Frau im Blazer bügelt Hemden und hört über Handy mit Kopfhörern Musik

Karrierefrauen und die Hausarbeit: Wie berufliche Gleichstellung sich (nicht) in Zahlen abbildet

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Wie ist das eigentlich, wenn Frauen im Beruf erfolgreich sind? Nehmen sie sich dann weniger Zeit für Haushalt und Familie? Wäre doch eigentlich logisch, oder? Wer viel arbeitet, hat schließlich weniger Zeit für kochen, putzen und einkaufen. Das geben auch die Statistiken über Deutschlands Berufstätige insgesamt her. So bringt beruflicher Erfolg in der Regel schrumpfende Zeitbudgets für Haushaltsarbeit mit sich.

Allerdings: Nicht bei Frauen. Ja, Sie hören richtig. Wenn Frauen mehr verdienen als ihre Männer, engagieren sie sich sogar besonders stark im Haushalt. Das ergeben wissenschaftliche Auswertungen statistischer Daten des sozio-ökonomischen Panels (wie diese des Rheinland-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung).

Eine erstaunliche Erkenntnis. Kompensieren diese Frauen ihren Erfolg, indem sie sich zuhause besonders rollenkonform verhalten? Das wirft Fragen auf: darüber, wie gut Männer in Partnerschaften berufliche Power-Frauen ertragen. Und wie stark sich Frauen eigentlich ihrer Hausfrauen-Rolle verpflichtet fühlen.

Dieses Ergebnis ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Berufstätige Frauen wenden nach wie vor deutlich mehr Zeit für Haushalt und Familie auf als berufstätige Männer, fast doppelt so viel. Das mag erst mal selbstverständlich wirken. Der internationale Vergleich zeigt aber: in anderen Ländern geht das anders. Erhebungen der OECD machen klar, dass Männer und Frauen in Muster-Gleichstellungsländern wie Schweden etwa gleichviel Zeit für Haushaltsarbeit aufwenden (jeweils um die eineinhalb Stunden pro Tag).

In Deutschland entsteht hingegen eine Kluft: immer mehr Frauen sind berufstätig. Zeitgleich schultern sie weiterhin den Löwenteil der Haushaltsarbeit. In anderen Worten: Frauen übernehmen eine Doppelbelastung. Das wirkt sich dann natürlich auch auf die Karriere aus. Wer einen Haushalt zu schmeißen hat, geht schneller in Teilzeit oder schlicht früher nach Hause. Beides leider keine Booster für den schnellen Aufstieg auf der Karriereleiter…

Zum Verzweifeln, oder? Naja, nicht wirklich. Denn die gute Botschaft lautet: die Dinge verändern sich. Im Jahr 2002 haben Männer laut Statistischem Bundesamt noch ca. 151 Minuten für Familie und Haushalt aufgewendet. 2014 waren es schon 174 Minuten. Keine weltbewegende Veränderung, aber auf die Woche oder den Monat gerechnet eben doch spürbar mehr Engagement.

Das zeigt: Kulturwandel funktioniert. Klar, er ist mühsam, ob im Job oder zuhause. Wir brauchen oftmals mehr Geduld, als uns lieb ist. Aber die Dinge bewegen sich in die richtige Richtung. Nicht nur weil die Männer sich verändern. Sondern auch weil die Frauen ihre berufliche Rolle selbstverständlicher annehmen als früher.

Mit Blick auf die Rollenaufteilung zu Hause ist auch das in Zahlen abmessbar. So wenden Frauen heute etwa eine halbe Stunde weniger Zeit für den Haushalt auf als noch vor 20 Jahren. Bei Männern steht für die Arbeit zuhause ein Plus von um die zehn Minuten. Anders gesagt: Frauen machen weniger im Haushalt, Männer etwas mehr – und in der Summe passiert einfach ein bisschen weniger Hausarbeit als 1995. Schlimm? Nicht wirklich. Wen interessieren ein paar Staubflusen, wenn beide Partner sich beruflich ausleben können!?

Also, liebe Karriere-Frauen: bleiben Sie dran. Die Zeit im Büro ist oftmals wichtiger als der saubere Herd.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.