Figur einer Frau steht auf Stapel 1 Euro Münzen. Figur eines Mannes steht auf größerem Stapel 2 Euro Münzen

Generation Gleichstellung? Warum Gender auch bei den Millenials ein Thema bleibt

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Weniger Lohn für gleiche Arbeit, weniger Vorbilder in Top-Positionen, schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie – die meisten von uns können die Nachteile, den Frauen in der Berufswelt ausgesetzt sind, im Schlaf herunterbeten.

Aber wie schaut es aus, wenn wir nur auf die junge Generation blicken? Schließlich stehen die sogenannten „Millenials“, also zwischen 1980 und 2000 Geborene, ja fest im Arbeitsmarkt und konnten inzwischen ihre eigene Fußspur hinterlassen. Verändert sich die Lage der weiblichen Berufstätigen hier schneller als die der älteren Generationen?

Die gute Botschaft: der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern wird stetig kleiner. Im Gesamtvergleich beträgt er zwar noch skandalöse 23%. Das Vollzeit-Gehalt von Frauen liegt also um ein Viertel unter dem von Männern. Das ist vor allem an der Diskriminierung sogenannter „Frauenberufe“ verschuldet, allen voran soziale Tätigkeiten wie in der Pflege. Der Vergleich spezifischer Positionen, insbesondere im gleichen Unternehmen, ergibt jedoch ein anderes Bild. In der jüngeren Generation schließen die Gehälter von Frauen und Männern zueinander auf und liegen quasi auf gleichem Niveau!

Die schlechte Nachricht: lieber nicht zu früh jubeln! Denn so einfach ist es nicht. Ein Forschungsprojekt in Wien hat in einer Langzeitstudie „virtuelle Zwillingspaare“ untersucht, also den Karriereweg von Frauen und Männern mit gleichen Ausgangsbedingungen auf dem gleichen Posten im gleichen Unternehmen. Das Ergebnis: nach zehn Jahren verdienten die Frauen 18000 Euro weniger als ihre männlichen Gegenparts. Zeitgleich waren ihnen im Schnitt vier MitarbeiterInnen unterstellt, den Männern 15. Mit Blick auf die Generation Y gilt also: abwarten und gucken, ob die Gehaltsniveaus wirklich gleich bleiben oder sich auseinander entwickeln.

Ein ähnlich ambivalentes Bild bietet sich, wenn man auf die Karriereerwartungen von jungen Frauen und Männern blickt. Zwar gelten Frauen heute im Schnitt als qualifizierter für die Stellen, die sie besetzen. Das gilt insbesondere auf Kernkompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit und Organisationsfähigkeit. Und trotzdem sprechen männliche und weibliche Führungskräfte dem männlichen Nachwuchs die besseren Karriereaussichten zu.

Diese Tatsache spiegelt sich in Umfragen. Weibliche Millenials geben zu knapp einem Drittel an, dass ihre Karriere behindert würde – durch eine Unternehmenskultur, die Männer bevorzugt. So werden Glaubenssätze schnell zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung: junge Arbeitnehmerinnen denken, dass ihr Aufstieg gebremst wird. Und weibliche wie männliche Chefs gehen davon aus, dass sich Männer eher nach vorne kämpfen. Das sind ziemlich schlechte Voraussetzungen, um den Gegenbeweis anzutreten!

Alle Zahlen zeigen also: der Unterschied zwischen den Geschlechtern bleibt auch in der Generation Y ein Thema. Immerhin zeigen die meisten Trends in die richtige Richtung. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen am Arbeitsplatz wird eher kleiner. Etwas Anderes bleibt den Arbeitgebern auch kaum übrig. Wer dauerhaft ganz vorne dabei sein will, kommt ohne die hervorragend ausgebildeten Frauen nicht aus!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.