HRM: Glückliche Mitarbeiterinnen

Drei Schritte für einen fairen Arbeitsplatz: Was Sie als Chefin tun können, um Frauen fair zu behandeln

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Dass Frauen sich weniger aggressiv verkaufen als Männer – das ist bekannt. Aber wussten Sie auch, dass die Leistung von Karrierefrauen deutlich strenger evaluiert wird als die ihrer männlichen Kollegen? Klingt unglaublich, ist aber so. Zahlreiche Studien zeigen, dass Frauen und Männer für die gleiche Leistung unterschiedlich bewertet werden. Wo Männer gut abschneiden, tun Frauen es in aller Regel etwas weniger.

Als Karrierefrau können Sie aktiv etwas dafür tun, damit das in Ihrem Team nicht passiert. Folgende drei Schritte helfen, ein Spielfeld mit gleichen Regeln für alle zu bauen:

  1. Streichen Sie das Geschlecht aus Bewerbungsprozessen

In Deutschland ist es nach wie vor Alltag: Das Bewerbungsfoto. Dabei ist klar, dass uns der erste optische Eindruck vor allem dazu bringt, unsere Vorurteile zu aktivieren. Übergewichtig? Muss faul sein! Brille? Wahrscheinlich zu verkopft. Gerader Blick? Sicherlich ein entschlossener Typ… Sie merken vielleicht schon: wir sind schnell am bewerten, ob wir es wollen oder nicht. Und das, obwohl ein Foto nichts aussagt über die tatsächliche Qualifikation von Bewerberinnen und Bewerbern.

Um so wichtiger ist es gerade bei Geschlechter-Fragen: weg mit dem Foto! Wenn wir nicht wissen, ob sich hinter einer Bewerbung eine Frau oder ein Mann bewirbt, gucken wir ausschließlich auf die Qualifikation. Statt dass wir auf eigene Geschlechter-Stereoypen reinfallen.

  1. Legen Sie klare Bewertungsmaßstäbe an

Unfaire Bewertung am Arbeitsplatz setzt eines zwingend voraus: unklare Kriterien für das Urteil darüber, wie jemand arbeitet. Um so wichtiger ist, dass Sie Ihrem Team sehr klar sagen, woran es gemessen wird. Wenn Sie als Führungskraft sehr eindeutig definiert haben, woran gute Leistung erkennbar wird, macht Ihnen das eine unvoreingenommene Bewertung leichter.

Im Fall Frau-Mann heißt das: Gucken Sie auf Output, nicht auf Präsenz. Schauen Sie auf Peer-Reviews, anstatt nur auf Ihr eigenes Urteil zu vertrauen. Dabei gilt: jede und jeder im Team muss in der Lage sein, insbesondere negative und besonders positive Bewertungen mit eindeutigen Beispielen zu unterlegen. So können Sie im gemeinsamen Gespräch schnell herausfinden, ob sich Männernetzwerke gegenseitig hochloben oder ein Teammitglied ungerechterweise abgewertet wird, obwohl sie eigentlich gut gearbeitet hat.

  1. Machen Sie Vorurteile zum Gesprächsgegenstand

Die meisten Menschen sind keine aktiven Frauenfeinde. Eher im Gegenteil: die Leute, mit denen ich spreche, schätzen sich als Unterstützer von Karrierefrauen ein. Um so erstaunter sind sie dann, wenn sie in sich selbst Muster entdecken, die Ungleichheit befördern. Das liegt daran, dass wir gesellschaftlich stark vorgeprägt sind und Frauen und Männer eben nicht gleich anschauen.

Deshalb sollten Sie als gute Chefin von Anfang an offen über Vorurteile sprechen. Dazu reichen oft kurze Sätze: „Wenn wir uns gegenseitig bewerten, müssen wir gut aufpassen. Aus der Forschung wissen wir, dass Frauen oft härter bewertet werden als Männer. Deshalb ist es gut, wenn wir uns bei negativen Bewertungen fragen: Würde ich das auch über einen Mann sagen?“ So helfen Sie Ihrem Team, nachzudenken und das eigene Urteil kritisch zu hinterfragen.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.