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Demokratische Unternehmen? Wie Selbstorganisation am Arbeitsplatz Furore macht

Motivation am Montag von Nicola Fritze, Expertin für Persönlichkeitsentwicklung und Motivation

„Das demokratische Unternehmen“. So lautet der Titel der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift enorm. Was neu klingt, ist eigentlich schon eine Weile im Gange. Immer mehr Unternehmen stellen sich anders auf, als wir es gewöhnt sind. Ohne pyramidale Organigramme, starre Zuständigkeiten und lange Verwaltungswege. Gerade Start-Ups wagen viel Neues – und ziehen wegen dieser innovativen Arbeitsweisen die klugen Köpfe an, die anderes wollen als zähe Konzernstrukturen.

Doch nicht nur Gründerinnen und Gründer gehen neue Wege. Auch größere Unternehmen wie Zalando oder Hauffe-Umantis haben ihre Strukturen auf selbstorganisiert umgestellt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen in solchen Unternehmen so viel Entscheidungshoheit wie möglich haben. Anstatt bei allen wichtigeren Entscheidungen erst einmal den Chef fragen zu müssen, berät man sich in der Regel nur mit ausgewählten Kolleginnen und Kollegen. Und fällt eine Entscheidung.

Klingt ungewohnt, macht aber Sinn. Denn was spricht gegen die Annahme, dass diejenigen, die Entscheidungen am Schluss selbst ausbaden müssen, schon die richtigen Weichen stellen? Aus meiner Sicht äußerst wenig, so lange der Entscheidungsweg gut gestaltet ist!

Wer sich selbstorganisiert aufstellt, verkürzt bürokratische Wege und beschleunigt Entscheidungswege. Dazu kommt weniger Frust im Alltag. Diejenigen, die unmittelbar betroffen sind und deshalb am meisten Ahnung haben, entscheiden. Das motiviert und erhöht das Verantwortungsbewusstsein bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und es nimmt ihnen eine Menge Frust ab. Überlegen Sie mal, wie viel Ärger in Unternehmen heute herrscht, weil das mittlere Management häufig Entscheidungen fällt, die im Alltag wenig Sinn haben, aber dafür viel Arbeit bereiten…

Mit „demokratisch“, wie von den Journalisten bei enorm angenommen, haben selbstorganisierte Unternehmen allerdings nur wenig zu tun. Bei „demokratisch“ denke ich sofort an Abstimmungen nach dem Mehrheitsprinzip, Kompromisssuche und gleiche Rechte aller Beteiligten. Selbstorganisierte Unternehmen sind da viel pragmatischer: diejenigen, die den Hut aufhaben, entscheiden. Bedenken werden in aller Regel in Überlegungen mit einbezogen, aber es gibt in der Regel keinen Zwang zum Konsens. Und an vielen Stellen stechen schnelle Entscheidungswege die breite Einbindung aller Kolleginnen und Kollegen. Schließlich kann man sich ganz schnell selbst lähmen, wenn die Zahl derer, die mitreden, zu groß wird!

Klingt alles super, ist aber gar nicht so leicht umzusetzen. Bislang gibt es nur wenige Erfolgsbeispiele, und die allermeisten Unternehmen arbeiten unbeeindruckt in ihren alten Strukturen weiter. Schließlich ist der Weg zu funktionierender Selbstorganisation nicht ganz einfach. Denn wer hier wirklich neue Wege gehen möchte, muss mit einer ganzen Menge alter Gewohnheiten brechen und eine Vertrauenskultur im Unternehmen entwickeln, die manchen noch zu viel Angst macht.

Deshalb ist noch offen, ob die öffentliche Aufmerksamkeit für Selbstorganisation am Schluss gerechtfertigt sein wird. Und trotzdem wünsche ich den wenigen Pionieren in dem Bereich eine Menge Erfolg. Wir brauchen mehr überzeugende Praxisbeispiele, die zeigen: es geht auch anders!

Über Nicola Fritze

Nicola Fritze ist erfolgreiche Rednerin, Trainerin, Podcasterin und Buchautorin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Die Pädagogin ist zudem gefragte Beraterin für Unternehmen zu strategischen Fragen der Mitarbeitermotivation. Ihr Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ ist seit 2013 auf dem Markt.

Weitere Informationen finden Sie auf www.nicolafritze.de.