Weibliche Hand hält Zettel mit Schriftzug Future

Die Zukunft der Mitarbeitermotivation

Interview mit Andreas Steinle, Geschäftsführer vom Zukunftsinstitut Frankfurt und Leiter der empirischen Trendforschung

Die Zukunft der MitarbeitermotivationAndreas Steinle ist Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Frankfurt und analysiert und kommentiert tagtäglich aktuelle Trends rund um die Themen Business-Innovationen und -Kommunikation, die Typologie der Gesellschaft und ihr Konsumverhalten. Der Dipl.-Kommunikationswirt berät und betreut nationale wie internationale Kunden in Strategieprozessen und gilt als gefragter Referent und Buchautor.

Herr Steinle, wie wichtig ist die Mitarbeitermotivation?

Nur mit motivierten Mitarbeitern werden Unternehmen in Zukunft erfolgreich sein können. In der Wissensökonomie von morgen zählen Kreativität und Innovationen. Beides entsteht nicht in einer demotivierenden Unternehmenskultur. Oder anders ausgedrückt: Arbeit muss Spaß machen.

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?

Entscheidend ist die richtige Unternehmenskultur. Sie bildet den Nährboden für intrinsische Motivation, die aus dem Innern eines jeden Menschen kommt. Damit Mitarbeiter sich selber motivieren können, benötigen sie ein entsprechendes Umfeld, das ihnen möglichst viel Autonomie und Selbstbestimmung, aber auch Unterstützung bietet. Beides versuchen wir bei uns im Unternehmen zu gewährleisten. Zum Beispiel indem unsere Mitarbeiter selbstständig über Ort und Zeit ihrer Arbeit bestimmen. Wer von zu Hause arbeiten will, um sich besser auf eine Aufgabe zu konzentrieren, kann das tun. Die Ziele sind definiert. Der Weg dorthin wird selber gewählt. Nichtsdestotrotz bleibt es bei uns wichtig, die meiste Zeit gemeinsam im Büro zu verbringen. Nur dann entsteht die informelle Kommunikation, die für Ideen- und Wissenstransfer so wichtig ist.

Sie kennen sich aus in Sachen Zukunftsforschung. Was können Sie uns über die Zukunft der Mitarbeiterführung und -motivation beziehungsweise künftige Motivationstrends sagen?

In unserer Studie „Heidelberger Leben Trendmonitor“ haben wir die junge Generation (16- bis 35-Jährige) befragt, was ihnen an ihrer beruflichen Tätigkeit wichtig ist. An erster Stelle wurde eine „gute Arbeitsatmosphäre und Zusammenarbeit im Team“ genannt – weit vor dem Punkt „Ich will viel Geld verdienen“. Alle Incentivierungen, die das Arbeitsklima verbessern, gehen daher in eine zukunftsorientierte Richtung – das gemeinsame Mittagessen, die Weiterbildung im Team. Es kann aber auch die Förderung eines Projekts sein, das die Mitarbeiter persönlich sinnvoll empfinden und bei dem sie mitwirken können.

Inwiefern spielt hier das Thema „Smart Media“ eine Rolle? Was ändert sich in Sachen Kommunikation?

Smart Media macht das Unternehmen transparenter. Zwischen den Hierarchieebenen aber auch zwischen den Unternehmen und seinen Kunden oder Partnern ist der direkte Austausch möglich. Darin liegt eine riesige Chance, den Ideenfluss und die Innovationskultur zu befördern. Das bedeutet aber auch, dass man das, was gesagt wird, ernst nimmt und Antworten gibt. Der Kommunikationsaufwand wird damit für jedes Unternehmen größer. Das zahlt sich aber in einer größeren Dynamik und Ideenvorsprung aus.

In wie weit werden überhaupt Smartphones, Social Media, Online Recruiting und generell das ganze Thema „Internet“ in Zukunft die Mitarbeitermotivation weiter verändern?

Wir steuern auf eine total vernetzte Welt zu, in der jede meiner Handlungen ein Feedback erzeugt. Positives Feedback wirkt unglaublich motivierend. Wenn der Forscher aus der Entwicklungsabteilung das Feedback bekommt, wie begeistert ein Kunde von seiner Entwicklung ist, wiegt das mehr als Geld. Das Management der Feedbackkanäle wird daher entscheidend sein für die Mitarbeitermotivation.

Welche Rolle wird die viel diskutierte „Work-Life-Balance“ spielen?

Für junge Berufsteinsteiger, die sogenannte Generation Y, ist die Work-Life-Balance von zentraler Bedeutung. Man lockt sie nicht mehr mit einem dicken Firmenwagen, sondern mit der Aussicht auf ein Sabbatical, bei dem man seine Talente weiterentwickeln kann. Bei der Diskussion um Work-Life-Balance sollte man jedoch nicht den Trugschluss ziehen, dass es um ein Mehr an Freizeit geht. Es geht um den persönlich sinnvoll erlebten Einsatz seiner Zeit. Das kann je nach Lebenssituation auch bedeuten, viel mehr als normal zu arbeiten.

Stichwort “New Leadership”: Welchen Tipp haben Sie noch für unsere Leser in Sachen “Mitarbeitermotivation?

Menschen wollen keine „Leader“, sonder wollen sich selber führen. Konzentrieren Sie sich nicht darauf, Menschen zu motivieren. Lassen Sie einfach die Dinge sein, die Menschen demotivieren: nicht zuhören, nicht ansprechbar sein, keine Wertschätzung zeigen, übermäßige Kontrolle ausüben. Das reicht vollkommen, um motivierte Mitarbeiter zu bekommen.

 

Danke für das Interview.

 

Über Stefanie Rehm

Stefanie Rehm ist Diplom-Onlinejournalistin und für eine Frankfurter Internetagentur tätig. Als Expertin für alle Formen der unternehmensinternen und – externen Kommunikation kümmert sie sich unter anderem um diverse Online-Magazine oder um die Außendarstellung der Agentur-Kunden. Seit über drei Jahren schreibt sie regelmäßig Fachartikel und Blogartikel rund um Human Resources Management.