Mann hält Tablet und sucht nach Wörtern Mythos oder Fakt

Die Mythen der Selbstorganisation im Unternehmen – Drei Wahrheiten zu selbstorganisiertem Arbeiten

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Selbstorganisation! Bei diesem Wort kommt Interesse auf. Gerade bei Führungskräften, die im Coaching klar sagen: „Mit Mikromanagement und Flaschenhalsorganisation kommen wir nicht mehr weiter!“ Da gilt Selbstorganisation am Arbeitsplatz als geeignetes Rezept. Schließlich schneidet das alte Zöpfe ab: starre Hierarchien, langsame Prozesse, Flaschenhalsorganisation…

Also nichts wie auf zu selbstorganisierten Ufern? Tja, so einfach ist es nicht. Denn hinter dem Wort verstecken sich viele Mythen und Irrtümer. Zeit, Klarheit zu schaffen!

Mythos 1: Selbstorganisation heißt: „Mitarbeitende können machen, was sie wollen“

Ein selbstorganisiertes Arbeitsumfeld braucht vor allem zwei Dinge, um zu funktionieren: klare Arbeitsprinzipien und ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Teams müssen sich also klarer denn je verständigen, wer was macht – und das immer und immer wieder. Denn Selbstorganisation heißt vor allem, dass Teams mehr miteinander und untereinander kommunizieren. Wenn dann einer anfängt, einfach alles ganz anders zu machen, und noch dazu, wann er will – dann geht es schief.

In anderen Worten: Selbstorganisation macht zwar den Chef obsolet, der kontrolliert, drängelt und im Zweifel den Karren aus dem Dreck holt. Das macht idealerweise das Team selbst. Nur: dafür muss es befähigt werden. Das ist jetzt die neue Königsdisziplin, für die es Führungskräfte braucht!

Mythos 2: „Wenn wir Selbstorganisation einführen, bin ich meinen Chefsessel los “

Die häufigste Angst, die mir begegnet: Führungskräfte meinen, sie würden einfach abgeschafft. Aber so einfach ist es nicht. Wie oben beschrieben: Verantwortung wandert in die Reihen der Mitarbeitenden. Aber Führung – im Sinne von Steuerung – braucht es weiter. Chefs sind jetzt dafür da, dem Team die bestmögliche Arbeit zu ermöglichen. Eine schöne Aufgabe, oder? Zumindest deutlich spannender als Kontrolle und Troubleshooting…

Mythos 3: „Die Mitarbeitenden machen dann alles selbst und ich habe meine Ruhe“

Ach ja, die fromme Hoffnung aller Chefinnen und Chefs. Selbstorganisiert heißt für Führungskräfte oft: „Macht mal! Und lasst mich ja in Ruhe damit.“ Tja. Wer so handelt, fährt den Karren schnell in den Dreck.

Als Führungskraft selbstorganisierter Teams hat man die Verantwortung, alles zu tun, dass die Mitarbeitenden die Entscheidungen treffen können, die sie eben treffen müssen. Qualifiziert, informiert – und dann auch noch mit den Ressourcen, die es zur erfolgreichen Umsetzung braucht. All das muss die Führungskraft im Blick behalten und unterstützen, befähigen, befördern. Das ist also so ziemlich das Gegenteil von „Macht doch einfach mal.“!

Ändert alles nichts dran: Selbstorganisation ist klasse. Und die erste Aufgabe ist es, mit gängigen Mythen aufzuräumen. Sonst geht jeder Versuch selbstorganisierter Arbeit ganz schnell schief!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.