Händen angemalt mit Großbritannien-Flagge vor EU-Sternen im Hintergrund

Intelligenz der Masse? Was Führungskräfte vom Brexit lernen können

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Sie haben entschieden, die Briten: raus aus der EU! Das Ergebnis war knapp. Aber wie es in Demokratien eben ist: wenn etwas zur Abstimmung steht, entscheidet die wählende Mehrheit. Das Ergebnis zählt dann. Hier vertraut die direkte Demokratie auf die Intelligenz der Masse.

Aber wie intelligent war die Masse im Fall der Brexit-Abstimmung? Fast 30% sind gar nicht wählen gegangen. Um die 16 Millionen Menschen haben sich gegen den Brexit ausgesprochen. 17 Millionen hingegen waren der kollektiven Überzeugung: klasse Sache! Sie haben für den nationalen Alleingang gestimmt – und, nach Meinung vieler, ihrem Land zumindest kurzfristig massiven Schaden zugefügt.

Der Brexit zeigt: mit der Intelligenz der Masse ist es nicht immer weit her. Menschen entscheiden eben nicht immer rational und weitsichtig. Eher im Gegenteil. Aus der Verhaltensökonomie wissen wir, dass wir häufig zu unserem Nachteil entscheiden. Weil wir Komplexität nicht überblicken, übermäßig stark von unseren Emotionen beeinflusst sind, oder schlicht zu sehr an kurzfristige Vorteile denken. Im Ergebnis stehen dann gerade bei Entscheidungen, die kurzfristig und unter Druck fallen müssen, ziemlich schlechte Konsequenzen.

Der Brexit sollte deshalb auch Führungskräften zu denken geben. Heute binden viele Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer enger in Entscheidungen ein. Sie denken: „Die Intelligenz der Belegschaft wird die richtige Antwort geben!“ Das ist an sich eine gute Sache. Schließlich stehen die Zeichen der Zeit mehr und mehr auf Selbstorganisation und ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Zeitgleich erinnert das britische Votum aber daran: gerade komplexe Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen sind eben nichts, was man einfach wegdelegieren kann. Strategische Grundsatzentscheidungen sind Sache derjenigen, die genau dafür bezahlt werden: der obersten Führungsebene.

Nicht dass Sie mich falsch verstehen, ich bin sehr dafür, dass die Unternehmensspitzen ihre Belegschaft sehr häufig um ihre Meinung zu wichtigen Themen bitten. Schließlich warten hier wichtige Perspektiven und Ideen. Aber die Entscheidung über wichtige Dinge müssen am Schluss diejenigen treffen, die tatsächlich in der Führungsverantwortung stehen. Und zwar in aller Ruhe, weitsichtig, und so rational wie möglich.

Im Falle Großbritanniens heißt das: Regierung und Parlament sind gewählt, um über Grundsatzfragen des Landes zu entscheiden. Die Menschen, die ihrem normalen Lebensalltag nachgehen, haben mehrheitlich weder ausreichend Zeit noch die notwendigen Ressourcen, um hier wirklich informiert zu entscheiden. Das Gleiche gilt für Unternehmen: hier sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre alltägliche Arbeit erledigen können. Die Spitze wird bezahlt, um sich den Fragen zu widmen, die Zeit, Ruhe und viel Expertise brauchen.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.