Weiblicher Mund geöffnet in der Form, wie wenn man O ausspricht

Kommunikationsstile: Sprechen Sie weiblich?

Warum der richtige Kommunikationsstil bares Geld bringt...

FrauenmundVon Gender Management profitieren nicht nur Frauen, sondern alle Mitarbeiter im Unternehmen – das habe ich in meiner letzten Kolumne zum Thema gezeigt. Jetzt bleibt nur die Frage: Wie geht das im Alltag?

Nehmen wir das Beispiel Kommunikationstil. In der verbalen wie der nonverbalen Interaktion gilt: hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen führen Gespräche am Arbeitsplatz anders, als Männer es typischerweise tun. Grob gesagt achten Frauen mehr als Männer darauf, ihr Gegenüber emotional einzubinden. Sie lächeln und nicken im direkten Austausch häufig mehr als ihre Kollegen. Auch die Wortwahl unterscheidet sich. Mitarbeiterinnen wählen eher einen indirekten Sprachstil, wenn sie eine Bitte äußern – während Männer eher einen direkten, direktiven Stil pflegen.

Ob solche Unterschiede im Kommunikationsstil nun sozial, kulturell oder biologisch bedingt sind – wichtig ist, dass beide Arten sich zu verständigen ihre Berechtigung haben. Selbstverständlich ist das leider nicht. In vielen Unternehmen ist „männliches“ Kommunikationsverhalten nötig, um respektiert zu werden und aufzusteigen. Sprachliche Knappheit, dazu eine gewisse Dominanz in der Körpersprache, gelten in unserer maskulin geprägten Berufswelt nach wie vor als professioneller als der „weibliche“ Stil des zwischenmenschlichen Austauschs. Das hat schlicht mit der männlichen Prägung unserer Organisationsstrukturen zu tun. Schließlich sind Frauen noch nicht allzu lange gleichberechtigter Teil unserer Arbeitswelt.

Sinnvoll ist dieser Zustand nicht. Sondern schädlich. Auch fürs Geschäft. Denn Frauen nutzen einfach andere Mittel, um genau so zum Ziel zu kommen wie ihre männlichen Kollegen. Beide Kommunikationsstile, männlich wie weiblich, haben ihre Stärken und Schwächen. Wer nur eine Art gelten lässt, beschränkt das Repertoire seiner Mitarbeiter, ohne dass es hierfür irgendeinen guten Grund gäbe. Wer will, dass alle kommunizieren wie Männer, zwingt seine Mitarbeiterinnen in ein kommunikatives Gewand, das schlicht nicht passt.

Zeitgemäße Unternehmen tun deshalb gut daran, weibliche Kommunikationsstile ebenso anzuerkennen wie männliche Verhaltensmuster – und beide nach Möglichkeit auf konstruktive Art zu verbessern. Wer das tut, beendet den „Zwang zur Männlichkeit“, der in vielen Organisationen Alltag für Mitarbeiterinnen ist. Das lohnt. Denn so können Frauen die Vorteile ihres individuellen Kommunikationsverhaltens zum Nutzen des Unternehmens einsetzen. Sie führen sich und andere auf die Art, mit der sie sich wohlfühlen. Das verbessert das Klima und ermöglicht Frauen absehbar eher den Aufstieg, als wenn sie ihre männlichen Kollegen nachahmen müssen. Dieser Effekt ist für Unternehmen bares Geld wert – in Zeiten des Fachkräftemangels kann sich keiner mehr leisten, auf weibliche Potenziale zu verzichten!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.