Drei Arbeitnehmer applaudieren fröhlich

Fehler gemacht? Zeit für ein Lob!

Was wir für unsere Fehlerkultur von einem afrikanischen Brauch lernen können

Bei Fehlern lobenLoben Sie Ihre Mitarbeiter genug ihre für Missgeschicke? Nein? Dann wird es Zeit. Neulich habe ich über einen afrikanischen Stamm gelesen, der ein sehr schönes Ritual hat: Wenn jemand etwas Falsches macht, nehmen sie diesen Mensch in ihre Mitte, machen einen Kreis um ihn und bewegen sich um ihn herum. Zwei Tage lang sagen sie ihm, was er alles schon Gutes gemacht hat. Ungewöhnlich? Vielleicht. Aber je länger man darüber nachdenkt, desto schöner und sinnvoller ist dieser Brauch. Tatsächlich können wir uns sogar eine Scheibe davon abschneiden!

Überlegen Sie mal: Was passiert üblicherweise, wenn Sie einen Fehler machen? Wie fühlen Sie sich dann? Wie reagiert Ihr Umfeld? Meine Erfahrung ist: Die meisten Menschen fühlen sich sofort schlecht, wenn sie mal etwas falsch gemacht haben. Sie verfluchen sich im Stillen, beschimpfen sich über ihre innere Stimme: „Wie kannst Du auch so blöd sein! Jetzt denken sicherlich alle, Du bist unfähig. Jetzt musst Du Dich doppelt reinhängen…“ Und so weiter, und so fort. So richtig gut fühlt man sich dabei natürlich nicht. Eher im Gegenteil: Je härter wir innerlich mit uns selbst ins Gericht gehen, desto schlechter fühlen wir uns in aller Regel.

Und die Menschen um uns herum? Tja, das sieht häufig nicht viel besser aus. Gerade im beruflichen Kontext ist die Reaktion auf Fehler meist eine strafende. Genervte Kollegen, eine Rüge durch den Chef, der tadelnde Hinweis „Das sollte aber nicht noch einmal passieren…“ Auch diese Reaktionen laden uns eigentlich nur weitere Bürden auf, statt dass sie uns helfen, uns besser zu fühlen. Fast schon ein Wunder, dass wir nicht ganz gebeugt gehen, wenn wir mal einen Fehler gemacht haben!

Nimm es nicht so schwer!

Umso schöner fand ich den Brauch des afrikanischen Stamms. Anstatt zu schimpfen, zu tadeln oder die Augen zu verdrehen, schließen sie einen Kreis um denjenigen, der den Fehler gemacht hat. Anstatt ihn allein stehen zu lassen, nehmen sie ihn in ihre Mitte – ein Zeichen der Solidarität, das es schwer macht, sich selbst fertig zu machen. Dazu kommen die Erinnerungen an die vielen Dinge, die derjenige schon gut gemacht hat. Die Botschaft dabei: „Nimm es nicht so schwer! Du machst so viele Dinge richtig in Deinem Leben. Vergiss das nicht, wenn Du Dich wegen Deines Fehlers schlecht fühlen solltest!“

Das, was dieser Stamm macht, nennen wir im Unternehmensdeutsch „gute Fehlerkultur“. Fehlerkultur meint die Art und Weise, in der soziale Systeme mit Fehlern und Fehlerrisiken umgehen. In unserer Kultur gelten Fehler als etwas Schlechtes – als etwas, das wir tunlichst vermeiden müssen. Zeitgleich wissen wir aber auch: Nur wer Fehler macht, kann besser werden. Fehler sind am nützlichsten, wenn alle davon lernen. Deshalb macht es wenig Sinn, wenn Menschen sich nach einem Fehler ins Abseits stellen. Oder ihn verheimlichen. Oder von anderen vermittelt bekommen, dass das keinesfalls wieder passieren darf.

Ich versuche jetzt immer, den afrikanischen Brauch im Kopf zu behalten, wenn es um Fehler geht. Mich nicht zu beschimpfen, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Sondern eher darauf zu blicken, was ich in den Stunden zuvor gut gemacht habe. Ich frage mich: „Was hat dieser Fehler Gutes? Kann ich, können andere davon lernen?“ Zugegeben: Das ist nicht immer leicht. Aber es führt eben doch dazu, dass der innere Kritiker etwas leiser mit mir schimpft, wenn ich mal einen Fehler gemacht habe.

Probieren Sie das doch mal aus! Schimpfen Sie nicht, weder mit sich selbst noch mit anderen, wenn ein Fehler passiert ist. Loben Sie! Blicken Sie auf das Gute, das Gelungene! Gerade in der stressigen Adventszeit und während der Weihnachtsfeiertage können Sie sich und anderen so etwas sehr Gutes tun.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.