar ist: Die kann auch anders!

Und hier noch eine Übersicht über die wichtigsten Merkmale im Hoch- und Tiefstatus:

Hochstatus:

  • Viel Raum einnehmen (z.B. durch große Gesten)
  • Mit beiden Beinen fest am Boden stehen und die Position halten
  • Wenig Bewegung, wenn dann langsam und ruhig
  • Ruhig, tief und gleichmäßig atmen
  • Den Kopf gerade und still halten
  • Kinn etwas höher
  • Blickkontakt halten und wenig blinzeln
  • Gerade, aufrechte Haltung
  • Fußspitzen gerade nach vorn oder etwas nach außen
  • Sprache langsam und deutlich
  • Stimme tief, geht am Satzende runter
  • Sich für seine Antwort Zeit lassen
  • Den anderen an Schulter, Arm etc. berühren
  • Breites Grinsen

Tiefstatus

  • Wenig Raum einnehmen (Arme am Körper)
  • Anderen immer ausweichen
  • Hektische, kleine Bewegungen
  • Körpergewicht nur auf einem Bein, häufiger Wechsel des Standbeins
  • Eher schnelle und flache Atmung
  • Den Kopf zur Seite neigen, viel nicken
  • Berührungen im Gesicht
  • Kinn runter
  • Gebeugte Haltung, Schulten hängen nach vorn
  • Sich kleiner machen
  • Blicken ausweichen, nach unten und zur Seite wegschauen, viel blinzeln
  • Fußspitzen leicht nach innen
  • An Fingern, auf Lippen kauen, an sich „rumzupfen“
  • Leise, schnell und undeutlich sprechen
  • Beim Sprechen kurze Füllwörter wie „äh“, „nicht wahr?“, „oder?“ benutzen
  • Schnell antworten
  • Stimme hoch, geht am Satzende noch höher (Fragezeichen-Betonung)
  • Häufiges Lächeln und Kichern

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.