Mitarbeiter und schwangere Mitarbeiterin unterhalt sich mit Arbeitsmaterial in der Hand

Die Nachwuchsfalle: Warum wir die Nachwuchsförderung neu denken müssen

Gendermanagement: Eine Kolumne von Nicola Fritze, Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Für unsere Karriere ist die Phase zwischen 30 und 35 ganz entscheidend. Warum? Weil das die Altersspanne ist, in der Unternehmen die Top-Führungstalente identifizieren und intensiv fördern. Das ist die Zeit, in der sich junge Nachwuchskräfte schon etablieren konnten – aber zeitgleich noch in der heißen Entwicklungsphase stecken, in der zudem viel Zeit ist für das Entwickeln neuer Karrierepfade.

Fällt Ihnen etwas auf? Zufällig ist das auch genau die Phase, in der sich viele Frauen für Kinder entscheiden. Was daraus folgt, ist klar: schwangere Frauen verlassen (zumindest für einige Zeit) den Arbeitsplatz. Die Top-Nachwuchskarrieren verteilen dann die Männer unter sich. Schlicht weil sie ununterbrochen vor Ort sind.

Eigentlich müsste Unternehmen das auffallen. Und dennoch halten die meisten weiter an der bestehenden Nachwuchsförderung fest. Haben wir ja schließlich immer so gemacht!

Das setzt Frauen unter Entscheidungsdruck. Soll ich meinen Kinderwunsch etwa ignorieren? Oder ihn einfach immer weiter nach hinten schieben? So entsteht ein taktisches Verhandeln mit sich selbst, im stillen Gespräch. Kind ja oder nein? Jetzt oder später? Frauen mit Karriereambition vertagen die Schwangerschaft häufig immer weiter nach hinten, manchmal mit spürbaren Nachteilen. Denn damit einher gehen wachsende Gesundheitsrisiken für Mutter und Kind.

Absurd. Schließlich ist die Lösung so einfach. Wir wissen, dass Frauen sich ab Anfang 40 wieder stärker auf die Karriere fokussieren. Zu diesem Zeitpunkt stehen sie noch mindestens 20 Jahre im Job, in der Regel hoch motiviert und mit großem Ehrgeiz. Wieso verlagern Unternehmen ihre Aufstiegswege also nicht einfach bewusst nach hinten?

Eigentlich kann es nicht so schwer sein. Es ist ja nichts einzuwenden, wenn manche Frauen und Männer schon mit Anfang 30 den Weg nach oben antreten. Aber das schließt doch nicht aus, dass andere Mütter (und Väter!) das etwa zehn Jahre später tun. Dieser verzögerte Aufstieg kann sich anschließen an Auszeiten und Teilzeitphasen und holt die Leute in dem Moment mit guten Aufstiegsangeboten ab, wo sie abgeholt werden wollen.

Wenn Unternehmen das schaffen, bieten sie einen Karrierepfad an, der zur Lebensphase passt – anstatt die Karriere als Gegner der Lebensplanung zu gestalten. Das ist übrigens auch im geschäftlichen Interesse. Es kann sich doch keiner ernsthaft leisten, hoch motivierte, begabte Menschen einfach links liegen zu lassen, nur weil sie mit Anfang 30 nicht zu 100% verfügbar waren. Wer so seine Talente verbrennt, schadet am Schluss nur sich selbst.

Also, liebe Unternehmen: nichts wie her mit der Karriereförderung für die Generation 40+! Wenn Ihr hier Aufstiegspfade eröffnet, die attraktiv sind, danken Euch das nicht nur die weiblichen Talente in Eurer Organisation. Am Schluss werdet Ihr Euch durch mehr Erfolg auch Euch selbst danken. Also nichts wie weg von den ausgetretenen Pfaden, hin zu familiengemäßer Karriereförderung!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.