Zwei Mitarbeiter rennen mit Laptops in der Hand Höhere Auflösung

Gamification – der neue Motivations-Trend für Mitarbeiter

Angestellte virtuell bewerten und belohnen, sinnvoll oder gefährlich?

GamificationEs gibt einen neuen Trend in er Berufswelt: Gamification lautet der neueste Ansatz zur effizienten Mitarbeiterführung. Mit spielerischen Anwendungen (Apps, Online-Games) sollen Führungskräfte ihre Angestellten noch wirksamer rekrutieren, motivieren, fordern, bewerten, belohnen und weiterbilden können. Auf diese scheinbar unbefangene Art und Weise sollen sie zu mehr Produktivität und Freude an der Arbeit geführt werden. Nach einer aktuellen Umfrage des Gartner-Instituts werden im Laufe des Jahres bereits 70 Prozent aller Großunternehmen mit dieser Methodik arbeiten und sich damit an die Entwicklung unserer Gesellschaft zu einer “Computerspiel-Generation” von Digital Natives angepasst haben.

Doch was erst einmal so spaßig klingt, birgt auch viele Tücken für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber.

Teamfördernd, leistungsfördernd, wettbewerbsfördernd… Wie auch immer man motivierende Maßnahmen zur Leistungssteigerung der Mitarbeiter beschreiben möchte, sie sind bei Führungskräften gefragt, wie noch nie. In Zeiten des Fachkräftemangels haben heute in den meisten Unternehmen der „Wirtschaftsfaktor Mitarbeiter“ und deren Motivation höchste Priorität. Denn hat ein Mitarbeiter erst einmal innerlich gekündigt, kostet das das Unternehmen viel Geld. Dem Marktforschungsinstitut Gallup zufolge sind es jährlich im ganzen Land circa 138 Milliarden Euro. Besonders in Firmen, bei denen es um den Vertrieb von bestimmten Produkten geht, ist die Motivation der Angestellten ein großes Thema. Der Abverkauf und damit auch der Umsatz sollen durch den Ansporn der Mitarbeiter zu Höchstleistungen gesteigert werden.

Als Gamification (Spielifizierung) bezeichnet man die Nutzung spielerischer Methoden, um diese Ziele zu erreichen. Teildisziplinen können hier das Vorweisen und Erlangen von Lerneffekten, Token oder Belohnungspunkten, Fortschrittsbalken, guten Platzierungen in Ranglisten oder gar Auszeichnungen zum Mitarbeiter des Monats sein. Durch diese Komponenten soll der Mitarbeiter angespornt und motiviert und  monotonen Arbeitsprozessen entgegen gewirkt werden.

Mittlerweile gibt es in Köln sogar den Gamification-Day und Unternehmen wie Badgeville konnten mit Gamification die Gewinne Ende 2013, mit der Nutzung einer Analyse-Anwendung zum Verhalten ihrer Angestellten, verdoppeln.

Viele Unternehmen nutzen bereits Apps wie Foursquare oder Salesforce Chatter für ihre Mitarbeiter. Letztere ist ähnlich aufgebaut wie das soziale Netzwerk Facebook. Alle Mitarbeiter sind hier miteinander verbunden und können ein eigenes Profil anlegen, miteinander kommunizieren, Gruppen beitreten, Projekte und Erfolge aufzeigen, denen anderer folgen und sie liken. Alle Aktionen können evaluiert und mit denen anderer Nutzer verglichen werden.

Achtung Suchtgefahr
Wenn Angestellte ständig virtuelle Leckerlies vor die Nase gehalten bekommen, kann dies ihre Psyche stark beeinflussen. Einer Harvard-Studie zufolge wirkt sich beispielsweise die Facebook-Nutzung maßgeblich auf den Gefühlshaushalt aus. Das liegt daran, dass jeder „Like“ die Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin auslöst. Dopamin ist in unserem Gehirn für die Belohnung zuständig und wird etwa in gleichem Maß wie beim Sex oder bei dem Verzehr von Schokolade ausgeschüttet. Punkte, virtuelle Geschenke, Gewinne und Ehrungen bewirken das gleiche Gefühl und können den Nutzer sogar süchtig danach werden lassen.

Achtung: Wettbewerb unter Mitarbeitern – zu viel Druck macht krank
Und es ist noch mehr Vorsicht geboten. Diese Art Mitarbeiter zu motivieren birgt weitere Risiken. Denn hier entsteht Leistungsdruck und ganz klar ein höherer Wettbewerb unter den Mitarbeitern, was dem ein oder anderen Angestellten vielleicht zu viel ist und sogar zu Burnout führen könnte.

Das Unternehmen Microsoft setzte für seine Mitarbeiter auf die Anwendung vitality curve zur Erstellung von Ranglisten über die Leistungen und Arbeitsqualität der Angestellten. Über diese Anwendungen wurden die Arbeitnehmer eingeteilt in „top performer“ und in weniger erfolgreiche Mitarbeiter. Das Ergebnis: Zu hoher Druck und kontraproduktiver Wettbewerb unter den Kollegen. Daraufhin beschloss das Unternehmen, das Programm wieder zu annullieren.

Wenn Sie Gamification für Ihre Mitarbeiter nutzen möchte, dann sollten Sie dies mit Bedacht tun. Spielerische Personalführung ist nicht immer kinderleicht, kann sich aber lohnen. Einen Blick in die Glaskugel zeigt die folgende Studie zum Thema „Gamification im Jahre 2020“: pewinternet.org/Reports/2012/Future-of-Gamification.aspx

 

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.