Familienförderung für KMU-Mitarbeiter

Familienförderung: Eine Herausforderung für den Mittelstand

Maßnahmen und Vergünstigungen für KMU-Angestellte mit Kindern

Beim Produkt- und Dienstleistungsangebot stehen mittelständische Betriebe naturgemäß im Wettbewerb mit großen Unternehmen. Sollten sie jedoch auch bei ihrer Familienpolitik mit den Großen wetteifern? Erwiesen ist, dass auch kleineren Firmen aus der Unterstützung von Arbeitnehmern mit Kindern greifbare Vorteile erwachsen.

Eine ausgeglichene Work-Life-Balance hilft den Angestellten dabei, im Beruf ihr Bestes zu geben – und das bedeutet gesteigerte Produktivität, eine stärkere Bindung ans Unternehmen und mehr Engagement[1]. Viele Arbeitnehmer finden allerdings, dass ihre Jobs zu viel Platz in ihrem Leben einnehmen. Eine britische Studie[2] ergab, dass 40 Prozent der Arbeitnehmer andere Lebensbereiche aufgrund des Arbeitsdrucks vernachlässigen. Unter der schlechteren Lebensqualität leiden Frauen unverhältnismäßig stärker.

Einer von Sodexo in sieben Ländern durchgeführten Studie[3] zufolge sind sich mittelständische Unternehmen der Vorteile einer verbesserten Lebensqualität ihrer Mitarbeiter durchaus bewusst. Von 4.800 befragten KMU-Führungskräften waren 84 Prozent der Überzeugung, dass sich die Unterstützung der Mitarbeiter bei der Verbesserung ihrer Work-Life-Balance positiv auf die Ergebnisse des Unternehmens auswirkt. Auffällig ist jedoch, dass sich nur 49 Prozent der Befragten in der Lage sahen, auf diesem Gebiet mit den großen Marktteilnehmern zu konkurrieren. Diese Zahl macht deutlich, dass vielen KMU schlicht das Wissen darüber fehlt, wie sich mehr Familienfreundlichkeit erreichen lässt.

Für kleine und mittlere Unternehmen ist der Ausgleich zwischen Beruf und Privatleben eine der wichtigsten Herausforderungen, wenn sie auf einem Arbeitsmarkt attraktiv bleiben wollen, auf dem die größeren Firmen Eltern zunehmend mehr Flexibilität bieten. Sogar von staatlicher Seite wurde das bereits erkannt. So startete Singapur ein spezielles Programm, das den Mittelstand dazu anspornen soll, arbeitende Mütter besser zu unterstützen[4]. In dem Land kehren acht von zehn Müttern nach der Babypause ins Berufsleben zurück. Laut Ministerin Josephine Teo erkennen KMU die Bedeutung der Unterstützung für Arbeitnehmer mit Kindern, wissen aber oft nicht, welche Maßnahmen sie treffen sollen. Eine wichtige Rolle dürfte in der ersten Phase des Familienlebens das Bedürfnis nach Kinderbetreuung spielen.

Bedürfnisse der Mitarbeiter erkennen – Beispiele aus der Praxis

Mittelständische Unternehmen, die es im Kampf um die besten Talente mit den Großen aufnehmen wollen, können dieses Bedürfnis junger Eltern durch eine ganze Reihe von Maßnahmen erfüllen[5]. Problemlos umsetzbar sind zum Beispiel Angebote für die Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten und Heimarbeitstage, insbesondere zur Betreuung kranker Kinder. So können in Großbritannien Eltern von Kindern im Alter von bis zu 15 Jahren einen Teil ihres Bruttogehalts in Sodexo Gutscheine eintauschen und mit diesen über ein Internetportal die Leistungen von Kinderbetreuungseinrichtungen bezahlen. Das staatlich geförderte Programm kann einem Angestellten umgerechnet etwa 1.100 Euro pro Jahr an Kosten für die Kinderbetreuung sparen. Für Arbeitgeber bedeutet es um etwa 500 Euro geringere Sozialbeiträge. Bei einer Umfrage unter 1.200 Eltern wurde das Programm von 99,5 Prozent der Teilnehmer empfohlen. In Frankreich bietet die zu Sodexo gehörige Firma Crèche Attitude ein ähnlich steuereffizientes Modell, durch das Arbeitgeber Krippenplätze für die Kinder ihrer Angestellten teilfinanzieren können. In dem Netzwerk von 1.000 Krippen werden täglich 7.000 Kinder betreut und so die Belastung für die arbeitenden Eltern reduziert.

Ebenso wichtig ist für KMU die Gewissheit, sich bei der Bereitstellung dieser Leistungen auf externe Kompetenzen verlassen zu können und auf diese Weise die Leistung des Unternehmens zu steigern. Ein Beispiel dafür sind Concierge-Services, die für arbeitende Eltern bestimmte Routineaufgaben wie die Buchung von Terminen, das Abholen von Bestellungen oder die Anforderung von Dienstleistungen übernehmen.

Zwar scheint es vielen mittelständischen Unternehmen, dass sie den Großen im Wettbewerb um die beste Familienpolitik wenig voraus haben – doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Die unabhängig voneinander umsetzbaren Initiativen und die Vielfalt der von externen Anbietern gebotenen Dienstleistungen geben auch kleinen und mittleren Firmen zahlreiche Möglichkeiten an die Hand, das Leben von Arbeitnehmern mit Kindern leichter zu machen. Und wie viele Studien bereits gezeigt haben, sind glücklichere Mitarbeiter die besseren Mitarbeiter.

Praxisbeispiel: Mittelständisches Unternehmen in Rumänien

Für Network One Distribution, einen mittelständischen Händler für IT- und Elektronikprodukte in Rumänien, stellt die Förderung einer ausgewogenen Work-Life-Balance seiner Angestellten eine Herausforderung dar. Eine Herausforderung, die sich jedoch auf verschiedene Weise bewältigen lässt und stets eine zufriedenstellende Rendite bedeutet. „Wir wissen, dass es schwer ist, die perfekte Work-Life-Balance zu erreichen, aber für unsere werdenden Eltern haben wir zum Beispiel einen zehnwöchigen Gratiskurs mit zwei Stunden pro Woche zur Vorbereitung auf die Ankunft des Nachwuchses angeboten“, erzählt Personalchef Eugen Floarea. „Zur Geburt gibt es Geschenkkarten und zu Weihnachten veranstalten wir eine Party für 120 Kinder und 200 Elternteile. Eine Anpassung der Arbeitszeiten an die Öffnungszeiten der Kinderkrippe ist bei uns ebenso möglich, und wenn ein Kind krank ist, kann die Mutter stets zu Hause bleiben. Wir haben in den letzten zwei, drei Jahren bereits viel für Arbeitnehmer mit Kindern getan, obwohl weiterhin das Gefühl besteht, dass wir noch mehr tun könnten.“


[1] Quality of Life: a BIG asset for small business leaders, SODEXO Benefits & Rewards Services 2015.

[2] https://www.mentalhealth.org.uk/a-to-z/w/work-life-balance

[3] Quality of Life: a BIG asset for small business leaders, SODEXO Benefits & Rewards Services 2015.

[4] http://www.todayonline.com/singapore/govt-wants-smes-give-working-mums-more-support-josephine-teo
 
[5] http://www.smartcompany.com.au/people-human-resources/make-sme-family-friendly-face-consequences/

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.