Mitarbeiterin gießt Fragezeichen-Pflanze

Der Chef als souveräner Alleskönner? Die Irrtümer der Mitarbeitenden-Führung

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

Neulich saß mir im Coaching eine Führungskraft gegenüber, die schwer an ihrer Verantwortung trug: „Ich muss immer gut drauf sein. Ich muss fair sein. Konstruktiv. Ich muss auf alles eine Antwort haben. Das hält doch kein Mensch aus!“ Entsprechend ausgebrannt war der arme Mann.

Solchen Chefinnen und Chefs begegne ich immer wieder. Menschen, die ihre Verantwortung sehr ernst nehmen. Sie wollen ihren Job mehr als gut machen, wollen da sein für ihre Teams. Der Nachteil: wer zu viel von sich fordert, verhebt sich schnell. Davon aber hat keiner etwas. Was bringt es uns, wenn die verantwortungsbewussten Führungskräfte ausbrennen?

Prüfen Sie sich mal selbst: Sind Sie Opfer der zwei gängigsten Irrtümer über die Führung von Mitarbeitenden geworden?

Mythos 1: Als Führungskraft muss ich alles wissen!

Sie sind eher die Regel als die Ausnahme. Führungskräfte, die von sich erwarten, immer eine Antwort haben zu müssen. Und am besten auch noch eine gute! Dahinter steckt meistens eine Angst: „Wenn ich etwas nicht weiß, hält mein Team mich für inkompetent und meine Autorität ist futsch.“

Ganz falsch! Wir brauchen Chefinnen und Chefs, die Fragen stellen, anstatt auf alles Antworten zu geben. Nichts ist souveräner als eine Führungskraft, die antwortet: „Ich weiß es auch nicht. Lassen Sie uns gemeinsam nach einer guten Lösung für Ihr Problem oder Ihre Frage suchen.“ So paradox es sein mag: Nicht-Wissen kann kompetent wirken. Aber nur, wenn Sie offen und lernbereit damit umgehen!

Mythos 2: Als Führungskraft darf ich mir keine Fehler leisten

Tatsächlich tun Führungskräfte häufig alles, um Fehler zu vertuschen. Weil sie denken, dass Fehler sie angreifbar machen. Dabei können Fehler von Vorgesetzten Mitarbeitende sogar ermutigen: zu einem positiven Umgang mit den Dingen, die nicht perfekt gelaufen sind und zu mehr Mut auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen, Dinge auszuprobieren.

Fehler sind zwingender Teil der Arbeit – zumindest für alle, die neue Wege gehen und sich verbessern. In anderen Worten: Übel sind in der Summe diejenigen, die nie Fehler machen. Denn die probieren nichts Neues und produzieren so Stillstand. Wichtig ist aber, dass man aus Fehlern lernt – und seine Erfahrung am besten mit seinem Team teilt. Dann haben nämlich alle etwas von dem Bockmist, den man vielleicht angerichtet hat. Und ist obendrein noch gutes Vorbild für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.