Zwei Mitarbeiterinnen sitzen am Konferenztisch. Eine am Tablet, andere schläft

Frauen ohne Ehrgeiz? Wie Körpersprache falsche Eindrücke bestärken kann

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Im Gespräch mit Führungskräften begegnet mir immer wieder ein Satz: „Meine männlichen Mitarbeiter haben einfach mehr Biss als ihre Kolleginnen.“ Ich habe gelernt, mit dieser Aussage sehr vorsichtig umzugehen.

Neulich hatte ich wieder so eine Situation. Eine Chefin sagte mir: „Ich würde meine Mitarbeiterinnen ja gerne stärker fördern. Aber die haben keinen Ehrgeiz.“ Ich habe sie dann als erstes danach gefragt, auf welche Arbeitsergebnisse sie diesen Eindruck stützt. Und schon kam meine Gesprächspartnerin ins Nachdenken und stellte fest: „Die Qualität der Arbeit ist genauso gut wie die der männlichen Kollegen.“

„Aha!“, antwortete ich. „Das ist spannend. Wie kommen Sie denn dann auf die Idee, dass die Frauen keinen Ehrgeiz haben?“ Die Reaktion der Führungskraft kam prompt: „Die verhalten sich wie Mauerblümchen.“

Da wurde mir schnell klar: Das Bild dieser Chefin speiste sich gar nicht aus Arbeitsergebnissen, sondern etwas ganz Anderem. Ich fragte nach – und die Chefin beschrieb für mich folgendes:

  • „Meine Mitarbeiterinnen bringen ihre Argumente einfach nicht souverän rüber.“
  • „Sie hinterfragen zu oft an ihre Fähigkeiten.“
  • „Die Kolleginnen gehen jedem Konflikt aus dem Weg.“

Die Chefin ist mit ihrem Eindruck nicht allein – und liegt doch falsch. Denn es ist ein Leichtes, sich durch Eindrücke leiten zu lassen, die vor allem durch körpersprachliche Signale entstehen, anstatt vor allem auf Arbeitsergebnisse zu schauen. Tatsächlich verbinden wir Durchsetzungskraft und Ehrgeiz ganz stark mit männlichem Verhalten. Breitbeinigkeit, ein gerader Blick, die tiefe Stimme… wenn all das fehlt, kommen Mitarbeiterinnen schnell etwas huschig rüber. Selbst wenn die Arbeitsergebnisse noch so gut sind.

Und tatsächlich: ich fragte etwas nach und die Chefin beschrieb mir, wie ihre Mitarbeiterinnen sich präsentieren:

  • In Meetings reden die Kolleginnen schnell und hastig, mit hoher Stimme.
  • Bei Präsentationen tanzen sie von einem Bein aufs Andere, gestikulieren viel.
  • Im Gespräch wird viel genickt und gelächelt.

Aus der Forschung wissen wir, dass Menschen solche Verhaltensweisen als Signal der Unterlegenheit und Schwäche verstehen. Hastig vorgetragene Wortbeiträge in hoher Tonlage wirken unsouverän. Wer bei Präsentationen nicht fest auf zwei Beinen steht, kommt so rüber, als vertraue er (oder eben sie) den eigenen Worten nicht. Und wer das Gegenüber im Gespräch zu viel bestätigt, sammelt Sympathiepunkte – aber wirkt schwach und leicht unterzubuttern.

Interessant daran: männliche und weibliche Körpersprache entstammen ganz stark unserer Sozialisation. Wir lernen früh, uns „männlich“ oder eben „weiblich“ zu verhalten – und tun das dann unterbewusst und andauernd. Wo Männer also selbstbewusst und souverän wirken, sind sie es oft nicht. Es kommt körpersprachlich nur so bei uns an! Und wenn Frauen hibbelig und wenig selbstbewusst rüberkommen, sind sie meist Opfer ihrer unterbewussten, gender-typischen Verhaltensweisen.

Was heißt das für Führungskräfte? Ganz klar: Glauben Sie Ihren Eindrücken nicht allzu schnell! Letztlich müssen die Ergebnisse der Maßstab sein, ob jemand der Beförderung würdig ist oder nicht. Aber dazu kommt: Spiegeln Sie Ihren Mitarbeiterinnen deren Verhaltensweisen. Sagen Sie ihnen, wie es besser gehen kann. Denn Verhalten kann man ändern – und Sie können genau dazu Mut machen!

 

Und noch ein Tipp:

Einen Kostenlosen Ratgeber für Sie und Ihre Mitarbeiter – um Körpersprache u.a. richtig zu deuten – finden Sie hier:

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.