Mitarbeiterin brüllt in ein Megafon

Klare Worte gegen Chauvinismus – Was weibliche Vorgesetzte gegen illoyale Mitarbeiter tun können

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Immer wieder höre und lese ich von Fällen, in denen weibliche Führungskräfte auf unmögliche Weise behandelt werden – einzig und allein, weil sie eine Frau sind. Ein weibliches Vorstandsmitglied erzählte mir, wie Mitglieder des mittleren Managements sie mit anzüglichen Sprüchen belästigten. Managerinnen erleben, wie männliche Untergebene ihnen in Meetings zwar höflich zuhören – aber ernsthaft nur auf die Argumente männlicher Kollegen eingehen. Wieder andere Frauen erleben, wie männliche Mitarbeiter sich einfach gegen die Umsetzung klarer Direktiven sperren, weil sie meinen, sich das ob ihrer männlichen Kompetenz herausnehmen zu können.

Das stellt jede Chefin vor die Frage: Was tun? Schließlich sind sie auf die Kooperation mit ihren männlichen Mitarbeitern angewiesen. Meist schwanken Frauen in solchen Situationen zwischen zwei Polen: männlicher Aggressivität und mädchenhaftem Charme. Beide haben Vor- und Nachteile. Das Kopieren männlicher Verhaltensweisen kann das Gegenüber in die Schranken weisen. Unbewegte Mimik, direktive Sprache, autoritative Anweisungen – bei manchen funktioniert das. Der Nachteil ist, dass viele Männer mit Gegenaggression reagieren, wenn sie so behandelt werden. Gerade wenn Frauen das tun. Die soziale Konvention ist schließlich eine andere.

Der zweite Weg, das Führen mit mädchenhaftem Charme, ist ebenfalls ambivalent. Bei manchen Männern kommt frau vielleicht weiter mit breitem Lächeln, hoher Stimme und schlau eingesetzten Unterlegenheitsgesten. Aber eine Langzeitlösung ist das natürlich nicht. Weibliche Führungskräfte riskieren ihren gesamten Status als Vorgesetzte, wenn sie sich auf eine rein bittende Haltung zurückziehen.

Es gibt leider keine bequeme Patentlösung, wenn männlicher Chauvinismus eine professionelle Beziehung zum Mitarbeiter verunmöglicht. Mir scheint aber, dass in solcher Situation vor allem Rollenklarheit und schnelle Handlungsbereitschaft nötig sind. Wenn männliche Mitarbeiter sich unangemessen verhalten oder sich der Führung ganz verweigern, braucht es vor allem eins: sofortige, klare, ruhige Worte.

Damit meine ich vor allem: unangemessene Situationen dürfen nie unangesprochen vorübergehen. Jede Chefin, die etwas auf ihren Status hält, muss hier in Aktion treten. Entweder direkt in der Situation oder unter vier Augen unmittelbar danach. Dabei sind klare Ansagen gefragt. Zum Beispiel: „Ich habe ihr Verhalten gerade als Verweigerungshaltung erlebt. Wenn Sie anderer Meinung sind als ich, können Sie Ihre Argumente gerne vorbringen. Ich habe aber das letzte Entscheidungsrecht. Sie haben hier nur dann Platz, wenn Sie das akzeptieren.“

Auch chauvinistische Sprüche sind kein Kavaliersdelikt. Hier sind klare Stopp-Zeichen nötig: „Der Spruch, den Sie gerade gebracht haben, war der Situation unangemessen. Ich deute ihn als Zeichen mangelnden Respekts. Wir kommunizieren in einem professionellen Verhältnis. Sie haben die Hierarchie zu beachten. Ich stelle Sie ab jetzt unter verschärfte Beobachtung. Wenn sich so eine Situation wiederholt, werden Sie das sofort disziplinarisch zu spüren bekommen.“

Das klingt unbequem – und ist es auch. Niemand steckt gerne in solchen Gesprächen. Trotzdem müssen Sie als weibliche Führungskraft bereit dazu sein. Nur wenn die Grenzen klar sind, kann man offen und vertrauensvoll miteinander arbeiten. Nur wenn Ihr Status akzeptiert wird, können Sie sich auf Ihre Aufgaben konzentrieren.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.